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Olaf Schubert begeistert die Junge Garde in Dresden

Olaf Schubert begeistert die Junge Garde in Dresden

70 Zuschauer seien da, schätzte er. Eine Eintrittskarte koste sechs Euro - mache in Summe 112 Euro. Sie seien zu dritt auf der Bühne: Sind für jeden 17,50. Dafür würde sich der Auftritt nicht lohnen, brüskierte sich Olaf Schubert, und die ausverkaufte Junge Garde mit knapp 5 000 Anwesenden klopfte Schenkel.

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Unsterblicher Publikumsliebling: Olaf Schubert begeisterte die Zuschauer in der Jungen Garde und wühlte sich durch die verschiedensten Themenbereiche.

Es war Heimspiel für Olaf Schubert mit seinem Programm "So!". Und irgendwie, nach all seinen Jahren deutsche Komiker-Bundesliga, den nationalen Preisen, dem Aufstieg zum "Bundesolaf und Zentralschubert", spürte man Erleichterung und Anspruch der Dresdner und seiner Vorortler, dass er am Ende auch immer noch eins ist: Ihr Olaf. Den sie auch nicht hergeben. Und dem sie, wenn er das macho-masochistische Wesen Olaf Schubert am Leben erhält, in 20 Jahren immer noch die Garde füllen werden.

Bis in die Nacht hinein wickelte Schubert ein paar Tausend um die Finger, ließ die Dürstenden grinsend zum Bierstand wandeln und die Brezelverkäufer auf- und abkichern. Mit Pause über zwei Stunden diagnostizierte Schubert die Gebrechen dieser Welt, dieses Landes, dieser Stadt, manifestierte Frau/Mann-Dilemmata und globale sowie nationale Konfliktlinien. Da wird der Pieschener zum König, der Tscheche kommt mit Schubkarre seine durch Flut elbabwärts liegenden Villentrümmer einsammeln, und Frau Merkel wird zu "unserer Herrscherin", die sich Olaf putinmäßig mit eingeöltem Torso vorstellt - auf einem Pferd gen USA reitend, um die Ehre der Deutschen wiederherzustellen. Nach all dem NSU, nein: NSA. Na ja diesem NS- eben mit hinten irgendwas dran.

Olaf stieg ein mit Essen oder, wie er es ausdrückt: Wie man preiswert ein Maximum an Sättigung generiere. Salat mit Wirsing und Asbest, die Bockwurst alias "Senfpeitsche" oder "Der Tankstellenfasan". Oder das Resümee über Blattsalat, der wesentlich besser schmecke, wenn man ihn kurz vorm Essen gegen Gulasch eintauscht.

Die Wahlen in Sachsen liegen nahe, und für Schubert stellt sich die eine Frage, ob wir wohl weiter im sorbischen Joch bleiben werden? Außerdem: "Kinder", proklamierte er, seien ja eines der Wahlkampfthemen. Und so zog er es sich denn auch auf die Bühne und bereitete es ebenso parental-analytisch wie emotional-historisch auf. DDR-Kinderbetreuung: Nach der Geburt unter der Werkbank kam's Kind, gerade so von Sägespänen befreit, in die Kita. Und nach der Armee mit 18 zurück nach Hause. "Da hat's geklopft. Und da stand er da: Dor Mürko."

Und heute? Gäbe man sich dem Kinde hin, spüre es im Herzen und merke: Es nervt. Dabei sei es wichtig, dass der Wille des Kindes früh gebrochen werde. Viele Eltern seien sich zu fein, ihr Kind selbst zu schlagen. Da müsse die Kita ran. Mit den von Schubert erschaffenen "klaferten Mombronsen". In diesem Fall Bulgarinnen. Wegen Dopingmissbrauch gesperrte Gewichtheberinnen. Mit Stahldutt. Vollbart. Und Schnauzbart am Steiß. Frau Hitler. Mandy Hitler. Denen mal die Hand ausrutscht. Oders Knie ... So spricht Vater Schubert.

Zwischen den Stand-ups natürlich Lieder. Mit Jochen Barkas an der Gitarre und Bert Stephan an Bass und Trompete. Songs wie das Liebeslied "Madeleine" oder "Lets have a Party ... Ohl neit long" (Übersetzung: "Lasst uns einen Feiervorgang ausüben"). Schubert schlängelte pointensicher durch die Themen. Fernsehen etwa, mit Formaten, "dass sich der Augapfel freiwillig kompostiert"."Fremgehen" als "evolutionäre Bringepflicht des Mannes" oder "Frauen", die heute viel mehr intuitiv gebären würden: "Einfach aus dem Bauch heraus". Und das "Internet", dem er letztes Jahr schon prognostiziert habe: "Das setzt sich durch!" Er selbst sei darin aktiv. Habe erst kürzlich eine Protestmail ans Weiße Haus geschickt. An www.internet@weißeshaus.de. Mit dem Inhalt. "Wer das liest, ist doof". Jetzt müsste sich noch ein Zweiter finden. "Mit einer zweiten E-Mail hätten wir den Druck auf die USA verdoppelt."

Nach der Putin-Fantasie vom Anfang bekam Kanzlerin Merkel weiteres Fett weg. Die, die aus der "Kohlfinsternis" heraustrat und der anschließend die Metamorphose gelang vom kleinen hässlichen Entlein zum: Schwan. Wobei. Auf Grund der Solidität ihrer Arbeit: "Eher ein Nutzschwan".

Und natürlich: Jochen Barkas erhielt die übliche Kloppe. Ob durch empörenden Abbruch seines Gitarrensolos oder die Diagnose "Erektionsstörungen", die Schubert gutmeinend mit dem ungelenken Rehabilitationsversuch "Minipenis" zu entschärfen versuchte und der Figur Barkas damit den sozialen Todesstoß versetzte. Wie immer eben. Grandios die Pointe: Woher die Geräusche da am Himmel kämen. Ob der Luftraum nicht gesperrt worden sei? "Los! Scheinwerfer hoch! Jochen an die Flack! Was hat der sich schon runtergeholt." Ganz groß solch derbe Präzisionskomik. Die Garde kollektiv Bäuche haltend.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.08.2014

Robert Kaak

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