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Neue Arbeiten von Angela Hampel sind in der Galerie Mitte in Dresden zu sehen

Neue Arbeiten von Angela Hampel sind in der Galerie Mitte in Dresden zu sehen

"Archen wider die dunklen Träume" - so kann man das Wesen der neuen Ausstellung von Angela Hampel in der Galerie Mitte nach einem Wort ihrer Galeristin Karin Weber auf den Punkt bringen.

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Die Überfahrt. 2013. Mischtechnik/Leinwand, 120 mal 140 Zentimeter.

Quelle: Angela Hampel

In gewohnter Weise atmet jedes Bild einen unbedingten Lebenswillen, ist Ausdruck elementarer Kraft, gespannt zwischen Eros-Symbolik und Selbstreflexion auf der Suche nach Sinn und den eigenen Wurzeln. Schicksal und Mythos hängen bei ihr eng zusammen, insbesondere aber der Bezug zu archaischen Kulturen und deren Figuren-Personal, die dieser Ausstellung etwas tänzerisch Wildes geben, eine somnambule Bewegtheit, die durch das Todesmotiv gesteigert wird.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Mischtechnik "Überfahrt" (2013), mit der Angela Hampel an das mittelalterliche Thema des Narrenschiffes erinnert. Sie bedient sich des beliebten Gleichnisses, um die Dualität von Leben und Tod zu demonstrieren. Das Boot mit der den Tod innig küssenden Närrin und einem Ruderer, der widerstrebt, ist in seiner expressiven Farbigkeit und Gestus ein Schlüsselbild dieser Ausstellung. Von den drei Tuschen im Flur zeigt eines ebenfalls ein Schiff mit musizierenden Narren und Gerippen. Dabei sitzt auf klappernder Rosinante ein Don Quichotte als Sensenmann, der immerfort gegen die Windmühlen "reitet und reitet". Ins Narrenkostüm verwandelt ("Kasparei (1-3)") agieren verschiedene Figuren in tänzerisch exaltierter Pose miteinander. "Memento mori" zeigt einen anmutigen weiblichen Akt, der nachdenklich einen kalkweißen Schädel umfasst. Verstört und verdunkelt wie das christliche "Ecce Homo" ist ein "Selbstbildnis", mit hohlen Augen und von Tränen benetztem, wirren Haar. Zwei Arbeiten mit sibirischer Kreide, eine von Hampel bevorzugte Technik - Rosenkranz und Dornenkrone - stehen als gegensätzliche Attribute für Leben und Tod. Lachen und Weinen ganz nah beieinander. Ein durchgehendes Thema ist auch der Narr als traurige und melancholische Gestalt in einem. Tierbändiger und Schamaninnen treiben ihr Wesen und Unwesen, eine Frau küsst ihren Wolf. Andere reiten auf Stieren oder schmiegen sich an Geparden und Tiger. Die 25 Kabinettsstücke auf Leinwand (von "Mit Blumen" bis "Mit Kasper") erzählen in allegorischen Szenen von den Begegnungen zwischen Tier und Mensch, von Paaren, die aneinander lehnen, Frauen mit großen Frisuren und Blumen im Haar, Tänzerinnen und Odalisken. Grenzwertige Themen werden nicht ausgespart. Auch sie zeigen, wie tief im Unterbewussten diese Kunst verwurzelt ist und wie die Künstlerin letztlich Gleichnisse für Eigenes darin findet.

Angela Hampel setzt sich in ihrer Kunst in gewohnter Weise mit existenziellen Fragen auseinander. Ihr soziales Engagement für die Kunst und ihre Leidenschaft, in ihr die menschliche (speziell die weibliche) Emanzipation in den Mittelpunkt zu stellen, spiegeln sich bei ihr von Anbeginn. Ihre unbedingte Ehrlichkeit, das Bedürfnis nach Gerechtigkeit und die Konsequenz, Erkanntes kämpferisch umzusetzen, auch auf das Risiko hin zu irren, haben aus ihr eine Künstlerin gemacht, die in den ersten Reihen der Dresdner Künstlerschaft steht. Angela Hampel ist eine "leidenschaftliche auch einfühlsame, streitbare und unduldsame Frau und Künstlerin, die sich selbst verbrannte, um der Gerechtigkeit willen" (Karin Weber). Als Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe Dresdner Sezession 89 (und der Galerie Drei) trug sie erheblich zu einer Erneuerung des sozialen Klimas in der Dresdner Kunst nach der Wende bei. Werk und Leben bilden für Angela Hampel eine notwendige Einheit, auch die ganz persönliche Hinterfragung persönlicher Befindlichkeiten, die Spiegelung des eigenen Schicksals in den die Welt bewegenden Fragen. In dieser fulminanten Ausstellung liegt genügend Sprengstoff für den Biedermann. Angela Hampel beweist großen Mut, den in der Öffentlichkeit eher mit Stillschweigen bedachten Themen von Sterben und Tod eigenwillig Sprache und Ausdruck zu verleihen. Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist die Mischtechnik "Das Fähnlein der sieben Aufrechten", wo sie in kämpferischer Weise Literatur (die Novelle von Gottfried Keller) und ihr künstlerisches Selbst als Frau mit Sense poesievoll verknüpft. Außerdem sind bemalte Keramiken, Teller, Schalen und Becher aus der eigenen Werkstatt in der Ausstellung zu sehen. Zur Ausstellung liegt ein Band mit Gedichten von Michael Wüstefeld mit dem Titel "Ferner näher" vor, den Angela Hampel illustrierte. Im Moritzburger "Käthe-Kollwitz-Haus" sind derzeit grafische Blätter der Künstlerin bis 9. Februar zu sehen.

Bis 15. Februar. Galerie Mitte, Striesener Str. 49, Di.-Fr. 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.01.2014

Heinz Weißflog

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