Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Neues Album der Prinzen: "Die Sympathien scheinen uns zuzufliegen"

Neues Album der Prinzen: "Die Sympathien scheinen uns zuzufliegen"

Sieben Jahre hat es gedauert: Jetzt ist die neue Platte der Prinzen unter dem Titel "Familienalbum" erschienen. Wir sprachen mit Tenor Wolfgang Lenk, der das neue Werk produziert hat, über die aktuelle Entspanntheit, über Songs, die wie Ungetüme wirken können, seine Rolle in der Band und das Phänomen namens Pegida/Legida.

Voriger Artikel
Dresdner M2A Galerie zeigt Michael Klipphahn
Nächster Artikel
Die Welt als Fluchtort und Kunstobjekt

Entspannte Sicht aufs Showgeschäft: Wolfgang Lenk, Tobias Künzel, Jens Sembdner, Sebastian Krumbiegel und Henri Schmidt (v. l.).

Quelle: Olaf Heine

Warum liegen sieben Jahre zwischen "Die neuen Männer" und dem neuen Studioalbum?

Zum einen hatten wir viel mit Tourneen zu tun, zum anderen ist es nach all den Jahren nicht leichter geworden, Songs zu schreiben, die relevant genug sind, dass sie neben den vielen, die wir schon haben, bestehen können. Vor zwei Jahren haben wir angefangen, Material für das neue Album zu suchen. Der entscheidende Impuls kam letztes Jahr bei einem Mallorca-Aufenthalt, bei dem wir sehr kreativ waren.

Auf der Platte finden sich Textzeilen wie: "Totgesagte leben länger". "An uns selbst zu glauben, wenn schon niemand anders es tut". "Ganz egal, wie gut uns jemand leiden kann." Werden da unschöne Erfahrungen verarbeitet?

Sicher schon. Der besagte Song stammt ja von Tobias. Ihm geht es aber neben aller Selbstreflexion immer sehr um Allgemeinverständlichkeit. Ein bisschen Selbstbeschwörung ist vielleicht schon dabei.

Haben sich die Prinzen selbst an einem toten Punkt gefühlt?

Nein. Wir lassen uns in den letzten Jahren einfach mehr Raum für unterschiedlichste Aktivitäten. Aber jetzt war die Zeit wirklich reif, ein neues Prinzen-Album anzugehen.

Einige Songs drehen sich um das Musikbusiness - teils sehr ironisch. Hat sich Eure Haltung zum Geschäft verändert?

Wir haben bei unserer eigenen Plattenfirma viele Leute kommen und gehen sehen. Vielleicht resultiert daraus unsere inzwischen sehr gelassene Sicht auf die Branche.

Sie haben das "Familienalbum" produziert - gab es Besonderheiten im Vergleich zu früheren Produktionsprozessen?

Wir haben uns der Herausforderung gestellt, auf Instrumente bis auf wenige Ausnahmen zu verzichten. Es gibt nur Stimme und Beat, so wie auf den ersten drei Prinzen-Alben. Ganz selten etwas Bass. Koproduziert hat Sebastian Kirchner, der bei "Es war nicht alles schlecht" schon dabei war. Er hat auf mehr oder weniger fertige Songs Beats programmiert und gemischt.

Fassen Sie einen Song immer wieder neu an oder sagen Sie schnell: "So, der ist fertig"?

Mit dem Harddisk Recording fließen ja heute die Prozesse vom Komponieren bis zum fertigen Mix sehr ineinander. Man ergänzt, verwirft und probiert, bis alle in der Band mit dem Ergebnis zufrieden sind. Es gibt sehr überschaubare Songs und ein paar echte Monster mit unglaublich vielen Spuren.

Zum Beispiel?

"Die Melodie" ist aus produktionstechnischem Blickwinkel ein Ungetüm, auch "Nur noch Hits".

Gibt es eine Erwartungshaltung zur Platte?

Die Sympathien scheinen uns momentan zuzufliegen wie schon lange nicht mehr. Insofern erwarten wir einiges. Wichtig ist uns aber, dass uns selbst das Album gefällt.

Vor der Tournee 2016 gibt es vom 4. bis 6. Juni drei Prinzen-Konzerte in der Leipzig Oper - wie kam es dazu?

Die Oper hat uns im Rahmen der Feierlichkeiten zu "1000 Jahre Leipzig" angefragt. Wir treten zusammen mit dem Orchester und dem Chor der Musikalischen Komödie auf. Ich hatte die Freude, dafür die Arrangements machen zu dürfen. Am 4. Juni wird es auch einen Mitschnitt für eine DVD geben. An diesem Tag dürfen wir außerdem Andreas Bourani und Xavier Naidoo als Gäste begrüßen.

Die Frontsänger der Prinzen sind in Naidoos Show "Sing meinen Song" zu sehen. Der hat in den vergangenen Monaten Negativ-Schlagzeilen - zum Beispiel durch eine Rede vor den rechtsgerichteten "Reichsbürgern". Stoßen sich die Prinzen nicht an Naidoos Haltung?

Ich glaube, man kann Xavier in gar kein Raster packen. Wir haben ihn jedenfalls als sehr angenehmen, zuhörenden Menschen erlebt.

Dresden ist durch Pegida, Leipzig durch Legida in unschöne Schlagzeilen geraten. Wie weh tut Ihnen das als begeisterter Leipziger?

Natürlich klebt Legida wie ein Makel an unserer Stadt, die in letzter Zeit immer populärer und attraktiver wird. Andererseits gehören Demonstrationen von Gruppierungen, denen Verfassungsfeindlichkeit nicht nachzuweisen ist, zur demokratischen Kultur. Wir müssen das aushalten.

Die Prinzen gelten nach wie vor als erfolgreichste Leipziger Band, seit Jahren wartet man vergeblich auf das nächste große Ding, obwohl Leipzig die Musikstadt schlechthin ist. Haben Sie eine Erklärung?

Das steht tatsächlich in einem Missverhältnis. Ich denke, früher oder später werden definitiv auch Leipziger Bands überregional bekannt werden, so wie sich Leipzig entwickelt.

Wann taucht Wolfgang Lenk mit einem Solostück auf einer Prinzenplatte auf?

Ich hab doch schon bei zwei Prinzen-Songs als Leadsänger fungiert. Aber das kickt mich nicht wirklich. Ich kann meine Stärken, so wie ich in der Band involviert bin, sehr gut ausleben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.06.2015

Mark Daniel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News
Von Redakteur Mark Daniel

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr