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Nichts drängt: Sechstes Musikfestival "Sound of Bronkow" im Societaetstheater Dresden

Nichts drängt: Sechstes Musikfestival "Sound of Bronkow" im Societaetstheater Dresden

Zunächst ist alles wie immer. Zweifelsfrei auch so, wie es Mario Cetti von der veranstaltenden Agentur und Ina Conradi vom Stammhaus gegenüber DNN 2013 schon verkündeten: "Wir hatten das Festival von Anfang an auf Langfristigkeit angelegt.

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Der Pianist Lambert tritt mit Maske auf. Am Freitag stellt er auf dem Sound of Bronkow Festival sein neues Album "Stay In The Dark" vor.

Quelle: PR

" Und: "Es ist mittlerweile fester Teil der Spielzeiteröffnung im Societaetstheater." Offiziell gezählt aber wird nicht. Trotzdem zieht der "Sound of Bronkow" anno 2015 in die beliebten "Hinterzimmer" der Hauptstraße, in den Apfelgarten, ins Foyer. Vielleicht ist genau das wirklich das schönste Zeichen dieses ausklingenden Sommers.

Die Tickets fürs sechste Fest sind im Grunde vergriffen. Das ist die wie stets schlechte Nachricht für Zuspätkommende, Verschlafen(d)e und jene, die partout unterschätzen, wie schnell ein Jahr herum ist. Ihnen bleibt nur, was in den Jahren zuvor geholfen hat: Der Gang ins lauschige Grün ums Theater oder in den Eingangsbereich, wo Freitag bis Sonntag Künstler ohne Eintrittsgeld präsentiert werden. Es ist kein Qualitätskriterium.

Die meisten der Acts hätten durchaus auch auf die Kleine oder Große Bühne gepasst. Bei 22 Solisten, Bands resp. Projekten ist es jedoch schlichtweg unmöglich. Der gesamte Sonntag gehört in diesem Jahrgang dem Garten. Ab Mittag werden hier vier Programmpunkte zu erleben sein, darunter mit Wolfgang Müller das einheimische Moment, mit New Partner das schwedische und mit Lloyd Williams das britische. Das sonntagabendliche Konzert entfällt. Mario Cetti von "Kumpels & Friends" sagt, warum das so ist: "Um bei nur knapp 300 verkaufbaren Festivaltickets und entsprechendem Budget eine größere Abschlussshow realisieren zu können, müssen wir sowohl das Glück haben, eine geeignete Band, als auch eine dafür geeignete Location außerhalb des Societaetstheaters für das Festival buchen zu können. Das hat in diesem Jahr in der Kombination leider nicht geklappt und wir wollten am Ende auch nichts Halbgares übers Knie brechen. Schön wird es aber sicherlich trotzdem." Weshalb, liefert Cetti auch gleich nach: "Wir waren wahrscheinlich in keinem anderen Jahr musikalisch so vielfältig aufgestellt und sind doch im Kern so typisch Bronkow geblieben wie 2015. Von Noiserock über Hip Hop, großen Popgesten, knarzigem Americana und zeitlosen Folksongs bis hin zu Experimentellem haben wir die musikalischen Grenzen des Festivals erweitert. Wir sind dennoch der Meinung, dass am Ende alles wie die Faust aufs Auge zusammenpassen wird."

Highlights? Wer Papiertiger als Orakel akzeptiert, dem seien - natürlich - Erdmöbel genannt, die grauen Eminenzen des schräg sitzenden Deutschwortes. Oder BRNS aus Belgien, die auch Spielwitz heißen könnten und, ähnlich wie Listener vor zwei Jahren, ganz vorn dran sind in der Beweisführung, wonach das SOB-Festival nicht die Laute, sondern sehr wohl das Laute mag. Lemur bringt als Ex-Herr von Grau endgültig den Hip-Hop zum Fest, während Daniel Knox aus Chicago den dunklen Hut am Klavier beschwört. Doch Höhepunkte, auch das lehrt die Erfahrung, macht sich jeder Besucher selbst, genau wie das, was er später Überraschung nennt.

Vielleicht Lambert? Der deutsche Pianist und bekennende Maskenträger (der also auch -) hätte ein Ruhepunkt nach aufregenden Vorgängern werden können. So aber steht er fast am Beginn des Festivals. Könnte gut sein, es liegt daran, dass just am Freitag seine aktuelle, bislang zweite CD erscheint. Sie heißt "Stay In The Dark" (Staatsakt).

Lambert ist Re-Worker, was meint, dass kaum ein Stück, das ihm gefällt, vor seiner Neuinterpretation sicher ist. Wissend, dass die Welt aber nicht die x-te Variante von Nudel-Hits braucht, legt er sich lieber Material unter anderem von Bonaparte, Moderat, Die Höchste Eisenbahn, Boy, Tocotronic oder Ja, Panik in die Finger und von dort auf die Tasten.

Stand jetzt, ist das Piano (noch) Lamberts ein und alles, während die Kollegen Hauschka, Nils Frahm (er produzierte 2014 Lamberts Debüt) oder gar Max Richter (er bringt bald das achtstündige Werk "Sleep" als Einschlafprojekt heraus) immer wieder wegführen vom puren Tasten-Klang. Mit der Maske will der (wahrscheinlich) 31-Jährige aus (wahrscheinlich) Norddeutschland, Wohnsitz Berlin, "die Journalisten bei Laune halten". Mit der Musik will er hörbar an den Kern einer zauberhaften Melodie heran, einer Essenz, die einem Perlenspiel gleicht, ohne Glas zu sein, die Ohrwurm-Ambiente haben darf, ohne ins Banale zu drängen.

Sound of Bronkow, Freitag (ab 18 Uhr), Sonnabend (ab 13 Uhr), Sonntag (ab 12 Uhr) im Societaetstheater, außerdem der Groove Station und dem Thalia Kino kfrecords.de/sob-festival/

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2015

Andreas Körner

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