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Nachlass-Schau: Inge Thiess-Böttner in Galerie Mitte

Nachlass-Schau: Inge Thiess-Böttner in Galerie Mitte

Unter dem Titel "Geometrie der Sinne" hat die Galeristin Karin Weber Arbeiten aus dem Nachlass der Dresdner Malerin und Grafikerin Inge Thiess-Böttner in einer heiter und positiv gestimmten Ausstellung zusammengebracht.

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Inge Thiess-Böttner: ohne Titel

Quelle: Flyer

Am 25. November 2014 wäre die Künstlerin 90 Jahre alt geworden. Die über die Region hinaus bekannte, einzigartige Konstruktivistin hat in ihrer Kunst Zeichen gesetzt. Auch im Leben war sie wahrhaftig und im Umgang mit Freund und Feind geradeheraus, für die damals Herrschenden unbequem, für ihre "Künstlerkinder" aber warmherzig und engagiert.

Die Auswahl der Jubiläumsausstellung beschränkt sich auf Unikate: Mischtechniken, Linoldrucke, Schablonendrucke und English Scraper Boards aus einem Zeitraum von fast vierzig Jahren. Die Galerie Mitte betreut in Zusammenarbeit mit Thiess-Böttners Tochter Claudia den vollständig fotografierten und nummerierten Nachlass der Künstlerin seit ihrem Tode im Jahr 2001. Geld für einen noch ausstehenden Werkkatalog wird gesammelt.

In den Farbklang und in die geometrischen Formen übertrug Inge Thiess-Böttner ihre Botschaften vom inneren Sein, von ihren Stimmungen und Gefühlen, ihren Nöten und Sorgen, aber auch ihrer Zuversicht und Freude am Leben. Zunächst war die Kunst für sie selbst da. Ihr diesbezügliches Credo war die etwas geänderte Fassung "l'art pour moi" eines bekannten kunstwissenschaftlichen Begriffs. Gegenstand ihrer konstruktiven Meditationen waren Kosmos und Natur, aber auch innere und äußere Zwänge, wie die durch Grenzen gesteckte innere Enge und Bespitzelung in der DDR. Das drückte sich auch in einigen ihrer Arbeiten aus, die zu dieser Zeit noch dunkel und düster-herb eingefärbt waren. In der Ausstellung überwiegt die Befreiung davon, das ungezwungene, aber disziplinierte, orchestrale Spiel der Formen wie Kreis, Dreieck, Balken und Quadrat, aber auch assymptodenähnliche Schwünge, die sich klangvoll in den Bildraum biegen. Ihren künstlerischen Höhepunkt erreichte sie in den 90er Jahren mit großformatigen, schönfarbigen Mischtechniken in oft unbetitelten Serien, ebenso Farbvariationen und Formenspiegelungen im Schablonendruck. Neben architektonischen Räumen sind es zum Beispiel Fensterblicke, Wassertropfen oder eine Serie zu Bachs Fugen I-III (1988), die die Vielfalt ihrer Themen widerspiegeln. Immer wieder gibt es leicht abstrahierte Bilder mit planetaren Formen im kosmischen Raum, kürzelhaft-konkret zusammengefasst, durchaus romantisch und geheimnisvoll. In ihrem künstlerischen Tun berufte sie sich oft auf bildnerische Ideen, die der Sowjetrusse Wassili Kandinsky mit seinen Arbeiten bereits vorgedacht hatte, ging aber auch eigene Wege mit einem lyrisch aufgefassten Konstruktivismus. Kurz vor ihrem Tode schuf sie eines ihrer klarsten und besten Bilder, eine kleine Mischtechnik aus dem Jahr 2000, die in einer inneren Gestik ein positives Zunkunftszeichen setzt.

Im Kabinett laden elf Schwarz-Weiß Porträts von Inge Thiess-Böttner zum Schauen ein, die der Dresdner Fotograf Werner Lieberknecht zwischen 1983 und 1998 aufgenommen hat. In ihrer großen Natürlichkeit erzählen die Erinnerungsbilder von einer humorvollen Frau, der der Schalk im Gesicht sitzt, die ernst und stolz in die Ferne blickt, die sich auf dem Sofa rekelt oder ihr Gesicht zu einer lustigen Grimasse verzieht. Oft posiert sie mit einer Maske (sie hängt wie ein Fetisch in der Ausstellung), die ihr ein Freund, der Puppenspieler Jürgen Gäbler, einmal schenkte. Dort lehnt auch vorsichtig eine Zeichnung an der Wand, die Karin Weber im Nachlass fand. Sie zeigt die junge Künstlerin mit einer Handpuppe. Das Bild schuf ihr langjähriger Lehrer und Freund Ernst Hassebrauk.

bis 4. April, Galerie Mitte, Striesener Straße 49, geöffnet Di-Fr 15-19, Sa 10-14 Uhr, Kontakt: 0351/459 00 52; als Erinnerungsstück zu erwerben: DVD "L'art pour moi", limitierte Edition, Grafik und Film www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.03.2015

Heinz Weißflog

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