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Neue Tendenzen für den Tanz: "The Primate Trilogy" in Hellerau

Neue Tendenzen für den Tanz: "The Primate Trilogy" in Hellerau

Heute Abend ist es so weit. Im großen Saal des Festspielhauses im Hellerauer Europäischen Zentrum der Künste beginnt ein neues Kapitel für den Tanz in Dresden. Mit "The Primate Trilogy" stellt sich die neu gegründete Dresden Frankfurt Dance Company vor.

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Überraschungseffekte sind zu erwarten heute Abend in Hellerau: Tänzer der Dresden Frankfurt Dance Company.

Quelle: Dominik Mentzos

Dresden. Heute Abend ist es so weit. Im großen Saal des Festspielhauses im Hellerauer Europäischen Zentrum der Künste beginnt ein neues Kapitel für den Tanz in Dresden. Mit "The Primate Trilogy" stellt sich die neu gegründete Dresden Frankfurt Dance Company unter der Leitung ihres künstlerischen Direktors und Choreografen Jacopo Godani vor.

Nach erfolgreicher Uraufführung im Frankfurter Bockenheimer Depot ist Godani mit seiner neu zusammengestellten Company am Montag in Dresden angekommen. Der Besuch einer Probe macht deutlich, dass die Zuschauer hier nicht lediglich eine pure Übertragung der Frankfurter Kreation zu erwarten haben.

Auch wenn, so Jacopo Godani im anschließenden Gespräch, die Choreografie im Grunde unverändert bleibt, so ergeben sich doch neue Eindrücke und Sichtweisen. Der Raum des Festspielhauses hat andere Dimensionen und die Möglichkeiten, die Tänzerinnen und Tänzer ins Licht zu setzen, sind optimaler. Auch die klarere Begrenzung des Bühnenraumes ermöglicht eine konzentrierte Sicht auf das Geschehen.

Alles muss perfekt sein für den inzwischen international renommierten Choreografen, der aus La Spezia in Italien kommt. Dort begann er auch 1984 mit dem Studium des klassischen Tanzes und moderner Techniken. An der Accademia Carrara widmete er sich dem Studium der Bildenden Künste, bevor er seine Studien an Maurice Béjarts internationalem Tanzzentrum in Brüssel fortsetzte. Er gründete eine eigene Company und machte schon früh als Choreograf auf sich aufmerksam. Ab 1991, neun Jahre lang als Solist bei William Forsythes Frankfurter Ballett, lernte er die stilistische Vielfalt und die außergewöhnlichen Techniken dieses Erneuerers des neoklassischen Tanzes intensiv kennen, um sich danach völlig der eigenen choreografischen Arbeit zu widmen.

Inzwischen gibt so gut wie keine der weltweit bedeutenden Ballett- und Tanzcompagnien, für die er nicht schon als Choreograf gearbeitet hätte. Auch das Dresdner Semperoper Ballett hat mit "Spazio-Tempo" und "Sacre" Kreationen von Godani im Repertoire.

Weil er immer daran arbeitet, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, den Raum, das Licht, den Klang und die Bewegung in spannende, mitunter auch ungewöhnliche Korrespondenzen zu führen, die den Zuschauer durch die Anregung der Fantasien und Eindrücke auf vielfältige Weise einbeziehen, ohne im herkömmlichen Sinne Geschichten zu erzählen, stellt er sich auch jetzt den räumlichen und akustischen Möglichkeiten in Hellerau. Die gilt es auszureizen, mögliche Grenzen zu akzeptieren, nicht zu ignorieren, bestenfalls mit zu inszenieren.

Mit 15 Tänzerinnen und Tänzern stellt sich die neue Company in Dresden vor. Rund 800 Bewerbungen gab es. Nach Sichtung aller Unterlagen und Videos gab es Auditionen in Frankfurt und New York, 34 Kandidatinnen und Kandidaten wurden eingeladen, zwei wurden engagiert. Die Suche ging weiter. Man reiste und suchte, und man fand sie, diese ausnahmslos technisch hochversierten Protagonisten mit jeweils ganz eigener, individueller Ausstrahlung für die neue Truppe.

Dabei trug die Zusammenarbeit mit der Dresdner Palucca Hochschule für Tanz erste Früchte einer weiter auszubauenden Kooperation mit der hiesigen Tanzszene. Ulysse Zangs aus Frankreich, der seit 2014 an der Dresdner Hochschule studiert, ist jetzt Praktikant bei der Dresden Frankfurt Dance Company. Auch Michael Joshua Tucker, bislang zweiter Solist beim Semperoper Ballett, der auch schon eigene choreografische Arbeiten vorstellte, gehört dazu.

Ende der letzten Saison feierte sie noch als erste Solistin beim Dortmunder Ballett mit der Hauptpartie in Jirí Bubeníceks Ballettadaption des Films "The Piano" große Erfolge, jetzt erlebt man die belgische Tänzerin Emelie Nguyen erstmals in Dresden. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen wechselte der Tänzer Julian Nicosia vom Ballett der Opéra de Lyon nach Frankfurt und Dresden. Die Liste ließe sich fortsetzen. Am Reichtum der Facetten bestens in klassischer Technik ausgebildeter und erfahrener Tänzerinnen und Tänzern, die nun - ganz im Sinne von Jacopo Godani - darauf aufbauend, sich gemeinsam auf den Weg machen, um neue und ungewöhnliche Bereiche des zeitgenössischen Tanzes zu erkunden, mangelt es nicht.

Die Lust an der Recherchearbeit war für den Choreografen entscheidend. Dabei will er, der darauf verweist, dass er seine entscheidenden Erfahrungen und Anregungen William Forsythe verdankt, nichts vorschnell "wegwerfen". So werden Tänzerinnen wieder auf der Spitze tanzen, nicht wegen der Demonstration technischer Brillanz, nein, wegen der so spannenden wie verblüffenden Beziehungen, die sich dem Zuschauer eröffnen können, wenn es so etwas wie einen Wiedererkennungseffekt gibt, der zugleich zu einem Überraschungseffekt werden kann. Denn so, wie wir ja auch nicht die Traditionen unserer Worte und Dichtungen wegwerfen, so auch nicht die des Tanzes, sagt Jacopo Godani, dem es darauf ankommt, aufbauend auf dem Fundament unverzichtbarer Traditionen, den Raum zu weiten für das Experiment, für das Erkunden neuer Möglichkeiten.

Für den Zuschauer könnte sich bestenfalls der Blick in dem Maße weiten, wie der Tanz mit seinen Rückbesinnungen und angstfreien Schritten ins unbekannte Terrain Horizonte verschiebt.

Dafür muss der Tanz keine Geschichten im Sinne einer Handlung erzählen, aber im subversiven Dialog mit dem Zuschauer gibt es für die Weite der Geschichten und bestenfalls befreienden Fantasien in ihren Köpfen keine Grenzen.

Aufführungstermine: 22., 23., 24., 25., 28., 29., 30., 31. 10.; 1.11., jeweils 20 Uhr www.hellerau.org www.dresdenfrankfurtdancecompany.de

Boris Gruhl

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