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New Model Army liefert melancholischen „Winter“-Abend im Beatpol

Revolution 1.0 New Model Army liefert melancholischen „Winter“-Abend im Beatpol

Dreißig Jahre nach der Revolution herrscht „Winter“ – so der aktuelle Albumtitel von New Model Army. Deren Ruf als Punk- und Revoluzzercombo ist just drei Dekaden alt: Der so genannte Durchbruch“ gelang 1986 mit der Coverversion von Ashley Cartwrights „51st State“. Nun waren sie zu Gast im Dresdner Beatpol.

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Quelle: PR

Dresden. Dreißig Jahre nach der Revolution herrscht „Winter“ – so der aktuelle Albumtitel von New Model Army. Deren Ruf als Punk- und Revoluzzercombo ist just drei Dekaden alt: Der so genannte Durchbruch“ gelang 1986 mit der Coverversion von Ashley Cartwrights „51st State“ – da war Justin Sullivan, der als Bandkopf seit 18 Jahren als einziges Gründungsmitglied den Mythos lebt und pflegt, just 30. Und seine Bradforder Combo, die sechs Jahre zuvor mit Stuart Morrow am Bass und Robert Heaton am Schlagzeug als Hustler Street Band startete, pflegte angesichts der Thatcher- und Reagan-Ära echten Punk.

Das gleichnamige Vorbild, welches als erste Parlamentsarmee der Welt mit Oliver Cromwell als Chef der Reiterei echt puritanisch erst den englischen Bürgerkrieg gegen den ersten Karl als King und dann noch gegen Irland gewann, gab es nur fünfzehn Jahre. Auch Cartwright starb vor kurzem mit 57 – den persönlichen Nachruf des 60-jährigen Sullivan gibt es auf der NMA-Netzpräsenz.

So ist nun „Winter“-Zeit, begleitet von einer parallel erschienenen Graphic Novel gleichen Namens aus der Feder von Matt Huyn. Die Scheibe hält sich – im Gegensatz zu den beiden Vorgängern („Between Dog and Wolf“, 2013) sowie („Between Wine and Blood“, 2014) – schon seit drei Wochen in den deutschen Albumcharts und stieg bis auf Platz 20, die Europatour, die der durchs Vereinigte Königreich vorgeschalten ist, beschert dem aktuellen Sextett im Oktober nur fünf freie Abende – die meisten der Shows laufen in Deutschland und Polen, der Dresdner Beatpol war am Freitag Station Nummer 7.

Schon der titelgebende Song verrät als bester der neuen, dass die Punkzeiten vorbei sind, es gibt Gitarrenrock, oft Independent genannt, der manchmal gewöhnungsbedürftig mit Keyboard und Elektrogeige zu Artrock aufgebauscht wird. Sullivan, der neben der E- auch oft (und besser) Akustikgitarre spielt, hat an seiner Seite zwei gute Männer an den Gitarren: Ceri Monger schüttelt am Bass sein Haupthaar, Marshall Gill, der die Langhaarigkeit nur am Kinn pflegt, spielt zudem Mundharmonika.

Dass die Herren keine ausschweifenden Showmätzchen pflegen, sondern als Vertreter der alten, linearen Schule einfach auf der Bühne ihr Songprogramm darbieten, ist bekannt und eher ein Pluspunkt. Dennoch erschöpft sich der Reiz an der Darbietung der neuen Scheibe – zumindest für viele der multivalenten Rochmusikfreunde, erkennbar an den Aufschriften ihrer schwarzen Nikkis im Saal – aufgrund recht monotoner Songstrukturen recht schnell.

Der Auftritt wirkt auch in Sachen Lichtregie und Tontechnik recht uninspiriert. Die Herren an den Gitarren sind im Gegenlicht oft nur als reine Schattenstaturen erkennbar, Schlagzeuger Michael Dean und Pianist Dean White bleiben gänzlich unterbelichtet. An manchen Punkten im Saal ist nur vom Schlagwerk arg dominierter Soundbrei zu hören, so dass man einen der nicht unhäufigen Briten im Publikum – meist in Originalfrisur, sportlich leger bis kurzhosig bekleidet und freitags nach Zehn gut vorbetankt – braucht, um anhand dessen Lippen den Text nachzulesen, was nur mitschwankend gelingt.

Das restliche Publikum vertrieb sich die Zeit mit visueller Handybannung fixer oder beweglicher Art: Drei Gestalten im roten Gegenlicht tauchten in den beiden letzten Stunden des siebten Oktober recht oft im Netz auf und animierten die Algorithmen hinter den Geräten aufgrund von räumlicher wie zeitlicher Nähe zu echten Freundeskampagnen.

Erst nach einer reichlichen Stunden kommen die alten Songs, das Licht wird heller, die Atmosphäre spiegelt die wilden Zeiten, auch wenn diesmal nur ein Halbnackter auf den Schultern thront. Zwölf vor Zwölf – nach drei Zugaben in einer Runde – war Schluss mit der mythischen Autopoesis, die Begeisterung der lautstarken Starclub-Stammgäste hielt sich beim Heimweg in Grenzen. Diese Art von Revolution ist wohl Geschichte – aber als solche eine gute.

www.newmodelarmy.org

Von Andreas Herrmann

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