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Ostsächsische Kunsthalle in Pulsnitz eröffnet - Ausstellung mit Arbeiten von Walter Nessler

Ostsächsische Kunsthalle in Pulsnitz eröffnet - Ausstellung mit Arbeiten von Walter Nessler

Einen solchen Menschenauflauf hat die kleine Stadt wohl lange nicht gesehen. Etwa 600 Interessierte drängten sich am Sonnabend Nachmittag auf den 500 Quadratmetern einer ehemaligen Kaufhalle, um deren Eröffnung als Ostsächsische Kunsthalle zu erleben (siehe auch DNN vom 23. März).

Gekommen waren Kunstfreunde aus der Rietschel-Stadt sowie der näheren und ferneren Umgebung, darunter natürlich aus Dresden. Sabine Schubert, Vorsitzende des Ernst-Rietschel-Kulturrings e. V., freute sich aber ganz besonders über das große Interesse der Pulsnitzer, von denen mancher an der Herrichtung der Räumlichkeit beteiligt war. Sie nannte die Eröffnung der Kunsthalle das "drittwichtigste Ereignis" in der Geschichte des Kulturrings. Die beiden anderen Marksteine waren die Auslobung des nach dem Begründer der Dresdner Bildhauerschule Ernst Rietschel (1804-1861) benannten, mit 15000 Euro dotierten, mittlerweile deutschlandweit angesehenen Kunstpreises 1991, der seitdem aller zwei Jahre an Bildhauer verliehen wird, sowie die Eröffnung der Galerie im Geburtshaus Ernst Rietschels im Jahr 2000, die alljährlich zu vier bis sechs Ausstellungen einlädt, die über Pulsnitz ausstrahlen. Auch für die Zukunft hat die Galerie keineswegs ausgedient. Mittlerweile aber ist sie - und damit kommt man zu der überaus erfolgreichen und bewundernswerten Arbeit, die Schubert und ihre Mitstreiter leisten - rein räumlich überfordert, ist der Verein selbst doch zum beachteten Kunstsammler und Nachlassverwalter geworden.

Einen Eindruck davon vermitteln für die nächsten Wochen Präsentationen in der Kunsthalle und weiteren Räumlichkeiten: Im Zentrum steht Walter Nessler (1912-2001), dessen 100. Geburtstag am 19. Januar begangen wurde (DNN berichteten), und dessen Nachlass dank dem Verein in der rechtsfähigen Walter-Nessler-Stiftung in Pulsnitz verankert werden konnte. Nun sind erstmals eine größere Anzahl Polyesterbilder Nesslers - eigentlich sind es eine Art Assemblagen - aus den 1960er Jahren vereint, in die die verschiedensten Metallteile, aber auch Möglichkeiten zur Beleuchtung eingebracht sind. Der "Hit" ist, dass es gelang, mehreren Bildern mit moderner LED-Technik ihre Leuchtkraft wiederzugeben. Die Wirkung ist beeindruckend und vermittelt eine Vorstellung von der ursprünglichen Intention dieser Werkgruppe.

Darüber hinaus kann man zahlreiche Aquarelle von Reisen nach Spanien und Schottland im Kultursaal der Schlossklinik sowie im Haus des Gastes bewundern. Im Rietschel-Haus wiederum trifft man auf Londonaquarelle, die die erlebten baulichen Veränderungen der Metropole einfangen, sowie auf frühe Werke: das berühmte "Hitler-ABC", Nesslers satirische, vor seiner Emigration entstandene Auseinandersetzung mit dem Faschismus, und eine auf die Hitlerdiktatur zielende Zeichnungsfolge zu chinesischen Gedichten, die von Klabund ins Deutsche übertragen wurden. Deren Diktion erinnert an Hans Grundigs Grafiken aus jener Zeit.

