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Natur in minimalistischem Gestus: Ausstellung des Malers Ulrich Eisenfeld in Dresden

Natur in minimalistischem Gestus: Ausstellung des Malers Ulrich Eisenfeld in Dresden

Diese Ausstellung von Ulrich Eisenfeld ist einer seit Ende der 1990er Jahre entstehenden Werkgruppe gewidmet. Er nennt sie "Feldfarben - Farbfelder". Sedimentartig lagernde Farbschichten werden zu Zeichen jahrzehntelanger Erfahrung mit Landschaft, Farbe und Licht.

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Ulrich Eisenfeld: "Herbstnachmittag", Pastell, 40 cm x 30 cm, 2010.Repro: Galerie

Eine frühe Bergmannslehre und die anschließende Arbeit in einem Zwickauer Steinkohlenschacht vermittelt dem 1939 im Vogtland Geborenen großes Selbstvertrauen und ein besonders intensives Verhältnis zu Natur. Aus dem Schoß der Erde heraus wird die Beziehung zu jeder Art von Tageslicht geradezu magisch. Während weiterführender Bildung in Freiberg wird die Neigung zur Geologie schnell überlagert vom Wunsch zur Darstellung visueller Phänomene.

Im Jahr 1960 beginnt Eisenfeld ein Studium der Malerei an der Dresdner Kunsthochschule. Von Horlbeck profitiert er besonders im Zeichnerischen, mit Mroczinski kann er reden, die Wirkung von Michaelis liegt eher im negativen Bereich. Er verehrt Lachnit und Hofer, Hegenbarth, Rosenhauer und Glöckner. Caspar David Friedrich und Hans von Marées, aber auch Chagall und Rouault werden ihm wichtig. Nach Abschluss des Studiums bleibt er innerlich frei. Mitarbeit im Kupferstich-Kabinett, im Defa-Trickfilmstudio und in der Gebrauchswerbung sichert den Lebensunterhalt. Mit seinen Brüdern engagiert er sich für den Prager Frühling.

Seit etwa 1970 dominiert die Landschaft in seinem bildnerischen Werk. Seine Landschaften werden unverwechselbar. In einem Statement in seinem neuesten Katalog sagt er unter anderem: "Der Verstand hat nur die Aufgabe wachsam zu sein, daß ich in meiner Mitte bleibe." Dieser Grundsatz hat sein Leben bestimmt. Als ihm der ideologische Druck zu groß wurde, übersiedelte er 1981 nach Westberlin. Er fand Freunde im Mönchehaus-Museum in Goslar. Ein großzügiger Mäzen ermöglichte ihm anderthalb Jahrzehnte unbeschwerte Arbeit in Mittelschweden. Doch auch die hiesige Landschaft ließ ihn nie los. Wie schon im Jahrzehnt vor seiner Ausreise hat er heute wieder ein Atelier in der Kreischaer Vorerzgebirgslandschaft.

Neben relativ wenigen Ölbildern oft größeren Formats hat Ulrich Eisenfeld schon sehr frühzeitig das Pastell für sich entdeckt, in dem die farbigen Pigmente am freiesten atmen können. Trotz der immerwährenden Balance zwischen Kontinuität und Fragilität hat er daher das Pastell zu seiner bevorzugten Technik erkoren.

Getrieben von kreativer Neugier begann er eines Tages, seine Malerei zu analysieren, zunächst in kleinformatigen Öltafeln, dann in größeren Pastellen. Dabei ist trotz der formalen Analyse die ganze Tiefe der Seele der Malerei in komprimierter Form enthalten. So entstanden die Serien der "Feldfarben - Farbfelder", die Farbigkeit, Struktur und Geometrie der grandiosen Natur in minimalistischem Gestus offenbaren.

Eine erste Ausstellung dieser kleinformatigen Arbeiten in Öl fand schon 2004 im Mönchehaus-Museum in Goslar statt, eine weitere 2009 in der Loschwitzer Galerie am Damm. Eine erste Präsentation der Pastellarbeiten stellte die Kunstausstellung Kühl 2010 vor. Die Ausstellung der galerie am blauen wunder führt nun die Öltafeln und Pastelle der "Feldfarben - Farbfelder" zusammen, ergänzt durch Arbeiten beider Techniken aus den letzten zwei Jahren.

Konfrontiert werden diese Inkarnationen geistiger Substrate mit drei Landschaften neueren Datums, darunter auf halbem Weg nach Schweden "Glühende Wolken über Fischland" von 2007/2010.

Die aus seinen Land-schaften extrahierten Feldfarben und Farbfelder bilden ganz offensichtlich zwei unterschiedliche Gruppen. Es fällt auf, dass Ulrich Eisenfeld die kleinen Öltafeln nur als Farbtafeln bezeichnet: Sie werden damit zu Zeichen, Signets und Emblemen für Natur. Die Pastelle dagegen unterlegt er mit Titeln wie "Sommer", "Frühjahr", "Winter" oder "Nacht", "Blauer Tag" und "Schwere Erde". Sie sind Synonyme für Natur, in deren fast freien Pigmenten sich die Seele der Landschaft, was auch immer das sein mag, direkt spiegelt. Mit diesen Arbeiten wird Eisenfeld zu einem der letzten der Impressionisten.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Januar 2013 in der Galerie auf der Pillnitzer Landstraße 2 zu sehen. Geöffnet hat sie Do bis So von 14 bis 18 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.12.2012

Gunter Ziller

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