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Off-Festival im Societaets- und Projekttheater bietet Querschnitt durch Dresdens freie Kunstszene

Off-Festival im Societaets- und Projekttheater bietet Querschnitt durch Dresdens freie Kunstszene

Heiki Ikkola und Sabine Köhler sind mit ihrer Theater-"Compagnie Freaks und Fremde" viel unterwegs. Nicht nur deutschland-, sondern sogar weltweit präsentieren die beiden Puppenspieler aus Dresden ihre wunderbar anarchischen Geschichten, die fantasievoll von den großen und kleinen Unmöglichkeiten des Menschseins erzählen.

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Die Geschwister Grimmig (Hanno Wuckasch und Heiki Ikkola) in "Der Wolf und die sieben Geißlein".

Quelle: André Wirsig/PR

Dass das Künstlerduo dabei mit acht Stücken gleich eine ganze Auswahl seines umfangreichen und vielseitigen Repertoires zeigt, ist allerdings eher die Ausnahme, denn die Regel. Gerade deshalb ist die viertägige Werkschau mit acht Inszenierungen der "Compagnie Freaks und Fremde" einer der Höhepunkte des Theaterfestivals "OFF: Dresden".

Einen Monat lang öffnen das Projekt- und das Societaetstheater dabei alljährlich zum Abschluss der Spielzeit ihre Bühnen speziell für Künstler der freien Szene in Dresden. Deren mannigfaltige Projekte zeichnen sich zwar durch unwahrscheinliche Lebendigkeit, Experimentierfreude und Kreativität aus, haben es in Konkurrenz zu den etwa 30 großen Bühnen der Stadt jedoch oft enorm schwer, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. "Wir bekommen sehr oft Anfragen von freien Gruppen, die wir im regulären Spielplan des Theaters nicht unterbekommen würden. Darum haben wir zusammen mit dem Projekttheater den offenen Juni für diese Ensembles freigeräumt, um ihnen einmal im Jahr eine Plattform bieten zu können", sagt Anja Szczyrba vom Societaetstheater Dresden.

Insgesamt 20 dieser freien Ensembles werden vom 1. bis zum 29. Juni nun in 26 verschiedenen Aufführungen an den beiden Theatern einen Querschnitt durch Dresdens aktuelle OFF-Projekte präsentieren. Für die Künstler ist das Festival an den beiden fest im Kulturkalender der Stadt verankerten Häusern eine gute Gelegenheit, ein größeres Publikum und mehr Aufmerksamkeit für ihre Produktionen zu erhaschen. Die Zuschauer indes haben in Anbetracht der gebotenen Vielfalt - von Theater über Literatur, Tanz, Musik bis zu Kindervorstellungen reicht das Spektrum - einmal mehr die Qual der Wahl.

Denn auf dem Programm steht die geballte Mannigfaltigkeit der Dresdner OFF-Szene, darunter natürlich auch Vorstellungen, die schon erfolgreich in den Spielplänen der beiden Bühnen verankert sind - man denke nur an "Kreide fressen" vom Theater La Lune im Societaetstheater. Daneben bietet OFF: Dresden aber auch Raum für gänzlich Neues. Allein am Societaetstheater feiern zwei Inszenierungen Premiere. Hier zeigt das Ensemble La Vie mit "Baby" von Susan Sonntag das schwarzhumorige Portrait einer amerikanischen Durchschnittsfamilie als surrealistischen Alptraum. Felix Constantin Voigt erzählt dagegen in "Abgesoffen" von einer unterhaltsamen Autofahrt mit kriminellem Hintergrund, die auf dem Roman "Ahogados" des Spaniers Carlos Eugenio López beruht. "Beide Premieren sind in Vorbereitung auf das Festival entstanden, ohne dass ihnen bislang darüber hinaus ein fester Platz im Spielplan garantiert werden konnte", sagt Anja Szczyrba.

Doch auch das Projekttheaterprogramm steckt voller Geheimtipps mit Entdeckungspotenzial. Hier erobern unter dem vielsagenden Titel "Vorpreschen" junge Choreografien aus dem Tanzhaus Friedrichstadt die Bühne, bevor die diesjährige Produktion der jungen Theatergruppe Bühnamit - im Herbst 2006 als "nicht-kommerzielle Vereinigung Theaterspielwütiger" gegründet - Premiere feiert. Mit "Selbstbefriedung", einem Stück, das auf Aristophanes Lysistrate basiert, stellt das Ensemble dabei die provokante Frage, ob man mit Sexentzug etwas erreichen kann. Inmitten von Dresdens jüngstem Stadtteil integriert das Theater auf der Louisenstraße am 14. und 15. Juni zudem nicht nur das wilde Treiben der Bunten Republik Neustadt kreativ in den OFF-Spielplan, sondern bietet gleich mehrfach auch kindgerechte Familienunterhaltung. Exemplarisch seien an dieser Stelle "Piraten Alarm" und "Puschel auf Sommerreise" mit Jan Deike genannt.

Allein diese rudimentär bruchstückhafte Vorschau zeigt, was symptomatisch für die freie Szene in Dresden zu sein scheint: Es gibt wenig Platz für viele gute Ideen. Denn um der stetig wachsenden OFF-Szene der Stadt umfassend gerecht zu werden, könnte man wohl getrost auch noch die Spielzeitferien (sowie mehrere Zeitungsseiten) mit einem prall geschnürten Programm füllen. Fürs Erste muss jedoch ein Monat bestens ausgefüllter freier Kreativräume an zwei renommierten Häusern reichen. Wo und ob sich hier die Spreu vom Weizen trennt, dass können dann allein die Zuschauer via individuelle Entdeckungstour durch die bunte Dresdner OFF-Landschaft entscheiden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.06.2013

Nicole Czerwinka

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