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Neues aus Island: Rökkurró in der Scheune Dresden

Neues aus Island: Rökkurró in der Scheune Dresden

Die erste Assoziation, die erste Verbindung: Björk. So wird es den meisten gehen, denn von der kleinen Insel im hohen Norden gibt es nicht allzu viele Musik-Exporte, die es bis zu uns nach Deutschland geschafft haben.

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Hildur Kristín Stefánsdóttir und Helga Ragnarsdóttir.

Quelle: Dietrich Flechtner

Musik und Island. Da wären noch Bands wie Sigur Rós, Of Monsters And Men oder GusGus. Doch um eine Band sollte sich dieses Musikbild schnellstmöglich erweitern: Rökkurró, die sechsköpfige Gruppierung aus Reykjavik. In der Scheune präsentierten die Musiker ihr mittlerweile drittes Album "Innra" erstmalig mit englischen Lyrics. Und dies hat sich allemal gelohnt.

Arpeggien auf dem Stage-Piano, harte Drums, elektronisch verzerrte Stimmen oder archaische Trommeln - Rökkurró schafft es, scharfe Kontraste zu einem homogenen Klangbild zu verschmelzen. Die Musik lebt von dem Wechselspiel zwischen elektronischen und klassischen Klängen - doch die Stimme von Frontfrau Hildur Kristín Stefánsdóttir haucht den Titeln erst ihr Leben ein. Ihr Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme und somit der Übergang zwischen gehauchten und kräftig gesungenen Passagen erzeugt eine schwebende Atmosphäre, egal wie sehr der Beat stampft oder der Bass hämmert. Nun versteht man auch, warum sich die jungen Musiker diesen Bandnamen gegeben haben: Rökkurró setzt sich aus den isländischen Wörtern "Zwielicht" und "Ruhe" zusammen.

Isländische Texte verstärken die geheimnisvolle Atmosphäre von so manchem Lied zusätzlich. Obwohl, wie Hildur sagt, es ihr auf Englisch leichter falle, ehrlicher zu schreiben. So sei "Inna", übersetzt "Das Innere", das persön- lichste Werk der Band. Zwar finden sich auf dem neuen Album auch Lieder in ihrer Muttersprache, doch überwiegt die Anzahl der englischsprachigen Lyrics. Und in der Tat, die neuen Titel sind emotionaler, vertrackter und ausdrucksstärker. Besonders gefühlsbetont wird es, wenn Hildur gemeinsam mit ihrer Bandkollegin Helga, die sonst am Stage-Piano steht, im Duett singt. Helga mit ihrer warmen, tiefen Stimme baut Hildur eine so kraftvolle Basis, dass Gänsehaut als Nebeneffekt dazu ge- hört. Auch wenn der Begriff doch leider sehr inflationär gebraucht wird, aber Hildurs Stimme kann man ohne Zweifel als engelsgleich bezeichnen. Bei "Blue Skies" oder "White Mountain" erreicht sie mit ihrer klaren Stimme solche Höhen - und weiß dabei die satte Musik nach wie vor zu bändigen. Dann ist es umso ärgerlicher, wenn sich der Lautstärke-Pegel an mancher Stelle in ebensolchen Höhen befindet. Dann verschwimmen und verzerren die Instrumente, dann bricht ein undifferenziertes Gewitter los, bei dem selbst Hildurs Stimme unterzugehen droht. Eine Rockband-ähnliches Besetzung ist noch kein Argument für solch einen Dynamik- Range. Schade drum, wenn die Gitarre rückkoppelt, dröhnt und summt, wenn ein Moment der Stille angebrachter wäre.

Es wäre mehr als wünschenswert, wenn sich diese Band tief in den Köpfen der Menschen eingräbt. Island beherbergt Nachwuchsmusiker, die es wirklich wert sind, gehört zu werden. Da muss "Vulnicura", das neue Album von Björk, mal hinten anstehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.01.2015

Annette Thoma

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