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Osterfestspiele wieder mit viel Dresdner Beteiligung

Salzburg Osterfestspiele wieder mit viel Dresdner Beteiligung

Die Osterfestspiele in Salzburg stehen in diesem Jahr ganz im Zeichen von Shakespeares Todestag. Die sächsische Staatskapelle und Christian Thielemann leisten einen großen Beitrag.

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Thielemann bei den Osterfestspielen.

Quelle: Wolfgang Lienbacher

Salzburg/Dresden. Musikliebhaber denken bei William Shakespeare an die grandiosen Opern, die auf dessen dramatisches Werk zurückgehen. Nach der Premiere von Verdis „Otello“ zu den Osterfestspielen Salzburg gab es mehrere Stimmen, die Christian Thielemann einmal mehr bestätigten, momentan einer der weltbesten Wagner-Dirigenten zu sein.

Richard Wagner hat keinen Shakespeare vertont, sondern fühlte sich selbst zum Dichter berufen. Es ist allerdings faszinierend, wie viel Musik auch außerhalb des Genres Oper auf dem großen Insel-Dramatiker basiert. William Shakespeare hat Komponisten von der Romantik bis in die Neuzeit beeinflusst, anlässlich seines 400. Todestages in diesem Frühjahr kreisen die Osterfestspiele stark um das musikalische Echo, das sein Werk hervorgerufen hat.

Auf die „Otello“-Premiere (DNN berichteten) folgten zwei Orchesterkonzerte mit literarischem Einfluss, zunächst unter der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski die „Oberon“-Ouvertüre Carl Maria von Webers. Was für ein filigran orchestrales Aufblühen in dieser sehr raschen, aber schlüssigen Gestaltung! Ähnliche Virtuosität dann im „Sommernachtstraum“ Felix Mendelssohn Bartholdys – eine wortlos komprimierte Geschichte mit Witz und märchenhafter Ausdeutung. Wie sehr aber auch Hans Werner Henze in seiner 1992 entstandenen Sinfonia Nr. 8 auf diesen Motiven basiert, das hat Jurowski dem Salzburger Publikum zunächst äußerst charmant erklärt und ihm anschließend mit der Kapelle tönend vorgeführt. So lassen sich selbst konservativere Hörerinnen und Hörer zu Beifallsstürmen hinreißen, zumal in einer so gelungenen und von einem ideal inspirierten Klangkörper getragenen Interpretation. Hier wurde deutlich, wie eng sowohl Jurowski als auch das Orchester dem Schaffen Henzes seit langem verbunden sind.

Klanggemälde der Tonkunst

Tags drauf begab sich auch Christian Thielemann erneut auf Shakespeare-Spuren und ließ Peter Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ als ganz große Tondichtung erklingen. Berührend die Tragik in diesem Opus, wie sie von der Kapelle hingebungsvoll nacherzählt worden ist. Aus Literatur und Musik wurde ein faszinierendes Klanggemälde geschaffen.

Beide Orchesterkonzerte boten darüber hinaus Beethoven – Jurowski mit dem C-Dur-Klavierkonzert Nr. 1 und einem blendend aufgelegtem Rudolf Buchbinder am Flügel, Thielemann mit dem Tripelkonzert in einer Starbesetzung. Anders kann das virtuose Zusammenspiel der Geigerin Anne-Sophie Mutter mit dem Cellisten Lynn Harrell und dem Pianisten Yefim Bronfman kaum bezeichnet werden. War das Publikum da schon fiebernd aus dem Häuschen, so applaudierte es nach „Les Préludes“ von Franz Liszt seinem Residenzorchester und seinem Künstlerischen Leiter Christian Thielemann frenetisch zu.

Mit zwei Kammerkonzerten, in denen neben Kompositionen von Beethoven, Eisler, Schubert und Verdi mit der Uraufführung des Auftragswerks „Four Women from Shakespeare“ von Manfred Trojahn eine weitere Lanze für den alten Dichter und die Neue Musik gebrochen wird, sind die beiden Aufführungszyklen der Osterfestspiele verbunden. Zeitlich im Mittelpunkt stehen Chorkonzerte mit Beethovens „Missa solemnis“ und dem Chor des Bayerischen Rundfunks sowie das „Konzert für Salzburg“ als Debüt des Dresdner Kreuzchors, der am heutigen Mittwoch Bachs h-Moll-Messe aufführen wird.

Danach werden Orchesterkonzerte nebst Verdi-Oper traditionsgemäß nochmal wiederholt. Diese Abfolge soll im kommenden Jahr stark ausgebaut werden, denn 2017 werden 50 Jahre Osterfestspiele Salzburg zu feiern sein – und, nicht zu vergessen, fünf Jahre Staatskapelle in Dresdens österreichischer Partnerstadt. Christian Thielemann und Intendant Peter Ruzicka fokussierten am Sonntag bei ihrem Blick nach vorn den Ursprung dieses Festivals. Denn 1967, als Herbert von Karajan die Osterfestspiele gründete, um ein Pendant zu den seit 1920 existierenden Salzburger Festspielen zu schaffen, da hatte der Dirigent höchstpersönlich Wagners „Walküre“ in Szene gesetzt. Im kommenden Jahr wird Thielemann als einstiger Karajan-Assistent und heutiger Amtsnachfolger zwar weder ins Regiehandwerk wechseln noch soll die damalige Inszenierung wiederauferstehen. Doch in der „Rekreation“ dieser als Koproduktion mal nicht mit Dresden (dort ist der „Ring“ ja komplett), sondern mit dem Beijing Music Festival entstehenden „Walküre“ soll das originale Bühnenbild wiederentstehen. Darin inszeniert dann Vera Nemirova diesen Wagner, der selbstredend der musikalischen Leitung Christian Thielemanns obliegt.

Ein Gipfeltreffen der Orchester

Neben einer Weltklasse-Besetzung werden zur Jubiläumssaison weitere Coups offeriert, indem neben der Sächsischen Staatskapelle mit den Berliner und den Wiener Philharmonikern zwei einstige Karajan-Orchester beim österlichen Musikfest mitwirken werden, die Dirigenten Myung-Whun Chung, Simon Rattle und Franz Welser-Möst ein Stelldichein geben und Dresdens neuer Capell-Virtuos Daniil Trifonov obendrein als Residenzkünstler nach Salzburg verpflichtet worden ist. Letzterer erhält dann auch den mit 50.000 Euro dotierten Herbert-von-Karajan-Preis, den Eliette von Karajan gestiftet hat, ohne deren tatkräftige Hilfe wohl auch die Orchesterkonzerte kaum zustandekommen würden.

All diese Pläne gelten als Ausdruck dafür, wie sehr die Dresdner in Salzburg willkommen sind und wie wohl sie sich dort auch fühlen. Derzeit wird darüber verhandelt, diese Liaison bis 2020 fortzusetzen. Christian Thielemann kommentierte dies so: „Je länger, desto lieber.“

www.osterfestspiele-salzburg.at

Von Michael Ernst

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