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Neue Biografie über Carl Maria von Weber in Dresden vorgestellt

Neue Biografie über Carl Maria von Weber in Dresden vorgestellt

Im Dresdner Stadtmuseum ist jetzt eine gerade auch für Dresden hochinteressante Buch-Publikation vorgestellt worden: eine lange überfällige, neue Lebens- und Werkbeschreibung von Carl Maria von Weber.

Überfällig, da die letzten Weber-Biografien vor fast einem halben Jahrhundert erschienen und heute bei weitem nicht mehr den neuesten Erkenntnissen der Musikforschung Rechnung tragen.

Die im Entstehen begriffene Weber-Gesamtausgabe beim renommierten Verlag Schott in Mainz und andere Arbeiten der jüngsten Zeit haben viele Details aus Webers Leben und seinem Schaffen neu ans Tageslicht befördert, die nun in gebührendem Maße und dabei mit etlichen neuen Akzentsetzungen Berücksichtigung finden konnten.

Der Autor des Buches, der bekannte Musikpublizist Christoph Schwandt, referierte in brillanter Weise über sein umfangreiches Buch. In lockerer Erzählweise und präsenter Anschaulichkeit konnte er dem interessierten Publikum seine teilweise überraschend neuen Sichten auf Weber vermitteln. Vor allem ging es ihm darum, den Komponisten aus der erst nach dessen frühen Tod erfolgten einseitigen Legendarisierung als "deutsch"-nationaler Künstler zu befreien.

Mag diese Akzentsetzung vielleicht auch etwas überspitzt erscheinen, so ist sie doch berechtigt angesichts des festgefügten, aber auch so fragwürdigen Klischees der bisherigen Musikhistorie, die Weber zu einem patriotischen Nationalkomponisten hochstilisierte. Weber ist - nach Schwandts Darstellung - viel mehr ein Europäer gewesen, der sich in unwillkürlicher politischer Naivität als Musiker in einer Zeit begriff, die noch keine eindeutige deutsche Nationalidentität kannte. In den krassen politischen Umbrüchen zwischen napoleonischer Fremdherrschaft, Befreiungskriegen und Restaurationszeit ging Weber unbeirrt seinen künstlerisch ganz eigenständigen und unangepassten Weg, der ihn u.a. ins österreichisch-böhmische Prag, ins sächsische Dresden, ins preußische Berlin und schließlich nach England, nach London führte.

Schwandt räumt auch mit einigen weiteren Klischees der Weber-Biografik auf. So mit seinem angeblichen nationalpatriotischen Engagement in den Befreiungskriegen, denn die Körnergesänge "Leyer und Schwert" oder die ominöse Kantate "Kampf und Sieg" entstanden erst, als die historischen Anlässe vorüber waren, aber nun der Musikmarkt dafür offen war. So auch mit der Überbetonung der Gegnerschaft zwischen der Dresdner italienischen Oper unter Kapellmeister Morlacchi und der von Weber neu installierten deutschen Oper. Wohl gab es künstlerische Konkurrenz zwischen beiden Einrichtungen, aber auch gegenseitig kollegiale Wertschätzung und Hilfeleistung. Zudem schätzte Weber die italienische Oper und auch deren neueste Erzeugnisse, etwa die Opern Rossinis, durchaus hoch ein und dirigierte sie mit Lust und Freude.

Ein erster Blick in Schwandts Weber-Biografie vermittelt ein erstaunlich facettenreiches Spektrum. Linear sich an den Lebensstationen des Komponisten entlang arbeitend, bringt der Autor erstaunlich viele Details in seine Darstellung ein, die früher kaum beachtet oder gar gänzlich unbekannt waren. Es sind nicht unbedingt atemberaubende Novitäten, die man da zu lesen bekommt, doch aber tragen viele neue Einzelheiten zu einem differenzierteren und vertieften Blick auf den Künstler Weber bei.

Schwandt gelingt es zudem, und das ist einer der großen Vorzüge seiner Darstellung, Webers Leben und Schaffen fein nuanciert in die historischen Bewegungen seiner Zeit einzubetten und detailliert seine vielfältigen Beziehungen zu Zeitgenossen aufzuhellen. Der Autor hat fern heute üblicher wissenschaftlicher Verschlüsselung und Übertheoretisierung einen flüssigen und lockeren Erzählstil gefunden, der das Lesen seiner Darstellung zu einem Vergnügen macht und auch überzeugend seine im Lauf vieler Jahre der Beschäftigung mit dem Stoff immer souveräner werdende Gesamtsicht belegt. Er las in der Buchvorstellung auch einige bezeichnende Abschnitte aus seinem Buch vor. Das war eine willkommene Einladung zur Lektüre dieser neuen Weber-Literatur, die übrigens nicht nur im Buchhandel käuflich zu erwerben, sondern auch als eBook im Internet abrufbar ist.

Außerdem erfuhr die Veranstaltung noch eine erfreuliche musikalische Bereicherung. Der Münchner Sänger Christoph Hierdeis trug Raritäten aus Webers kompositorischem Schaffen vor: Lieder mit Gitarrebegleitung. Es sind launige, aber auch besinnliche Gelegenheitskompositionen, keine anspruchsvollen Kunstlieder, die der Solist, sich wie Weber selbst auf der Gitarre begleitend, in lockerer und beschwingter Musizierweise darbot. Zum Schluss der Veranstaltung beantwortete Schwandt kompetent und konzentriert mehrere Anfragen aus dem Publikum.

Carl-Maria-von-Weber-Museum, Dresdner Straße 44, 01326 Dresden Tel. 0351/26 18 234 Geöffnet: Mittwoch-Sonntag, 13-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.01.2015

Eckart Kröplin

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