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Olympische Vor-Spiele in Dresden-Hellerau

Vier Festivals in Planung Olympische Vor-Spiele in Dresden-Hellerau

Dieter Jaenicke, künstlerischer Leiter am Festspielhaus Hellerau, präsentierte am Dienstag das Jahresprogramm in gewohnter Frische. Der 66-Jährige wirkt mit gebräuntem Gesicht noch juveniler als sonst und wird in Hellerau bis 2018 Pläne verwirklichen.

Die britische Hofesh Shechter Company gastiert am 22. und 23. Januar in Hellerau.

Quelle: Gabriele Zucca

Dresden. Dieter Jaenicke, künstlerischer Leiter am Festspielhaus Hellerau, präsentierte am Dienstag das Jahresprogramm in gewohnter Frische. Der 66-Jährige wirkt mit gebräuntem Gesicht noch juveniler als sonst und wird in Hellerau bis 2018 Pläne verwirklichen, so Oberbürgermeister Dirk Hilbert der Vertragsverlängerung um ein Jahr zustimmt. "Eine Formsache", meint Jaenicke nach dem positiven Votum des Kulturausschusses.

Das sich abzeichnende Finale in Hellerau wird ihm und dem gut harmonierenden Team durch kräftige finanzielle Unterstützung des Bundes versüßt werden. Die Höhe der städtischen Zuweisungen von 1,8 Millionen Euro für das Europäische Zentrum der Künste bleibt unverändert. Hellerau stockte diese Summe im Vorjahr um 874 000 Euro Eigeneinnahmen auf. Aber schon in diesem Jahr fördert die Bundeskulturstiftung im Mai ein Kooperationsprojekt "Brasilianische Alternativen", zu dem sich fünf Produktionszentren zusammengeschlossen haben, mit 800 000 Euro. Vor den Olympischen Spielen im August werden Künstler einen kritischen Blick auf das von wirtschaftlichen und politischen Krisen geschüttelte Land werfen, "der mit Samba-Klischees nicht viel zu tun haben wird", wie Jaenicke sagt.

Über dieses zentrale Projekt 2016 hinaus haben diese fünf und zwei weitere Häuser der zeitgenössischen performativen Kunst, darunter Kampnagel Hamburg oder HAU Berlin, Lobbyarbeit in Berlin betrieben. Mit Hilfe des Bundeskulturministeriums konnten sie ab 2017 für drei Jahre insgesamt 12 Mio. Euro Fördergelder locker machen. Eine "überfällige Anerkennung", so Jaenicke, die Hellerau einen zusätzlichen Spielraum von ungefähr 600 000 Euro jährlich verschaffen wird. Man müsse nun personell nicht mehr am Minimum fahren. Vielleicht gelingt es dann, mit einem dichteren Programm auch mehr als die 37 787 Besucher anzulocken, die 2015 in die Vorstadt kamen. Der geringfügige Rückgang war vor allem auf die gekürzte Förderung für das CYNETart-Festival zurückzuführen, das Hellerau gemeinsam mit der Trans-Media-Akademie veranstaltet.

Das Programm des bevorstehenden Jahres wird einmal mehr vom Tanz dominiert. Schon fast ausverkauft sind die Vorstellungen der britischen Hofesh Shechter Company am 22. und 23. Januar. Der Auftritt des "Rock'n'Rollers unter den Choreografen", wie ihn Dieter Jaenicke bezeichnet, vor drei Jahren hat offenbar Spuren hinterlassen. Die ehemalige Forsythe Company, die nun nach ihren beiden Stützpunkten Frankfurt und Dresden benannt ist, kommt mit der Uraufführung "C.O.R.E - creative organization reactive to evolution" ab 4. Februar für zehn Tage nach Hellerau. Daran schließt sich die mit Jaenicke gut bekannte Kanadierin Louise Lecavalier an, ehemalige Protagonistin von LaLaLa Human Steps, die auch schon mit Frank Zappa und David Bowie auf der Bühne stand.

Eine gute Bekannte in Hellerau ist auch Constanza Macras, die am 18. und 19. März in "Album" auf die Anfänge der digitalen Ära und die ersten Videoclip-Choreografien zurückblickt. Im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele gastiert am 7. und 8. Mai das schwedische Cullberg Ballet mit der Arbeit "11th Floor" von Édouard Lock. Ihm folgen die in Hellerau gleichfalls bekannte Brasilianerin Lia Rodrigues und zwei weitere Südamerikaner. Schon räumlich aus dem gewohnten Rahmen fällt am Holocaust-Gedenktag 27. Januar das "Requiem für Auschwitz" in der Frauenkirche. Das chorsinfonische Werk stellt mit dem Komponisten Roger "Moreno" Rathgeb und den ausführenden Roma-Philharmonikern aus Frankfurt zugleich den zweiten Teil des im Vorjahr begonnenen "RomAmoR"-Festivals dar. Beteiligt ist auch der Dresdner Universitätschor. Der dritte Teil beginnt dann am 2. April und setzt unter anderem mit den Erben Django Reinhardts ganz auf die Musik, hier also den Gipsy Swing. Am 16. April soll das Festival mit einer Hip-Hop-Nacht ausklingen.

Brisanz verspricht am 30. April das Projekt "Aghet" der Dresdner Sinfoniker, dessen Name eine Bezeichnung für den Völkermord an den Armeniern 1915 widerspiegelt. Eine entsprechende Andeutung im Vorgängerprojekt "Dede Korkut" rief schon Interventionen der türkischen Botschaft hervor. "Aghet" ist Ende November in Berlin uraufgeführt worden. Musikalischer Jahreshöhepunkt wird ab 20. Oktober das aller zwei Jahre fällige Festival "Tonlagen" sein. Musikdramaturgin Barbara Damm hat zwar noch kein Schlagwort für das diesjährige Festival. Es geht ihr aber darum, Kontexte und das Beziehungsgeflecht zeitgenössischer Kunstmusik herauszustellen, die leicht Gefahr läuft, elitär komponiert und hermetisch rezipiert zu werden.

Mit dem Performance-Festival "Kids on stage" im Juni will man keineswegs Bühnen wie dem Theater Junge Generation Besucher abspenstig machen, wohl aber eigenes künftiges Publikum heranbilden, betont Dieter Jaenicke. Theater kommt am letzten Februarwochenende auch aus Israel. Die "Drei Hunde Nacht" von Ofira Henig ist eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin und fragt nach einem würdigen Sterben. Angesichts der blutigen Dauerfeindschaft von Israeli und Palästinensern ein makabres Thema.

Lebendig bleibt es hingegen auch 2016 im Festspielhaus Hellerau. Auch wenn noch immer nicht klar ist, ob der Ostflügel, an dessen Dach momentan gewerkelt wird, jemals zum Residenz- und Probenzentrum ausgebaut werden kann.

von Michael Bartsch

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