Beeindruckend ist darüber hinaus, was im Laufe der Jahre noch seinen Weg nach Pulsnitz gefunden hat. Zuvorderst sind zahlreiche Werke der im vergangenen Jahr zur Hälfte hierher gelangten Sammlung Frotz (der andere Teil ging an das Lindenau-Museum Altenburg) zu nennen, die Arbeiten ostdeutscher, besonders Dresdner und Berliner Künstler vereint. Ferner sind mehr als 200 Werke von Herbert Vogt zu erwähnen, einem Oberlausitzer, den es nach 1945 an den Bodensee verschlagen hat. Drei von seinen Bildern sind ebenso Teil der Präsentation wie einige von Horst Leifer, die an dessen enge Verbindung zum Rietschel-Verein erinnern. Der war auch das Büchlein zu verdanken, das die Selbstporträts aus den letzten Lebenstagen des Künstlers zusammenfasst (gearbeitet wird gerade an einer Publikation seiner Holzschnitte). Dass gleich daneben ein Leifer-Porträt von Christiane Latendorf hängt, passt ebenfalls, bestand beziehungsweise besteht doch eine enge Künstlerfreundschaft mit Horst und Sybille Leifer.

Auf weitere empfangene Nachlässe beziehungsweise Vermächtnisse verweisen Bilder Richard Drehers, aber auch von Rosso Majores. Werke von Horst Bachmann sowie schöne Landschaften von Werner Juza wiederum deuten auf Pläne zur Errichtung weiterer Stiftungen.

Die Eröffnung der Ostsächsischen Kunsthalle war somit auch ein Anlass, um sich das immer wieder in Erstaunen versetzende Engagement des Ernst-Rietschel-Kulturrings für Kunst und Künstler der Oberlausitz und darüber hinaus bewusst zu machen. Dabei hat sich der Verein stets hilfreicher Partner versichert, nicht zu- letzt in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. So verwunderte es nicht, dass der jetzige Generaldirektor der Museen der Klassikstiftung Weimar und vormalige langjährige Direktor des Dresdner Kupferstich-Kabinetts Wolfgang Holler der Kunsthalle würdigende Worte mit auf den Weg gab - zumal er Rietschel beziehungsweise dessen berühmten Goethe-Schiller-Denkmal ja täglich begegnet. Holler nannte die Entwicklung des Ernst-Rietschel-Kulturrings seit seiner Gründung 1990 "atemberaubend". Er gehöre "zum Außergewöhnlichsten, was in den letzten Jahren in Sachsen an Kulturaktivitäten entstanden" sei. Dabei erinnerte Holler auch daran, dass durch den Verein Nesslers "Schwalbenbuch" ins Kupferstich-Kabinett gelangte.

Ganz persönliche Erinnerungen an den Künstler schilderte der einstige Kulturattaché der Botschaft der Bundesrepublik in Großbritannien Werner Kilian. 1978 hatte er eine Ausstellung inszeniert, die deutsche, in London lebende Künstler vereinte, darunter zahlreiche Emigranten. Der damals dort gezeigte "Dresdner Traum" von Nessler aus den 1930er Jahren, der die Stadt vor feuerrotem Himmel zeigt, gehört heute dem MDR, während die bekannte "Englische Kirche" (1935), die gut in die jüngste Dresdener Ausstellung zur Neuen Sachlichkeit gepasst hätte, Teil der Walter-Nessler-Stiftung ist und in der Kunsthalle bewundert werden kann. Kilian meinte, Nessler hätte "diese umfangreiche Präsentation seiner Werke sicher genossen", nicht zuletzt die begleitenden Miles-Davis-Melodien, sei der Künstler doch "ein großer Jazz-Liebhaber gewesen". Genossen hat dies gewiss auch der Sohn des Künstlers, der unter den Gästen war.

In der Ostsächsischen Kunsthalle, die dem Kulturring von Eigentümerin Sabine Schubert - zum Gebäude gehören noch mehrere Mietwohnungen - entgeltfrei zur Verfügung gestellt wird, sind jährlich zwei Ausstellungen geplant. Bei den Betriebskosten setzt der Verein auf Förderung durch den Kulturraum und Sponsoren. Vieles andere - etwa die Öffnungszeiten - wird über ehrenamtliche Helfer organisiert. Die Vereinsvorsitzende sieht "keine Probleme", auch die Ostsächsische Kunsthalle zu einer Erfolgsgeschichte zu machen.

Kunsthalle: bis 29. Juli, Do., Fr., So. 14 bis 17 Uhr

Galerie im Geburtshaus Ernst Rietschels: bis 15. April, Do., Fr., So. 14 bis 17 Uhr

Haus des Gastes: bis 6. Mai, Do., Fr., So. 14 bis 17 Uhr

Kultursaal HELIOS Klinik Schloss Pulsnitz: bis 6. Mai, So. 14 bis 17 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2012

Lisa Werner-Art

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