Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+
Neue Gemälde von Sándor Dóró in der Dresdner Galerie am Damm

Die Einbildungskraft zähmen Neue Gemälde von Sándor Dóró in der Dresdner Galerie am Damm

Phantasiemanagement ist kein schönes Wort. Doch es bringt auf den Punkt, was der Dichter Johann Gottfried Herder meinte, als er im Jahr 1800 forderte, Wissenschaft und Kunst als „Form, Vorbild und Muster“ sollten die kreative Einbildungskraft einfassen und gewissermaßen zähmen.


Quelle: Galerie

Dresden. Phantasiemanagement ist kein schönes Wort. Doch es bringt auf den Punkt, was der Dichter Johann Gottfried Herder meinte, als er im Jahr 1800 forderte, Wissenschaft und Kunst als „Form, Vorbild und Muster“ sollten die kreative Einbildungskraft einfassen und gewissermaßen zähmen. Sándor Dórós Wirken vereint die beiden Bereiche von freier Kunst und Wissenschaft, und lässt aus ihrem Bündnis Fruchtbares entstehen. Im Jahr 1950 in Ungarn geboren, kam Dóró nach einer Gastronomielehre und einem Weinbaustudium 1978 nach Dresden, um an der Hochschule für bildende Künste Malerei und Grafik zu studieren. Seit 1985 wohnt und arbeitet er im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz und ist freischaffend sowie in der Lehre der HfBK tätig. Vor acht Jahren übernahm er die Leitung von deren Fachbereichen Künstleranatomie und Aktzeichnen.

Dórós Unterricht in anatomischem Zeichnen und Körperanatomie an der Hochschule verfolgt das Ziel, über das flüchtige äußere Erscheinungsbild hinaus, die einzelnen Teile des menschlichen Körpers in Aufbau und Funktionen sowie in ihrem Zusammenspiel tatsächlich zu durchdringen. Dóró hat diesen Prozess als „Kartographieren“ des menschlichen Körpers beschrieben. Und er selbst ist Meister dieser Kartographie, wie sein 2015 erschienenes Buch „Künstleranatomie: menschliche Körper zeichnen“ eindrucksvoll demonstriert.

Es ist diese am Querschnitt von Wissenschaft und Kunst angesiedelte intensive Beschäftigung mit Anatomie und Anthropologie, die Dóró als vielseitigen Maler, Grafiker, Installations-, Objekt- und Performancekünstler nach außen hin zumindest zeitweise überdeckt haben mag. Die aktuelle Ausstellung in der Galerie am Damm mit neuen Werken aus den Jahren 2015 und 2016 rückt sie wieder ins Licht und offenbart die Bedeutung beider Tätigkeitsbereiche im Schaffen Dórós.

Ganz deutlich zeigt sich ihr Zusammenhang im beinahe wandfüllenden Querformat „Pelvis und Piriformis“ von 2016, das in Ölstiften auf schwarzer Leinwand ausgeführt ist. Die linke Bildhälfte wird beherrscht von mächtigen beige-weißen Knochenplatten, -röhren und knallroten Muskelsträngen eines menschlichen Beckens (Pelvis), die sich mit plastischer Kraft aus dem dunklen Grund herausschälen und zur rechten Seite hin verblassen. Denn auf der anderen Bildhälfte ist eine auf ihre Körperumrisse reduzierte weibliche Figur in Blau und Rot zu sehen, die in ihrer plakativen Vereinfachung und Zweidimensionalität wie eine Zeichnung auf der Schreibtafel des Pädagogen wirkt.

In seiner gegenständlichen Wiedererkennbarkeit unterscheidet sich das Werk von den übrigen, abstrakten Arbeiten in der Ausstellung. Dabei erscheint das Bildganze in seiner stilisierten und rätselhaften Motivik, durch die disparaten Größenverhältnisse und Stilmodi wie das surreale Konglomerat aus menschlicher Innen- und Außenschau, das die Funktion und Dysfunktion zugrundeliegenden Mechanismen enthüllt, das Wesenhafte und ihre Beziehungen aber gleichwohl nicht zu offenbaren vermag.

Hier wie in den sämtlich in Ungarn, während eines Stipendiums entstandenen, kleinformatigeren Bildern der Ausstellung, die mit Acrylfarbe auf Aquarellpapier gearbeitet sind, gelingt es Dóró, die Bildräume kompositionell zusammenzubinden, ja fast zusammenzuzwingen: Immer wieder begegnen uns starke Ballungen von formal abstrakten Formen und Linien in häufig leuchtenden, jedenfalls stark kontrastierenden Farben, die einander überlagern, durchkreuzen oder tangieren. Diese Verdichtungen werden größeren Bereichen mit frei gelassenem Papier gegenüber gestellt, was zu spannungsvollen Konfrontationen führt.

Die Kompositionslogik Dórós steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Vorgehensweise des Künstlers, die vollkommen glatten Blätter (die deshalb zuvor feucht auf Platten aufgezogen wurden) auf dem Boden, um sich herum auszulegen und die Farbe mit einem langstieligen Pinsel, mitunter auch mit einer Rakel aufzutragen. Über einen längeren Zeitraum bearbeitet, erzielt Dóró so jenen stringenten Bewegungszug und kraftvollen Schwung wie auch die kompositorische Präzision, die seine Arbeiten charakterisieren. Die Bildelemente geraten in Fluss, gehen Beziehungen zueinander ein, denen in der Ausstellung auch der Betrachter nachspüren muss, wenn er sich auf Sándor Dórós Wechselspiel einlässt.

„Sándor Dóró: Volens Nolens, Nolens Volens“.

Bis 22. November in der Galerie am Damm, Körnerplatz 10, 01326 Dresden, www.galerie-am-damm-de.

Von Teresa Ende

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr