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Neue Pirouette in seltsamem Streit um Krokodil im Zoo Hoyerswerda

Neue Pirouette in seltsamem Streit um Krokodil im Zoo Hoyerswerda

Vaclav Neckár wusste, welche Probleme ein Krokodil machen kann. Vor 40 Jahren erklang seine Hymne auf den kleinen Theophil vom Nil.

Dresden .

Der sang angeblich "rhythmisch auf ägyptisch", aber in die Neubauwohnung im fünften Stock passte er trotzdem nicht recht.

Dem kleinen Gottesfreund hätte der Zoo in Hoyerswerda ein Denkmal setzen können. Aber diese Chance haben Geschäftsführerin Carmen Lötsch und ihre Mitstreiter gründlich vermasselt. Im August freuten sie sich über eine kleine zoologische Rarität. In Hoyerswerda waren sieben Rautenkrokodile geschlüpft. Eine Art, die außer in Zoos ausschließlich in Kuba vorkommt. Und, Sie ahnen es, flugs war eins der Tierchen nach Fidel Castro benannt.

Das kann man lustig finden oder zum Gähnen. Beim Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien lachte jedenfalls niemand. Dort wird aber die Förderung auch für den Zoo in Hoyerswerda verteilt - 400000 Euro in diesem Jahr. Der Görlitzer Landrat Bernd Stange (CDU) äußert sein Missfallen über den Namen und würzt das mit einem Verweis auf die Finanzhilfe. Der Name "Fidel" jedoch sei nicht mit den Leitlinien des Kulturraums vereinbar, heißt es aus der Institution, die Kultureinrichtungen in den Kreisen Bautzen und Görlitz mit staatlichen Geldern unterstützt. Und so vergeht jetzt Carmen Lötsch das Lachen. Zumindest klingt ein Schreiben so, dass der Zoo verbreitete. Er "bangt nun um die zukünftige Förderung durch den Kulturraum".

Da kann Thomas Pilz nur lachen, allerdings etwas gequält. Er ist Vorsitzender des Beirats im Kulturraum und hält die Kritik an "Fidel" für berechtigt. "Es geht um einen Ex-Diktator, wieviele Künstler sitzen in Kuba im Gefängnis, weil sie auch nur das tun, was der Kulturraum in der Region fördert?" Der Name verstoße gegen die kulturpolitischen Leitlinien, die "einen selbstkritischen Umgang mit fast 40 Jahren Diktaturgeschichte" verlangen. Ein Zusammenhang zur Förderung sei bislang aber gar nicht hergestellt worden. Sollte der Zoo tatsächlich den Namen als werbeträchtig erachten, müssten sich die Gremien des Kulturraums mit der Sache befassen. Pilz setzt darauf, dass der unschuldige Kubaner in Hoyerswerda "still und leise" umbenannt wird. Das wollte Carmen Lötsch - als Fernsehproduzentin und CDU-Funktionärin mit medialen Effekten vertraut - nur tun, wenn der Kulturraum "dies ausdrücklich fordere". Inzwischen dreht die Geschichte eine neue Pirouette: Der richtige Name laute ja nur "Fidel". Es sei halt einfach ein Name gesucht worden, den man sofort mit Kuba verbindet. "Einen direkten Bezug zum Diktator Fidel Castro oder gar eine Glorifizierung seiner Person hatte dabei nun wirklich keiner im Sinn", fügt sie noch hinzu. Dann wird es ganz komisch: Da sich "Fidel" jedoch als äußerst rüpelhaft erwiesen habe und seine Geschwister gelegentlich mit Bissen und Schlägen drangsaliere, hat er inoffiziell schon häufiger den Beinamen "Castro" erhalten. "Damit spiele man aber vor allem auf die kritischen Aspekte der Person Fidel Castro an, so dass auch hier nicht davon gesprochen werden kann, dass dessen Taten in irgendeiner Weise verharmlost werden." Nach leichtfertiger Geburtsfreude nun also tiefschürfende Erziehung. Doch Lötsch setzt zur Auflösung des Dilemmas vor allem auf Mutter Natur. Aus heutiger Sicht könne der Zoo noch nicht einmal sicher sagen, ob "Fidel" der endgültige Name des Tierbabys bleibt. Nein das ist kein Einknicken vor staatlicher Gewalt: In der offiziellen Tierkartei findet sich vielmehr noch ein zweiter Name für dieses Krokodil, "Fidelia". Aus heutiger Sicht sei bei den Babys noch gar nicht klar, ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt.

Vaclavs Mutter war der Kunst des Gerbens zugetan und wollte ein paar Schuhe. Tränen ließen sie inne halten. Theophil soll ja "ein richtiger Clown" gewesen sein. Zur Posse hätte es mit ihm in Hoyerswerda natürlich nicht gereicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.10.2013

Ingolf Pleil

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