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Orgelvesper in der Kathedrale mit Thomas Lennartz

Orgelvesper in der Kathedrale mit Thomas Lennartz

Wem am Sonnabend der Sinn mehr nach geistlicher Musik denn nach sakralen Bildwerken stand, konnte ganz ohne Bedauern an der langen Warteschlage zur Madonnen-Ausstellung in den Alten Meistern vorbeigehen, Zwinger und Regen hinter sich lassen und sich unter die zahlreiche Vespergemeinde in der Kathedrale mischen.

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Domorganist Thomas Lennartz spielte auf der Silbermann-Orgel weihnachtliche Orgelmusik vom Barock bis zur späten Romantik. Den meisten Besuchern war wohl bewusst, dass Weihnachten nicht mit dem Abbau des Striezelmarktes endet, aber Dompfarrer Klemens Ullmann benannte in seiner Begrüßung vorsichtshalber einige der Termine, die noch zum Fest gehören: das Dreikönigsfest oder auch das Weihnachtsfest der Ostkirchen.

Zwischen zwei thematisch unabhängige Werke von Johann Sebastian Bach und Charles-Marie Widor hatte Thomas Lennartz Musik eingefügt, die auf ganz unterschiedliche Art Choräle aus dem Weihnachtskreis variierte. Das zumeist unter den weniger spektakulären Orgelwerke Bachs verortete Präludium und Fuge G-Dur (BWV 541) geriet bei Lennartz' großzügig voller Registrierung und dem majestätischen Zug, den er in beiden Teilen fand, zu einem überaus festlichen Eingangsstück der Vesper. Insbesondere die alles Strenge beiseitelegende Lesart des Organisten verhalf zu diesem erstaunlichen Effekt. Delikate Registrierungen folgten in der Partita "Lobt Gott, ihr Christen alle gleich" von Bachs entferntem Verwandten Johann Gottfried Walther, üppige Mischungen mit dem sonoren Klang der Vox humana oder dem raumfüllenden Schweben der Unda maris in "Noël" von Denis Bédard (geb. 1940). Der Kanadier steht musikalisch durchaus in der Tradition französischer Spätromantiker.

Auch sonst nutzte Thomas Lennartz gern die bekannten Stärken der spätbarocken Orgel für das Spiel romantischer Musik: Kräftig bewegt und in den kühnen harmonischen Wendungen energisch betont erklang der Finalsatz aus Otto Dienels (1839-1905) Sonate Nr. 4 "Vom Himmel hoch". Fast gegenläufig mischen sich da verspielte Passagen in das Stück, die endlich in den im vollen Werk strahlenden Choral münden. Meditativ nahmen sich danach die "Variationen über ein altes polnisches Weihnachtslied" von Alexandre Guilmant aus, von dem zumeist die ausladenden Orgelsonaten bekannt sind. Jean Francois Dandrieus "Magnificat" konzentrierte in den strengen Formen des französischen Orgelbarock auch die vorangestellten Gedanken aus Dompfarrer Ullmanns Betrachtungen zur Legende vom vierten König, der auf dem Weg zur Krippe zurückblieb und seine für das Jesuskind bestimmten Geschenke an die Armen verteilte. Vom letzten Grand jeu bei Dandrieu war es fast ein logischer Schritt zu Finalstück: lebhaft, rhythmisch präsent und in festlicher Tonart beschloss Thomas Lennartz mit dem Finale der Sonate Nr. 2 D-Dur von Widor diese weihnachtliche Orgelvesper.

Hartmut Schütz

neue CD mit Thomas Lennartz an der Silbermann-Orgel: Orgelmusik zum Kirchenjahreskreis, Werke von Pachelbel, Bach, Merkel, Weyrauch, Lennartz u.a.

Motette MOT CD 13781

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.01.2012

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