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„Ohne Ton kein Bild“ vervollständigt die Ausstellung in den Technischen Sammlungen

Eigener Stil „Ohne Ton kein Bild“ vervollständigt die Ausstellung in den Technischen Sammlungen

Animationsfilme wie „Filopat und Patafil“, „Die fliegende Windmühle“ oder auch „Krabat und sieben Raben“ haben ganze Generationen geprägt. Sie alle sind in den berühmten DEFA-Filmstudios an der Kesselsdorfer Straße entstanden, das 1992 seine Tore schließen musste.

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Addy Kurth am Subharchord, einem wahren Wunderwerk für Geräusche.

Quelle: Archiv Steinke

Dresden. Animationsfilme wie „Filopat und Patafil“, „Die fliegende Windmühle“ oder auch „Krabat und sieben Raben“ haben ganze Generationen geprägt. Sie alle sind in den berühmten DEFA-Filmstudios an der Kesselsdorfer Straße entstanden, das 1992 seine Tore schließen musste. Was blieb im Kopf hängen von den Figuren, die meist in Schwarz-Weiß auf der Leinwand durch Fantasielandschaften huschten und einem Puppenspiel gleich ihre Geschichten erzählten? Worte wahrscheinlich nicht. Bei über der Hälfte der DEFA-Produktionen wurde zugunsten von Musik und Geräusch ganz auf Sprache verzichtet und damit ein eigener Stil geprägt – ein Witz und eine pantomimische Symbolik, die auch ohne Worte auskommen.

Doch woher kommt der „Soundtrack“ des DEFA-Erbes? Anlässlich des 60. Jubiläums zeigen die Technischen Sammlungen die Sonderausstellung „Ohne Ton kein Bild“ und beleuchten die seltener beachtete Arbeit im Dresdner DEFA-Tonstudio. 20 Mitarbeiter schufen die Geräuschkulisse, die Atmosphäre, die musikalische Untermalung für die Puppen- und Zeichentrickfilme in einem alten Ballsaal in Dresden-Gittersee.

Dabei kam für damalige Verhältnisse hochmoderne Technik zum Einsatz. Das Subharchord beispielsweise war nicht nur in der DDR, sondern auch europaweit einer der modernsten elektronischen Klangerzeuger. Kuratorin Nadja Rademacher ist es gelungen, eines der letzten verbleibenden Geräte, das regulär im Technikmuseum Berlin steht, für ein Jahr nach Dresden zu holen. Die Ausstellungsbesucher können in Ausschnitten aus Originalfilmen nachvollziehen, welche Töne aus dem kuriosen Apparat kommen können – etwa, wenn eine Rakete abhebt. Man könnte „wusch“, „brrrbrrr“ oder „uuuuhhh“ schreiben, um den Sound des Steinzeit-Synthesizers zu beschreiben, und würde trotzdem scheitern.

Auf den technischen Mitteln, mit denen im Tonstudio gearbeitet wurden, liegt ein Hauptaugenmerk der Ausstellung. Was heute mit wenigen Klicks am Computer geschieht, war früher eine echte Herausforderung. So wird ein technisches Gerät vorgestellt, das den Orchestermusikern beim Einspielen der Musik im 24-Bild-Rhythmus ein Signal auf die Ohren gab und so erst ein zum Film synchrones Musizieren ermöglichte. Vorher dienten Kratzer auf der Tonspur des 35-Millimeter-Filmes als Taktgeber. Aber auch Kokosnusshälften, die aneinandergeschlagen Trittgeräusche ertönen lassen, werden gezeigt.

Ohne die Hilfe der ehemaligen Mitarbeiter, das ist den Ausstellungsmachern wichtig zu betonen, wäre die Schau in den Technischen Sammlungen wahrscheinlich gar nicht zustande gekommen. Viele Exponate stammen aus dem Fundus des Regisseurs Jörg Herrmann. Auch die beiden Tonmeister Heinz Kaiser und Manfred Mummitzsch haben als Unterstützer kräftig mitgewirkt. Als sie bei der Ausstellungseröffnung Anekdoten aus früheren Zeiten erzählen, etwa von der Vermieterin, die gegen ein Schmiergeld von fünf Mark ihren Hahn einsperrte, damit endlich Ruhe für die Aufnahmen herrschte, oder vom Regen, der durchs Studiodach fiel und direkt mit musikalischer Begleitung aufgenommen wurde, wird klar, wie gerne die Männer für die DEFA gearbeitet haben. „Heute vereinsamt man manchmal ein bisschen. Der direkte Kontakt zu den Musikern ist seltener geworden“, sagt Mummitzsch und erinnert sich dabei an die Zusammenarbeit mit der Philharmonie, der Staatsoperette, aber auch mit Günter „Baby“ Sommer und anderen.

Die Exponate und Informationen, die „Ohne Ton kein Bild“ transportiert, beleuchten einen Aspekt, der in der Dauerausstellung so bisher nicht aufgegriffen wurde. Die Ausstellung Animationsfilm scheint damit komplett.

bis 28. März, geöffnet Di-Fr 9-17, Sa/So 10-18 Uhr

www.tsd.de

Hauke Heuer

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