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Olivia Delauré ist die Angela in "Viel Lärm um Liebe" an der Staatsoperette Dresden

Olivia Delauré ist die Angela in "Viel Lärm um Liebe" an der Staatsoperette Dresden

Er war als Künstler ein Universalgenie. Er lebte von 1500 bis 1571, geboren und gestorben in Florenz. Aber er war auch ein Schläger, Mörder und Bandit, Strafen entging er immer wieder, weil er auch ein Günstling der Mächtigen war, selbst ein Papst setzte sich für ihn ein.

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"Viel Lärm um Liebe" mit Olivia Delauré (Angela) und Miljenko Turk (Cellini).

Quelle: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Ein Schwarm der Frauen und nicht gefeit vor den Reizen des eigenen Geschlechts, da konnte er auch schon mal gewaltsam seine Lust befriedigen. Sein Name ist Benvenuto Cellini, seine Kunstwerke werden bewundert, in Kirchen, Museen oder auf öffentlichen Plätzen wie die berühmte Bronzestatue des Perseus mit dem Haupt der Medusa von 1554 in Florenz in der Loggia dei Lanzi. Er hat sein Leben selbst aufgeschrieben, Goethe hat es übersetzt. Alles wie geschaffen für Romane, Theater, Opern oder Filme.

Er ist sogar der Held einer Broadway-Operette aus dem Jahre 1945 von Kurt Weill, die es jetzt an der Staatsoperette Dresden erstmals in Europa überhaupt als Inszenierung geben wird. Das Stück heißt "The Firebrand of Florence", mit deutschem Titel "Viel Lärm um Liebe", und darin wird es ganz sicher turbulent zugehen, aber gemordet wird sicher nicht, und ein Happy End gibt es auch. Am Dresdner Haus laufen die Proben auf Hochtouren, die Premiere wird mit Spannung erwartet, der "Weiberheld mit Hammer und Meißel", wie ihn das Theater ankündigt, wird alternierend von Miljenko Turk und Christian Grygas gespielt und gesungen, Angela, das reizende Modell des Liebes- und Lebenskünstlers, ist in der Premiere Olivia Delauré, und auch Jessica Glatte wird in dieser Rolle zu erleben sein.

Olivia Delauré hat Zeit für ein Gespräch, gerade kommt sie aus der Kostümprobe, sie schwärmt, denn sie wird so gut wie ganz in Weiß ein fröhlicher Schmetterling, der Sonnenschein des Stückes sein. Soviel sei verraten, am Ende, in Paris, da sind die Hürden genommen, da hat sich aller Einsatz, das ganze Spiel in dieser klassischen Verwechslungskomödie gelohnt, sie bekommt ihn, und er bekommt sie, und alle anderen gehen auch nicht leer aus. Bis dahin aber, so Olivia Delauré, braucht es einige Zeit, aber diese Zeit ist angefüllt mit Musik, mit Spiel und Tanz, wofür wiederum der Choreograf Christopher Tölle verantwortlich zeichnet. Drei tolle Duette hat sie mit Cellini, dazu großer Orchestersound, der ins Ohr geht, und mit Andreas Schüller steht für sie ein Meister am Dirigentenpult.

Keine Oper, keine Operette, kein Musical und doch von allem etwas, eine Broadway-Operette, der große Sound der puren Unterhaltung

Das ist eine neue Facette im ohnehin sehr weit gespannten Repertoire der Sängerin im Ensemble der Staatsoperette. Der künstlerische Bogen spannt sich von der Eliza im traditionellen Musical "My Fair Lady" bis zur Sally Bowles in "Cabaret", sie singt die Partie der Anita in der klassischen Lehár-Operette "Giuditta", aber auch die Papagena in Mozarts "Die Zauberflöte". Die Künstlerin liebt diese Unterschiede, Bequemlichkeit ist ihr fremd. Sie ist froh, an einem Theater zu arbeiten, in dem sich für sie so viele Türen öffnen. Immer wieder muss die Stimme fit sein, jedes Genre hat seinen eigenen Anspruch, und jetzt kommt noch eine neue Herausforderung dazu, keine Oper, keine Operette, kein Musical und doch von allem etwas, eine Broadway-Operette, der große tolle Sound der puren Unterhaltung.

Und, das ist für Olivia Delauré ganz wichtig, sie kann tanzen. Denn mit der großen Lust an der Bewegung, daran, sich körperlichen Herausforderungen zu stellen, hat alles begonnen, damals in Freiburg im Breisgau, wo sie zu Hause ist. Als Kunstturnerin, auf dem Hochrad, am Trapez, nahm sie schon als Schülerin an bundesweiten Wettbewerben teil. Mit zehn Jahren begann sie zu tanzen, sie nahm Unterricht, vier Mal in der Woche, Jazz Dance und Ballett in einer privaten Schule. Die Eltern waren vom Talent ihrer Tochter überzeugt und gaben alle Unterstützung. Die Abiturientin liefert als Jahresarbeit in der 12. Klasse ein Musical, das sie mit ihren Klassenkameraden einstudiert, das Stück hieß "Seid bereit". Da muss ich schmunzeln, und dann schmunzeln wir gemeinsam, von Jungen Pionieren und ihrem Gruß hatte Olivia Delauré natürlich keine Ahnung.

Nach dem Abitur begann ihre Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München. Schwerpunkt Musical, natürlich Gesang und Tanz. Von ihrer Gesangslehrerin schwärmt sie. Das war Vicki Hall, einst international erfolgreich als Koloratursopran, gastweise auch in Dresden als Sophie im "Rosenkavalier" zur Eröffnung der ersten Musikfestspiele 1978. Später, und das beschreiben andere Absolventen der Münchner Akademie ähnlich, war Vicki Hall eine grandiose Vermittlerin für den Gesang.

Schon für die Studentin blieben Erfolge und Anerkennung nicht aus, Preise und Auszeichnungen beim Bundeswettbewerb Gesang 2009 und 2011 in Berlin. Natürlich ist auch das Engagement in Dresden für Olivia Delauré eine Auszeichnung. Langsam nimmt man dieses Talent auch weit über Dresdens Grenzen hinaus wahr: Auftritte am Münchner Prinzregententheater, Konzerte mit dem Bayerischen Rundfunkorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer, jüngst sogar ein Auftritt in New York in einem Konzert unter dem Motto "From Operetta to Cabaret".

Ihre künstlerische Heimat aber hat Olivia Delauré derzeit in Dresden, die Chancen an der Staatsoperette gilt es zu nutzen. Neue Aufgaben sind schon in Sicht, in "Der kleine Horrorladen" wird es wieder ganz anders, rockig und skurril, und zum Ende der Saison kommt die nächste große Hauptpartie, schon jetzt ist sie aufgeregt, wenn sie daran denkt, als "Evita" auf der Musicalbühne zu stehen.

Jetzt aber naht erst einmal die Dresdner Premiere "Viel Lärm um Liebe". Es lohnt sich, vieles in dieser Operette ist anders als gewohnt, den Weill der "Dreigroschenoper" kennt man nicht wieder, die Musik hat zwar wieder Schwung und Witz, aber der Sound ist anders, Weill erweist sich als Meister des großen Klanges. Und nicht zu vergessen, ein Regisseur wie Holger Hauer garantiert eine Inszenierung, die flott und schräg dieses amüsante Intrigenspiel auf die Bühne bringt. Boris Gruhl

iPremiere: Freitag, 19.30 Uhr, Staatsoperette. Für die Vorstellung am Sonnabend, 19.30 Uhr, bietet das Haus Studenten als Willkommensgruß zum Semesterbeginn Karten zu 6 Euro.

www.staatsoperette-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2013

Boris Gruhl

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