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Neue Ausstellung von Dieter Weise in der galerie am blauen wunder

Neue Ausstellung von Dieter Weise in der galerie am blauen wunder

Diese Ausstellung von Dieter Weise heißt "Serielles Informel". Der Titel versucht, der gegenwärtigen Ausprägung seines bildnerischen Werkes so nah wie möglich zu kommen.

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Dieter Weise. Große quadratierte Struktur. Assemblage, 2013. 160 x 160 cm.

Quelle: Ingo Bobe

Die reliefartigen Assemblagen, Mischtechniken und Papierarbeiten basieren auf einer informellen Malweise, dem freien enthemmten Spiel mit Farbe und Form, getragen von serieller Reihung und Wiederholung, und oft überlagert und durchwoben von geometrischen Rastern und Strukturen. Sie sind inzwischen in der hiesigen Kunstlandschaft unverwechselbar als "Dieter Weise" zu identifizieren. Alle Welt spricht seit dem Einbruch des digitalen Zeitalters von "Netzwerken". Diese Arbeiten sind Netzwerke in Farbe und Form und unorthodoxen Materialien.

Vater im Krieg gefallen, auf der Elisenstraße ausgebombt, wuchs Dieter Weise mit seiner Mutter allein in Dresden auf. Der frühzeitige Drang zu Malerei und Zeichnung wurde wie bei so vielen überlagert von den Notwendigkeiten der Zeit. Da in einem bildnerischen Beruf keine Chance bestand, begann er 1956 eine Berufsausbildung als Flugzeugbauer. Den Beruf übte er bis 1969 aus, allerdings, wie in Dresden bekannt, den größeren Teil der Zeit ohne Flugzeuge zu bauen. 1957 besuchte er die private Malschule von Hanns Herzing in Niederpoyritz, später bis 1960 bei Otto Heisterkamp in Heidenau. 1962 bis 1967 absolvierte er ein Fernstudium an der Spezialschule der Kunstakademie bei dem Ideologen Gerhard David und der sympathischen Vaterfigur Karl-Erich Schaefer, der im Loschwitzer Künstlerhaus wohnte.

Hier lernte er seine spätere Ehefrau Christine kennen, die wie er 1941 einen Tag vor ihm in Dresden geboren und in Medingen aufgewachsen war und sich bald als Textilkünstlerin profilierte. Bis zu deren viel zu zeitigem Tod 2009 war das Künstlerpaar auch durch zahlreiche bildnerische Unternehmungen verbunden. Unter vielem anderen leiteten beide über vier Jahrzehnte Zirkel im "bildnerischen Volksschaffen".

Nach dem Ausstieg aus dem erlernten Beruf war Dieter Weise unter anderem als Haus- und Hofgraphiker bis zum Messebau bei der Firma Elektromat tätig. 1972 erwarb das Ehepaar ein Grundstück in Medingen, wo sie fortan sesshaft blieben. Infolge des jahrelangen Ausbaus zum gemeinsamen Atelierhaus experimentierte Dieter Weise mit den erwähnten unorthodoxen Materialien wie Teer und Gips, Sand und Zement. Angeregt durch seine Frau kam textiles Material dazu. Damit flossen in seine Landschaften, Porträts und Akte zahlreiche abstrakte Momente. Mitte der achtziger Jahre lernte er Günther Hornig kennen, der ihn in der abstrakten Malweise bis zum Informel bestärkte. Mit Hornig, der mehrere Generationen von Bühnenbildnern mit seiner abstrakten Malerei prägte und nach 1989 eine Professur für Malerei in Dresden innehatte, entwickelte sich eine dauerhafte Freundschaft.

Ebenfalls Mitte der achtziger Jahre begegneten seiner Frau, die eher ein mathematischer Typ war, Arbeiten von Max Bill und Richard Paul Lohse, deren Anregungen sie mit Begeisterung in ihrem textilen Werk umsetzte. Durch sie und natürlich auch Günther Hornig verschmolz Dieter Weises Informel in symbiotischer Weise mit seriellen und geometrischen Elementen.

So entwickelte sich sein gegenwärtiger Personalstil, den diese Ausstellung einmal mehr in ausgewählten glanzvollen Beispielen und minimalistischer Delikatesse vorführt. Sie reichen von fast reinem Informel bis zu hierarchischer Verschachtelung dialektischer Geometrien. Einladung und Plakat belegen, wie wenig es möglich ist, die preziosenartige Pracht des dreidimensionalen Originals abzubilden. Wieder einmal ersetzt nichts das direkte Erlebnis. "Quadratierte Strukturen" und "strukturelle Quadrate" brechen auf zu meditativer Kommunikation und Vernetzung.

Einer der sehnlichsten Wünsche seiner Frau war es, die Welthauptstadt der Kunst am Hudson River zu sehen. Erst nach ihrem Tod erfüllte sich dieser Wunsch für ihn zusammen mit ihrer beider Tochter. Fünf Blätter aus der dazu entstandenen Serie von 2011 mit den Straßenschluchten, der Skyline vom Fluss her, Central Park und Subway Tunnel werden hier erstmals gezeigt. Diese "N. Y.-Impressionen" belegen, dass seine Malerei in ihrer gegenwärtigen Ausprägung mit ihren ureigensten Mitteln durchaus in der Lage ist, zur Landschaft zu-rückzukehren, ohne es zu müssen. Noch eines seiner unorthodoxen Materialien sind gebrauchte Teebeutel; die "Teebeutelskulptur" erinnert 2012 vielleicht auch an den Eiffelturm, entstanden ist sie aber ebenfalls in Gedenken an die Tower der westindischen Mega-City.

Mit dieser gewollten pseudo-tautologischen Verwirrung der Vernetzung bleibt der Blick in die Zukunft des Werkes von Dieter Weise spannend und ergebnisoffen wie der Blick in jede Zukunft jeden Werkes.

Die Ausstellung in der galerie am blauen wunder, Pillnitzer Landstraße 2, ist bis zum 18. Januar 2014, Donnerstag bis Sonnabend von 14 bis 18 Uhr zu sehen (auch zwischen Weihnachten und Neujahr).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.12.2013

Gunter Ziller

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