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Olli Schulz gastierte auf seiner SOS-Tour in der ausverkauften Schauburg in Dresden

Olli Schulz gastierte auf seiner SOS-Tour in der ausverkauften Schauburg in Dresden

Sänger und Songschreiber Olli Schulz war schon unterwegs, als deutsche Popmusik in Mode kam. Er beeinflusste Rammstein, genau wie Seeed oder Juli, die alle später dann bei ihm abkupferten, teilweise sogar lange bevor er etwas herausgebracht hatte.

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Olli Schulz gab in der Schauburg seine "Songs mit Deepness" zum Besten.

In zehn Jahren veröffentlichte Schulz fünf Alben, das letzte heißt "SOS - Save Olli Schulz" (2012, Trocadero). Dass er gerettet werden müsste, kann man nicht behaupten. Er wurde gerade 40 und hat ein ziemlich gutes Gespür für Texte, für das Leben und wie es sein sollte.

Sein Dresdner Konzert im großen Saal der Schauburg ist ausverkauft wie viele andere Spielorte, die er auf seiner zweiwöchigen SOS-Tour besucht. Er profitiert von seinem Alter Ego Charles Schulzkowski, der als "Intellektueller mit starken Trinkgewohnheiten" durch die Einspieler der ZDFkultur-Sendung "Neo Paradies" rennt und auch mal mit Stars und Sternchen einen hebt. Als Schulz seine Fernsehpersona erwähnt, jubelt das Publikum. Dabei ist er auf der Bühne weit davon entfernt, lallend und frotzelnd übers Leben zu philosophieren. Die Stars allerdings, die kriegen einen ausgeschenkt, in Form von wunderbaren Anekdoten aus fast drei Jahrzehnten Showbusiness.

Er startet früh. Bald nachdem der Hamburger Junge vorm Spiegel in einen Deo-Roller singt, besorgt er sich erste Heavy-Metal-Platten und geht auf Konzerte. Er wird Stage Hand, schleppt Technik und räumt nach dem Konzert alles wieder zusammen. In der Schauburg flimmert, noch bevor Schulz zu sehen ist, ein Video über die Leinwand, das ihn als speckigen Roadie in kurzen Jeans zeigt. Der echte Schulz trägt an dem Abend einen schwarzen Cordanzug. Es verdeutlicht den Unterschied zwischen ihm als Musiker und den anderen Menschen, die er so spielt.

Gekommen ist er mit seinen beiden Gitarren, seinem trommelnden "Band-affen" Bernd "Ben" Lauber und einer Power-Point-Präsentation. Auf seinem Tablet-PC klickt er sich durch eine Sammlung skurriler Tiermischwesen, ein Bild zeigt den Kopf eines Huskys auf einem Pinguinkörper, ein anderes einen Bären mit Entenfüßen. Schulz selbst ist ja auch so ein Mischwesen aus sympathischem Entertainer und ernstem Minnesänger. Er mag Humor, hat reichlich davon. Aber seine Songs sind nicht sehr lustig. Sie sind auch nicht sonderlich komplex gespielt oder wahnsinnig quer gedacht. Sie berühren mit ihren empfindsamen Texten, oft haben sie ein melancholisches Element, die Liebe ist ihr liebstes Thema.

"Songs mit Deepness" nennt das Olli Schulz. Er meint das eine so ernst wie das andere, nur, dass das eine sehr komisch ist und das andere nur eher durchschnittlich. Dennoch sind Lieder wie "Spielerfrau" oder "Koks und Nutten" durchaus welche, die man sich öfter anhören möchte, weil sie Geschichten erzählen vom Aufstieg und Fall, vom Rumkommen und von dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Schulz ist mittlerweile Familienvater, lebt in Berlin und hat noch nicht so richtig Frieden mit den Ökospießern und Yogafanatikern geschlossen, ist aber auf dem Weg, da anzukommen, wo er nicht mehr tagelang breit im Proberaum abhängen muss, um glaubhaft zu sein.

Ihm ist bewusst, dass viele Menschen zu den Shows kommen, um ihn reden zu hören, über Peter Maffay und seine Liebe zu großen, rumänischen Kinderaugen, über Frauen, die sich in seine "interessante Künstlerpersönlichkeit" verlieben und dann mit einem auf der Couch lümmelnden Typen liiert sind. Oder über seine Oma, die sagte, dass man ihm das Maul noch mal extra totschlagen müsse, wenn er gestorben ist. Der derbe, aufrichtige Auftritt ist seine Stärke. Wenn er sich warmgeredet hat, kann ihn kaum jemand aufhalten, wie er einmal mehr bei der Talkshow "Roche & Böhmermann", dem anderen digitalen Erfolgsformat, bewiesen hat, als er sagte, dass man immer noch offen sagen können muss, ob man Musik mag oder nicht, und man die Band Juli auch scheiße finden kann.

Aus dem Publikum entfernt er gelegentlich Leute, die von ihm lautstark eine Comedy-Revue à la Mario Barth fordern. Manchmal relativiert er Dinge, die ihm im Redewahn herausgerutscht sind, noch öfter werden sie zu neuen Anekdoten. Dresden hört geduldig zu, lacht dazwischen, ist leise bei seinen Liedern - Olli Schulz wird von hier nicht viel mitnehmen können für sein zukünftiges Repertoire.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.12.2012

Juliane Hanka

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