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Orangen vor Schmetterlingen: "Klassik picknickt" in Dresden

Orangen vor Schmetterlingen: "Klassik picknickt" in Dresden

Allem Anschein nach rückt das jeweils letzte Konzert der Staatskapellen-Saison in der Beliebtheitsskala beim Dresdner Publikum ganz weit nach vorn. Kurz vor der Sommerpause des Orchesters hieß es zum fünften Mal "Klassik picknickt".

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Stimmungsvoll und glücklicherweise auch unter trockenem Himmel: Klassik picknickt zum Saisonschluss 2011/12.

Quelle: Matthias Creutziger

Trotz Wetterkapriolen, die tagsüber für Wechsel aus Regen und Sonnen sorgten, strömten abends Tausende zur Gläsernen Manufaktur von VW, wo tatsächlich alles trocken blieb und sich der Himmel zum Lächeln hinreißen ließ.

Der Blick ging weg von der gerade im Westen verschwindenden Abendsonne bis weit in die Ferne des Ostens. Von dort kommt das Licht, von dort stammen auch die Dirigentin sowie die zwei Solisten des Abends. Xian Zhang leitete die Sächsische Staatskapelle ziemlich energisch, wies sehr direkt an und konnte sich von den ersten Takten an auf ein bestens präpariertes und motiviertes Ensemble verlassen. Zur Eröffnung der mitreißende Marsch aus Sergej Prokofjews Oper "Die Liebe zu den drei Orangen". Temperamentvoll ergossen sich die vitaminhaltigen Klänge über die mit Decken, Liegestühlen sowie Speis und Trank ausgestatteten Besucher auf der weitläufigen Wiese.

Die russisch begonnene Reise erreichte rasch das Reich der Mitte, aus dem übrigens Dutzende Journalisten in Dresden Station machten, die eine Peking-Oper von London nach Prag begleiteten. Bald dürfen sie die Staatskapelle auch wieder in Shanghai und Peking begrüßen, die im Oktober ihre nächste Asien-Tournee startet. Als sie Anfang 2011 in China gastierte, war der dort als Star gefeierte Geiger Mengla Huang als Solist dabei. Der hat nun seinen Dresdner Auftritt mit Ausschnitten aus dem Violinkonzert "The Butterfly Lovers" von Cheng Gang und He Zhanhao. Ein programmatisches Werk um ein tragisches Liebespaar, das erst nach einer Seelenwanderung flügelschlagend zueinanderfindet. In China glaubt man offenbar noch solchen Geschichten. Vor allem vertraut man dort der Kraft der Klassik, egal woher. So finden sich Eingangszitate von Strauss' "Zarathuastra" ebenso wie Tschaikowski-Anklänge und ein prachtvolles Puccini-Finale im Werk der zwei Meister, aber eben auch folkloristische Momente, die so manchen Picknick-Lampion zum Leuchten brachte. Mengla Huang geigte schmelzende Vierteltönchen, mindestens ebenbürtig virtuos gab Konzertmeister Thomas Meining dem letzten Rosaflaum ein himmlisches Solo hinterher.

Was mit russischer Märchenoper begann und in chinesischem Liebeszauber kulminierte, trat mit Nikolai Rimski-Korsakows "Capriccio espagnol" eine weite Westreise an, die teils touristisch klang und die Bläserfraktion auch mal zum Löschzug rief, bevor das nächste Solokonzert direkten Dresden-Bezug brachte. Denn Sergej Rachmanoninows 3. Klavierkonzert wurde hier begonnen, wie Moderatorin Bettina Volksdorf charmant dem Lokalpatriotismus frönte. Die junge Pianistin Yuja Wang eiferte sich scheinbar unangestrengt durch den halsbrecherischen Solopart, schlug teils irrwitzige Tempi an, die von Xian Zhang und Kapelle fast immer ebenso vital aufgenommen worden sind. Am Ende wurde heftig Beifall gezollt, dem sich Yuja Wang mit Georges Bizets "Habanera" in der Instrumentation von Vladimir Horowitz dankbar erwehrte. Ohne Zugabe ging auch das Orchester nicht in den Urlaub - noch einmal drang der "Orangen"-Marsch ohrwürmelnd in die Julinacht. Michael Ernst

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2012

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