Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 0 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Opern-Bohème verbindet Dresden und England

Die OFF-Gruppe szene12 spielt Puccini im Zentralwerk Opern-Bohème verbindet Dresden und England

Der Verein szene12 hat sich als junges Dresdner OFF-Opernprojekt längst einen Namen in der Stadt gemacht. Seit vier Jahren vereint er Nachwuchstalente, um mit unkonventionellen Inszenierungen beim Publikum Lust an der Gattung Oper zu wecken. Regisseur Toni Burghard Friedrich holt dazu immer wieder neue Künstler in sein Team. Einer davon ist Matthew Lynch.

Letzter Feinschliff im Zentralwerk Pieschen: Die OFF-Gruppe szene12 bringt am Donnerstag ihre Lesart von Puccinis „La Bohème“ zur Premiere.
 

Quelle: Kield Stein

Dresden.  Der Verein szene12 hat sich als junges Dresdner OFF-Opernprojekt längst einen Namen in der Stadt gemacht. Seit vier Jahren vereint er Nachwuchstalente, um mit unkonventionellen Inszenierungen in lauschiger Atmosphäre beim Publikum Lust an der Gattung Oper zu wecken. Regisseur Toni Burghard Friedrich holt dazu immer wieder neue Künstler in sein Team. Einer davon ist Matthew Lynch, der bei dem aktuellen Projekt – einer Kammeroper frei nach Giacomo Puccinis „La Bohème“ (Premiere morgen im Zentralwerk Pieschen) – bereits zum zweiten Mal die musikalische Leitung über ein szene12-Orchester übernimmt, das es so sonst eigentlich gar nicht gibt.

„Zum Verein bin ich vor zwei Jahren über den Kontakt einer Freundin gekommen, weil der frühere musikalische Leiter von szene12 gerade Vater geworden war und keine Zeit mehr für das Projekt hatte“, erzählt der 27-jährige Musiker. Matthew Lynch stammt aus Großbritannien, hat in Oxford zunächst Musikwissenschaft und Querflöte studiert und in seiner Heimatstadt Laster bereits mit 16 Jahren ein Laienorchester gegründet, das er sechs Jahre lang leitete. Nach seinem Bachelorstudium in England zog es ihn dann nach Deutschland. In Ingolstadt wollte er zunächst Deutsch lernen, sang bald aber schon in einem Chor mit und lernte an der Musikhochschule München einen ehemaligen Studenten von Ekkehard Klemm kennen. „So bin ich darauf gekommen, mich für meinen Master auch an der Dresdner Hochschule für Musik zu bewerben“, sagt Matthew Lynch.

In Dresden studierte er dann von 2012 bis 2014 im Master Orchesterdirigieren. Seither leitet er das Werkstattorchester der Musikhochschule Carl Maria von Weber. Seit März 2013 ist er zudem der künstlerische Leiter des Orchesters Lausitzer Braunkohle, gibt nebenbei Flötenunterricht und spielt mit dem Projektorchester Chineke in London. Von diesen vielen Kontakten nach Großbritannien hat nun auch das aktuelle szene12-Projekt profitiert. Der Verein hat sich ohnehin zum Ziel gesetzt, mit jeder Inszenierung ein kleines bisschen größer zu werden. So ist die diesjährige Aufführung nicht nur dem Labortheater an der Hochschule für Bildende Künste entwachsen, sondern auch erstmals so international aufgestellt wie noch nie.

Das Ensemble stammt nicht nur aus den Musikhochschulen in Leipzig und Dresden, auch Sänger aus England und Schweden sind dieses Mal mit an Bord. Für das Orchester hat Matthew Lynch zahlreiche Musikerkollegen aus Großbritannien zusammengetrommelt. „Manche davon kannte ich aus Oxford, andere habe ich über Freunde empfohlen bekommen und einige wenige haben wir über das Internet gefunden“, erzählt der musikalische Leiter. Anreise und Aufenthalt für diese Kollegen hat der Verein szene12 mit Hilfe von Spenden und einer Crowdfunding-Aktion finanziert. Untergebracht sind die Musiker im Hostel Mondpalast sowie in verschiedenen WGs in der Dresdner Neustadt.

So verkörpert dieses junge Opernensemble auch selbst, was Puccinis „Bohème“ ausmacht: Ein bunter Haufen junger Kreativer aus halb Europa trifft seit gut vier Wochen jeden Tag bei Proben zusammen und verleiht dem schäbigen Charme des alten Ballsaals im Zentralwerk Pieschen etwas Opernglanz. Die jungen Profis machen aus alten Opernstoffen ihr eigenes Ding, mit Anspruch und Herzblut. „Das Tolle an dem Projekt ist auch gleichzeitig das, was es anstrengend macht: Wir arbeiten über einen langen Zeitraum sehr eng miteinander zusammen. Alle haben ihre Meinung, die irgendwie in das Stück einfließt – und wir sitzen lange vorher zusammen, bis es an die Umsetzung in den Proben geht“, erzählt Matthew Lynch. Am Ende soll das Ergebnis dem Publikum genauso viel Spaß bereiten wie allen Beteiligten, so das erklärte Ziel von szene12.

Mit den drei bisherigen Inszenierungen hat die Gruppe bereits bewiesen, dass gute Oper auch verständlich und unterhaltsam sein kann. Ein echter Repertoireschlager wie Puccini muss dabei allerdings nicht unbedingt an jeder Stelle Puccini bleiben: „Wir gehen relativ frei mit dem Werk um, ändern, tauschen Szenen und haben die eine oder andere Überraschung parat, sogar für die, die unsere Inszenierungen kennen“, sagt Matthew Lynch. Und so ist jedes szene12-Projekt auch immer wieder ein Experiment, ein Spiel mit Erwartungen, das vom unverbrauchten Elan der jungen Akteure getragen wird.

Info: Szene12 spielt „La Bohème“ frei nach Puccini, Premiere am 22.9., 20 Uhr im Zentralwerk Dresden, Riesaer Straße 12; weitere Vorstellungen am 24., 27., 29.9., 1.10. und 3.10.

Von Nicole Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr