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Olaf Schubert führt in Dresdens Altem Schlachthof durch die Schlussgala

Humorzone Olaf Schubert führt in Dresdens Altem Schlachthof durch die Schlussgala

Der Spaßvogel Olaf Schubert war höchst zufrieden mit dem Verlauf der diesjährigen Humorzone, aber nach vier Tagen Humor ist es auch wieder genug. „Das reicht, sonst geht zuviel von unserer Identität verloren“, meinte der Schirmherr der Veranstaltung, die am Sonntag mit einer Gala im Alten Schlachthof ausklang.

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Gala mit dem Nachwuchspreisträger Alain Frei im Alten Schlachthof.

Quelle: Amac Garbe/PR

Dresden. Der Spaßvogel Olaf Schubert war höchst zufrieden mit dem Verlauf der diesjährigen Humorzone, aber nach vier Tagen Humor ist es auch wieder genug. „Das reicht, sonst geht zuviel von unserer Identität verloren“, meinte der Schirmherr der Veranstaltung, die am Sonntag mit einer Gala im Alten Schlachthof ausklang und für die die Macher sich erhofften, dass ein altes Sprichwort Gültigkeit hat: Das Beste kommt zum Schluss!

Das Beste? Nun, das war bei dieser Gala dann doch eindeutig reine Männersache. Wer braucht schon Pussyterror? Kann sein, dass da jetzt fürs kommende Jahr vehement eine Frauenquote gefordert wird, aber dafür hatte man dieses Jahr wenigstens „einen Farbigen, immerhin“ im Aufgebot. Der „Farbige“ war Abdelkarim, an sich ein Ostwestfale mit talibaneskem Gesichtstoupet, dem allerdings klar ist, dass er „ein Deutscher, gefangen im Körper eines Grabschers“ ist. Der deutsch-marokkanische Komiker war laut eigener Aussage sogar mal auf einer Pegida-Demonstration – und er sah das ganze breite und bunte Spektrum der Anhängerschaft: „grüne Rechtsradikale, liberale Rechtsradikale, konservative Rechtsradikale...“

Eröffnet wurde der maskuline Reigen von Johann König. Sämtliche Künstler hatten etwa fünf, sechs Minuten, um zu zeigen, was sie satirisch draufhaben. König bot da einen Rap, machte auf Mittelschicht-Gangster, dessen Aufstand gegen das System sich darin erschöpft, eine Glasflasche in den Altpapiercontainer zu stecken. Der nächste war Gernot Hassknecht, der auf der Bühne zum Choleriker im Endstadium mutierte. Hassknecht forderte die Zuhörer auf, endlich damit aufzuhören, berechtigen Frust in sich hineinzufressen. Jeder Tag ohne cholerischen Ausraster sei ein verlorener Tag. Zu den vielen schönen Aufregern des Wutbürgers gehörte, dass er über Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen spöttelte, die scheinbar im Vorderen Orient ähnlich durchgreifen würde wie im Kindergarten, etwa mit Drohungen à la: „Hassan, leg’ den Sprengstoffgürtel weg, sonst geht es ohne Abendessen zur Steinigung!“

Richtig gut war Michael Krebs, der auf dem Flügel zwei Lieder spielte. Darunter „Wellness Alarm“, das die grassierende To Go-Mentalität gehörig auf die Schippe nimmt. Coffee to go, Job to go, Begattung to got, Freundin to go. Ein Lied bot auch der Überraschungsgast Gildo Horn, der sich an Peter Alexanders „Hier ist ein Mensch“ von 1971 versuchte. Dann wurde Der güldene August an den besten Nachwuchs-Humoristen überreicht: Die Wahl der Jury war auf den Schweizer Alain Frei gefallen, der außerdem noch ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro sowie Schnitten und Bier zugesteckt bekam, denn mit 1000 Euro kommt man ja nicht weit, wie Schubert einräumte. Allerdings war der Programm-Schnipsel, den Frei dann zeigte, nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Er verriet nur in Spurenelementen, dass Frei Klischees auf den Grund geht.

Doch wenigstens war Freis Vorstellung nicht so schlecht wie Rainald Grebes gruseliges Nonsens-Kasperletheater um 100 Jahre Dadaismus. Das war nicht originell, das war zum Gähnen langweilig. Das Spiel mit Worten, für das Grebe bekannt ist, wurde unter einem Geschwätzigkeitsschwall begraben, die Komik erreichte noch nicht mal das Hassprediger-„Niveau“ einschlägiger Fundamentalisten-Kreise. Und das trifft auch auf die Comedy-Zaubershow zu, die der Schwede Carl-Einar Häckner darbot. Ein Zauberer, dessen Tricks erst mal gar nicht klappen und dann so durchsichtig sind, dass nicht ein Hauch von Magie in der Luft liegt? Ganz alter Hut, so alt wie der Zylinder, den Häckner trägt, der bis auf diesen Hut äußerlich wie eine Reinkarnation des TV-Zauberers: Catweazle aussieht. Das Prädikat „innovativ-witzig“ kann man eigentlich nur dem brennenden Handy zubilligen, das ob der Flammen als „Hotline“ apostrophiert wurde.

Ein kleiner Lichtblick war dann Rolf Miller, der seine Kunstfigur in Odenwälder Mundart sich um Kopf und Kragen quasseln lässt. Wobei: „Quasseln“ trifft es nicht. Miller beginnt einen Satz, bricht ab, formuliert um, vergisst die Pointe eines Witzes (reißt dafür unfreiwillig andere), verdreht Sprichwörter und Kausalketten, dreht Schleifen... Aber die Überzeugung, dass das, was er da absondert, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist, die ist durch nichts zu erschüttern.

Den Schlusspunkt setzte das Duo Elsterglanz aus dem Mansfelder Land. Halbwegs bemerkenswert war eigentlich nur die Pointe, als einer der beiden „Komiker“ von „Wehrmachtstropfen“ sprach und sich anschließend mit den Worten verteidigte: „Ich dachte, wenn ich den Gag wo bringen kann, dann in Dresden.“

Von Christian Ruf

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