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Neue Chefin sieht Dresdner Haus des Buches für Digital-Ära gerüstet

Neue Chefin sieht Dresdner Haus des Buches für Digital-Ära gerüstet

Der eBuch-Trend und die Digitalisierung des Handels machen Präsenz-Buchläden nicht überflüssig, sondern sorgen für eine Modernisierung des klassischen Buchhandels, ist Christiane Treder überzeugt - die 49-jährige Buchhändlerin ist seit April die neue Chefin des "Hauses des Buches".

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Buchhändler Felix Herbst berät im "Haus des Buches" Kunden, die sich für ein eBuch-Lesegerät interessieren.

Quelle: Carola Fritzsche

Die Nachfolgerin von Barbara Altmann sieht diese größte Filiale der "Thalia"-Kette in Dresden gut für die Zukunft aufgestellt. Denn anders als viele kleinere Buchhandlungen auf dem Lande, die durch die Internet-Konkurrent von Amazon & Co. ausgetrocknet werden, haben nach Treders Meinung große Buchhäuser mit ihren Beratungsangeboten, Autorenlesungen und großen Sortimenten gute Chancen, dauerhaft eine feste Größe in der Lesewelt zu bleiben.

In puncto Sortimentsbreite war das Haus des Buches - damals noch an der Thälmann-Straße (heute: Wilsdruffer Straße) ansässig - schon zu DDR-Zeiten in Dresden die erste Adresse. An "Bückware" kam man vielleicht damals eher in bestimmten kleineren Läden heran, doch in der Breite des Angebots war das Haus legendär. Und diese Tradition hat sich gehalten: Wer den Neubau am Külz-Ring betritt, findet eine riesige Auswahl an Literatur aller Couleur - vor allem Stöberer kommen hier, anders als im Internet, auf ihre Kosten.

Was aber auch auffällt, sind das große Areal, in dem für neue Medien wie eben eBücher beziehungsweise deren Lesegeräte (eReader) geworben wird, genauso wie Abteilungen für Spiele, Papierwaren und Accessoires. Denn vom Buchverkauf allein, das sagen viele in der Branche, kann heute kaum noch ein Händler leben. "Mittlerweile machen diese Nicht-Buch-Waren etwa ein Viertel unseres Sortiments aus und gerade dort haben wir auch ein spürbares Umsatzwachstum", sagt Treder.

"eReading ist im Buchhandel gut aufgehoben", meint die "Haus des Buches"-Chefin. Denn anders als anfangs erwartet, waren es nicht die Technik-Freaks, die wie die Wilden bei Thalia eBuch-Lesegeräte gekauft haben, sondern vor allem junge Frauen, Senioren und Vielleser. "Für die älteren Leser zum Beispiel ist es ein großer Vorteil, dass sie auf eReadern die Schriftgröße verändert und dadurch teils wieder ohne Brille mühelos lesen können", sagt Treder. Für Vielleser wiederum, die früher zwei bis drei Papier-Taschenbücher pro Woche verschlangen, spiele das Platzproblem eine Rolle: "Zu dieser Gruppe zähle ich mich selbst und ich habe daheim all meine Regale schon so dicht vollgepackt, wie es irgend geht." Da sei ein eReader, auf dem man Tausende Bücher auf kleinstem Raum speichern könne, ein echter Vorteil. Und eben solche - nicht immer besonders technikaffinen - Lesefreunde kommen laut Treder lieber ins "Haus des Buches", statt sich ein Lesegerät im Netz zu bestellen. "Hier bei uns erklären ihnen richtige Menschen, wie das alles funktioniert, wie Probleme zu lösen sind, wo man welche eBooks findet", sagt Treder. "Denn Buchhändler sind Überzeugungstäter", fügt sie augenzwinkernd hinzu. "Wir alle haben diesen Beruf gelernt, weil wie Bücher lieben - und das merken die Kunden wohl auch."

Zudem könne auch kein Internetportal das Veranstaltungsprogramm ersetzen, wie es Präsenzbuchhandlungen wie eben das Haus des Buches bieten, meint Treder. Das will sie in Zukunft auch ausbauen, zum Beispiel mehr Fantasy- oder Kinderbuch-Autoren zu Lesungen einladen. Denn obwohl sich die Lese-Geschmäcker zwischen Ost und West reichlich 20 Jahre nach der politischen Wende weitgehend angeglichen hätten, gebe es doch immer noch Unterschiede: "Fantasy und Science Fiction ist hier stärker gefragt als im Westen", sagt Treder. "Außerdem sind hier oft noch andere Kinderbücher gefragt, mit denen heutige Eltern zu DDR-Zeiten aufgewachsen sind und die sie heute ihren Kindern vorlesen möchten."

Weckbrodt, Heiko

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