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Nur vermeintlich naiv - Arbeiten von Fritz Tröger sind bei Döbele in Dresden ausgestellt

Nur vermeintlich naiv - Arbeiten von Fritz Tröger sind bei Döbele in Dresden ausgestellt

Seine Bilder könnte man bei oberflächlicher Betrachtung "naiv" nennen. Dies ist aber mitnichten so. Stattdessen macht eine abstrahierte, auf das Wesentliche gerichtete Diktion das Schaffen von Fritz Tröger (1894-1978) so unverwechselbar.

Wer an Werke des Künstlers denkt, wird unwillkürlich sichtbar gebliebene markante Linien einer Vorzeichnung vor Augen haben, die Körper und Gegenstände begrenzen, deren Flächen wiederum mit dünn aufgetragener lasierender Farbe ausgeführt sind. Als typisch für die Bildkompositionen erweisen sich Stoffmuster der Kleidung von Dargestellten oder des Interieurs. Selbst Raumelemente wie Fenstergitter können den Charakter eines Ornaments annehmen. Dass die Arbeiten auf Papier, die im Schaffen des Künstlers eine große Rolle spielten, ebenso diesen sachlichen Charakter tragen, versteht sich von selbst.

Der gebürtige Dresdner hatte an der Kunstgewerbeschule und von 1918 bis 1925 an der Kunstakademie studiert. Seine Malweise freilich war bald mehr vom Geist der Zeit - der Neuen Sachlichkeit - als von Professoren wie Max Feldbauer, Otto Gussmann, Otto Hettner oder Georg Lührig beeinflusst. Spuren hinterlassen haben eher seine Lehrer an der Kunstgewerbeschule - Margarete Junge und Paul Rößler -, nicht zuletzt vielleicht auch die zeitweilige eigene Tätigkeit als Lehrer für Modezeichnen an der privaten Kunstschule Guido Richter zwischen 1928 und 1930. Margarete Junge etwa, deren von Tröger 1928 gemaltes Porträt eines seiner bekanntesten Gemälde ist und zum Bestand der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehört, war eine geschätzte Entwerferin von Möbelstücken und Inneneinrichtungen der Hellerauer Werkstätten, aber auch von Mode, Spielzeug und Stoffen.

Exaktheit, Orientierung an der Linie, ebenso ein exzellenter Umgang mit Farben waren neben anderen Aspekten wie der Orientierung an der Funktionalität wohl entscheidend für dieses Metier, was auch auf ihre Tätigkeit als Professorin an der Kunstgewerbeschule und damit auf die Studenten ihre Wirkung gehabt haben dürfte. Ebenso glaubt man in Trögers Werken mitunter den Einfluss japanischer Farbholzschnitte zu spüren. Nicht unerwähnt bleiben darf zudem die Freundschaft mit Hermann Glöckner, der ja ab Be-ginn der 1930er Jahre sein Tafelwerk schuf. Tröger suchte zwar nicht nach der Geometrie in Figur und Landschaft. Aber eine Konzentration auf die wesentlichen Formen ist augenfällig. Dieser spezielle Blick machte ihn einerseits zu einem wichtigen Porträtisten. Zum anderen kennt man teils fast skurril anmutende Figurenszenen, genau geschilderte Interieurs und zahlreiche Landschaften.

Einen Eindruck dieser in der Dresdner Kunst des 20 Jahrhunderts nahezu einmaligen Handschrift vermittelt derzeit eine Ausstellung der Galerie Döbele mit Zeichnungen, Aquarellen und Pastellen des Künstlers, sozusagen ein Nachklang der Schau "Neue Sachlichkeit in Dresden", die die Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen bis Anfang 2012 im Lipsiusbau präsentierte und die auch Werke Trögers zeigte. Die Arbeiten des vorgestellten Konvoluts umspannen zeitlich nahezu das gesamte Schaffen des Künstlers von den frühen 1920er bis in die 1970er Jahre. Auffallend sind die wahrhaft sachlichen Porträts wie etwa eines "Mannes mit gefalteten Händen" (1927) oder die zahlreichen der Geigerin Leni Reitz. Atmosphärisch treffend ist eine Gruppenszene von "Fünf Kartenspieler(n)" (1931), während das etwas frühere Blatt "Beim Appell" (1928) durch die Anlage der Zeichnung, die die Uniformierten zu einer gesichtslosen, wie automatisierten Masse werden lässt, etwas von der erwähnten Skurrilität in sich trägt.

Am deutlichsten dem "Sachlichen" verbunden ist gewiss der Zykus zu den Kasernen der Albertstadt (1932) - wohl auch, weil hier das konstruktive Element der Architektur im Vordergrund steht. Dies ist in gewisser Weise bei späten Dächerstudien von 1971 wieder aufgenommen. Gleichwohl sind ebenso die Landschaften aus der Lausitz (dieser war der Künstler seit Mitte der 1930er Jahre besonders verbunden) oder von der Ostseeküste - dank der Konzentration auf die wesentlichen Gegebenheiten, dem Verzicht auf spielerische Elemente und vordergründig Atmosphärisches - davon durchdrungen, wodurch ihnen schließlich auch so etwas wie ein Ewigkeitsmoment aufprägt wird.

Die Ausstellung wird ergänzt von Werken aus dem Bestand, darunter einige, deren Schöpfer im Südwesten Deutschlands die Neue Sachlichkeit mit prägten - etwa Karl Hubbuch oder Wilhelm Schnarrenberger, dessen wunderbare Stillleben aus späteren Jahren beeindrucken -, darüber hinaus Otto Dix und Kurt Günther. Hinzu kommen weitere Künstler der Galerie mit Einzelwerken oder Werkgruppen wie Max Ackermann, Gerhard Altenbourg, Herta Günther, Ralf Kerbach, Herbert Kunze, Igor Oleinikov, Heinz Schanz und Emil Schumacher.

Bis 31. März, Galerie Döbele, Pohlandstraße 19, Di-Fr 10 bis 12 und 14-18 Uhr, Sa 11-17 Uhr. Tel. 0351/318290

www.galerie-doebele.de/

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.03.2012

Lisa Werner-Art

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