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"Narren, Künstler, Heilige" in der Bonner Bundeskunsthalle

"Narren, Künstler, Heilige" in der Bonner Bundeskunsthalle

Was so richtig durcheinander geht, ist erlaubt in dieser eindrucksvollen Ausstellung mit dem Titel "Narren, Künstler, Heilige" mit dem Untertitel "Lob der Torheit" in der Bonner Bundeskunsthalle.

Eine wild tanzende Mänade (Begleiterin des Wein-Gottes Dionysos) befindet sich unweit einer höfisch-barock geprägten Darstellung der Saturnalien, wo der "Saturnalienfürst" als "Fürst des Trinkens" gekürt wird. Alles wächst sich schließlich aus zu einem "Fest der Unordnung", auf einem bunt gefüllten Karnevalswagen, wo der skandalöse Jonathan Meese den Tanz der ausgeflippten Künstler anführt.

250 Exponate wurden für diese Ausstellung aus 60 Museen zusammengeholt. Die ethnologischen Stücke (60 Prozent) scheinen wie die modernen Kunstwerke zu belegen: Benennungen und Ausdrucksformen ändern sich, der Mensch selber aber nicht. "Es sieht so aus, als ob das Exzentrische für ein gutes Funktionieren der Gesellschaft nötig zu sein scheint", meint der französische Kurator Jean de Loisy, der die Schätze aus aller Welt zusammengetragen hat, die eigentlich Stück für Stück den Besuch lohnen.

Über Unterschiede zu unseren Ritualen wird der Besucher gleich eingangs nachdenken, wenn er das große Video des indischen Holifestes sieht, an dem man sich fröhlich mit Farben überstäubt und übergießt. Doch bald treten die am Dorfrand versteckten Geister aus der Nacht hervor, die Wilden Männer im Tschäggäta-Kostüm aus dem Lötschental im zotteligen Fell und mit Kuhglocken behängt. Ob Sardinien oder Bulgarien, der böse Krampus in Österreich oder die Königin der Hexen auf Bali, man sollte vor ihnen auf der Hut sein. Deshalb braucht man "Vermittler", die mit ihren Ritualen die desaströse Welt wieder in Ordnung bringen. In leibhaftiger Gestalt war dies ein Voodoo-Priester aus Togo, der in der Bonner Kunsthalle seinen schamanistischen Altar einweihte und ihn nach der Ausstellung auch wieder zurückweihen wird.

Im Filmraum sind 14 Interviews mit "Meistern der Unordnung" aus verschiedenen Kulturen zu erfahren. Auch hier geht es um die Beziehung zu Geistern durch Gesang, Geschichten, Beschwörungen oder Schweigen.

Welche Heilung aber im Tanz stecken kann, zeigt das eindrucksvolle Video "Meinen Krebs tanzen" der Tänzerin Anna Halprin, die 1975 ihre Krankheit damit in den Griff bekommen hat und heute 92 Jahre alt ist. So ist der Bogen weit gespannt über Fetische von Sibirien bis Indonesien bis zu Hexentanz (Mary Wigman) oder den profanen Künstlerbeschwörungen von Hermann Nitsch mit seinem zwölf Meter breiten Schüttbild in blutroter Farbe. Die Konturen verwischen, die Grenzen scheinen sich zwischen den Zeiten und Kulturen aufzulösen, und zu guter Letzt schmunzelt man mit Dalí, der gesagt hat: "Der einzige Unterschied zwischen einem Verrückten und mir besteht darin, dass ich nicht verrückt bin."

Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle an der Museumsmeile in Bonn geht bis zum 2. Dezember und ist Dienstag, Mittwoch von 10 bis 21 Uhr, Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 6 Euro, Familienkarte 15 Euro, Gruppen ab 10 Personen 7/5Euro, freitags freier Eintritt für Schulklassen.

Öffentliche Turnusführungen Mittwoch 17 Uhr, Donnerstag 12.30 Uhr, sonntags und feiertags 16.30 Uhr, Gebühr 3/1.50 Euro, Audio-Guide 4/3 Euro.

Katalog 29 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2012

Heidrun Wirth

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