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Nicht im Stich lassen - Malerei und Grafik von Gudrun Trendafilov in der Galerie Mitte Dresden

Nicht im Stich lassen - Malerei und Grafik von Gudrun Trendafilov in der Galerie Mitte Dresden

Eine nackte Frau mit dem Rücken zum Betrachter schaut aufs Meer, wo die Winde Sturm und Regen aus einem tiefen Blaugrün des Himmels herantreiben. Rechts im Bild zieht ein starkes Unwetter herauf.

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Gudrun Trendafilov. Ja, ja der Süden. 2014.

Quelle: Repro: Heinz Weißflog

"Alle Wetter" nennt Gudrun Trendafilov dieses Acrylbild, das der Ausstellung ihren Titel gab. Gemeint sind dabei nicht nur das jeden Tag stattfindende Naturereignis, sondern vor allem allerlei Widrigkeiten des Lebens, die über uns ständig hinwegziehen. Gudrun Trendafilov weiß, wovon sie in ihren Bildern erzählt. Das macht ihre Kunst so sympathisch und lebensnah, spart sie doch auch die dunklen Seiten der Existenz nicht aus, die dazugehören und jeden irgendwie berühren. Dennoch aber spricht sich in den sensiblen Figurationen immer eine typisch weibliche Sehweise aus, die nicht nur Anmut und Zartheit der Empfindungen ausdrückt, sondern die ganze Bandbreite femininer Gefühlswelten umfasst.

Die Bilder von Gudrun Trendafilov sind strenger, kantiger und auch flächiger geworden. Immer aber tragen sie eine Symbolik in sich, eine Metapher, eine Botschaft. Sie sind lyrisch verdichtet und sprechen ungewollt aus, was zwischen Menschen passiert, die sich lieben - oder auch - sich hassen. Ihre Kunst ist sowohl gegen Einsamkeit und Unverstandensein als auch gegen fehlende Einfühlung und Gleichgültigkeit gemalt. Die Trauer der Diskrepanz und Unerfülltheit aber zwischen Liebenden wird es immer geben, vielleicht auch Kälte und Gewalt zwischen Menschen, die in einer Beziehung miteinander leben.

Grelles Gelb, gefährliches Olivgrün

So erscheinen die Bilder von Gudrun Trendafilov als Versuche, Konflikte in den menschliche Beziehungen aufzuarbeiten: Mitgefühl zu wecken und im Sinne von Hilde Domin "Den Anderen nicht im Stich zu lassen". Denn nur das können wir wirklich tun. Die Künstlerin transportiert die Stimmungen ihrer Figuren nicht nur über Mimik und Gestik allein, sondern vor allem über die Farbe in einer schier unendlichen Vielfalt und Nuance. Blau scheint dabei zu dominieren, gibt es doch dem Bild Tiefe und Schwingung. Aber auch ein schneidendes Gelb neben gefährlichem Olivgrün steht dabei für Konflikthaftigkeit und Ängste in einer Beziehung, während ein zartes Rot in "Mohn am Meer" zusammen mit dem leicht bläulich schimmernden Inkarnat eines sitzenden weiblichen Aktes, der mit der linken Hand eine Mohnblüte umschließt, Zuversicht und Lebensfreude ausstrahlen. Das schöne, klare, scharf geschnittene, sich umwendende Gesicht erzählt wie im Gleichnis von einer innigen Bereitschaft und Liebe zum Schönen.

Neben der ausdrucksstarken Malerei (meist in Acryl oder als Mischtechniken auf Leinwand) gibt es eine Reihe von Serien von Farbzeichnungen und Grafiken zu sehen, die unter bestimmten Themen stehen, darunter die drei sehr fein durchbildeten, auf getöntem Papier und mit Weiß gehöhten figürlichen Arbeiten "Privates", die Groteske und Fantasie mit Eigenwilligkeit verbinden. Teezeremonie und Chinoises, ebenso afrikanische Gesichter zeigen, dass sich die Künstlerin nicht auf einen Menschentyp festgelegt hat.

Neben Themen aus dem Alltag spielen neuerdings auch gesellschaftliche Fragen in Gudrun Trendafilovs Werk eine Rolle, wie die "Serie fünfundzwanzig" mit drei Blättern über das Jubiläum des Mauerfalls zwischen Traum, Aufbruch und Realität.

Im Kabinett der Galerie hängen drei Algrafien in bewährter Manier. Immer wieder tauchen Liebespaare in Umschlingungen und Kokons auf, eingeschalt und wie in Fruchtkelchen verborgen. Diese Arbeiten strahlen eine besondere Stille und Vertiefung aus, die beim Betrachter Trost und Beruhigung bewirken.

Bis 24. Januar. Am 22. Januar, 19.30 Uhr Finissage, Lesung mit Jens Uwe Sommerschuh aus der Weltliteratur zum Thema "Alle Wetter", am Klavier Jana Vlasakova. Galerie Mitte, Striesener Straße 49, 01307 Dresden. Tel. 0351/ 459 00 52. Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.01.2015

Heinz Weißflog

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