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Nach sechs Jahren Umbau steht der Mathematisch-Physikalische Salon vor der Wiedereröffnung

Nach sechs Jahren Umbau steht der Mathematisch-Physikalische Salon vor der Wiedereröffnung

Nun hat es die längste Zeit gedauert. Der Mathematisch-Physikalische Salon (MPS) im Zwinger befindet sich kurz vor seiner Wiedereröffnung. Das eingerüstete Kronentor trägt weithin sichtbar die Werbung: Ab 14. April stehen die blankgeputzten und aufpolierten wissenschaftshistorischen Kunstwerke für jedermann zur Bewunderung bereit.

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Peter Plaßmeyer, Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons.

Quelle: Juergen Loesel

Sechs Jahre lang mussten sie ein Schattendasein fristen. Nur ausgewählte Instrumente waren zwischenzeitlich im Dresdner Schloss oder in Moritzburg ausgestellt.

"Es ist ziemlich frustrierend, wenn man die Sachen nicht mehr sieht", gibt Peter Plaßmeyer, Direktor des MPS, denn auch unumwunden zu. Sechs Jahre sind in unserer schnelllebigen Zeit eine umfängliche Spanne. Da kommt das Baby bereits zur Schule. Und ein Museum könnte unter Umständen der Vergessenheit anheimfallen. Im Glücksfall erlebt es jedoch eine Renaissance, wie sie jetzt durchaus vorstellbar ist. Denn zur Neukonzeption der Sammlung kommt das rekonstruierte, erweiterte Bauwerk mit dem überraschenden ersten Eindruck, den man im Eckpavillon erhält - und einem versteckten Neubau. Das weckt Neugier.

"Der Mathematisch-Physikalische Salon ist gelebte Zwingergeschichte. Seit 1728 ist das Museum hier", betont Plaßmeyer. Damit ist es das älteste im Zwinger und der Direktor freut sich nicht nur über den "endlich großen Eingang" in sein Reich, sondern insbesondere auch über die neue Anschaulichkeit von Historie. "Touristen wollen sehen, wie es früher im Zwinger war", sagt er, "und dann vielleicht auch mehr über die Sammlung erfahren." Das können sie nun beides miteinander verbinden.

Der einstige Grottensaal - jetzt Foyer - hat seine Fassung von vor 1813 zurückerhalten. Damals war im Verlaufe des Krieges die Decke eingestürzt und der Saal wurde danach umgebaut. An Säulen und Bögen ist nun anhand einiger der ausgegrabenen Keramikscherben zu sehen, wie der Raum einst ausgeschmückt war. In Vitrinen sind - gewissermaßen zum Anfüttern - einzelne Spitzenstücke ausgestellt, die auf die chronologisch geordnete Ausstellung hinweisen.

So sollte man sich zuerst nach links in die Langgalerie wenden, den "Kosmos der Fürsten" mit mechanischen und mathematischen Wunderwerken aus der Zeit um 1600. Hier liegt mit Stücken aus der Kunstkammer der Ausgangspunkt der Sammlung. Danach geht es nach oben in den Festsaal - erreichbar nur mit dem neu eingebauten Fahrstuhl - zu den imposanten "Instrumenten der Aufklärung". Die dritte Etappe führt nach rechts in die Bogengalerie, wo Uhren und Automaten seit der Renaissance bis zur Glashütter Uhrmacherkunst den "Lauf der Zeit" anzeigen. Zum Schluss führt der Rundgang nach hinten in den unterirdischen Neubau im Zwingerwall in das "Universum der Globen".

So kurz vor dem Countdown zählt jede Minute. Handwerker und Museumsmitarbeiter geben sich die Klinke in die Hand. Da fühlt sich die wartende Journalistin schon ein bisschen als Störfaktor, wenn sie zwischen Leitern am noch eingestaubten Empfangstresen steht. Die Beschriftungen müssen jetzt schnellstens korrigiert werden und, und, und... Auch stehen noch nicht alle Exponate an Ort und Stelle, teilweise sind die empfindlichen Technik-Kunstwerke noch mit Papier abgedeckt. So gibt es einen guten Überblick, aber mehr Faszination und das Vertiefen in Einzelheiten bleiben für später - und sowieso für jeden Besucher sein Individual-Tummelfeld.

Die Ausstellungsfläche sei im neuen MPS fast doppelt so groß wie vorher, teilen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit. Präsentiert werden rund 500 Objekte von mehr als 2500 im Bestand, so Plaßmeyer. Das sei angemessen, denn man müsse ja zum Beispiel nicht alle Taschenuhren zeigen. Dafür sollen die Exponate anschaulich über sich und ihre Zeit Auskunft geben. In der Langgalerie tun sie das in mittig angeordneten Vitrinen, die übrigens sämtlich im unteren Teil mit Technik vollgestopft sind. Erinnern wird sich hier mancher noch der Exponatenfülle aus der Ära des Tierkundemuseums. Jetzt gehört die Aufmerksamkeit mehr dem einzelnen Objekt vom Reißzeug bis zu diversen Geschützaufsätzen. Diese kompliziert wirkenden Messinginstrumente mussten sich kaum im Kriegseinsatz behaupten, glaubt Plaßmeyer. "Damit wurden theoretische Diskussionen geführt und mathematische Prinzipien erkannt." So wie die Geschossflugbahnen, die Geschützmeister Paulus Puchner 1577 aufgezeichnet hat.

Noch nicht zu entdecken sind die amüsanten Renaissance-Automaten "Trommelnder Bär" oder der "Reitende türkische Pascha". In Bewegung sieht der Besucher die wertvollen Apparaturen künftig nur am Monitor. Dafür kann er im oberen Geschoss die Großgeräte ganz genau in Augenschein nehmen. Sie sind wie auf alten Ansichten freistehend präsentiert und spiegeln Forschungsepochen wider. Was wir heute als Antiquität und Kunstwerk betrachten, war wissenschaftliches Instrumentarium eines "Physikalischen Kabinetts" oder des Observatoriums. Von hier aus wurde der Himmel beobachtet und noch bis ins 20. Jahrhundert die offizielle Zeit für Dresden und Sachsen ermittelt. Kleiner Gag am Rande: Durch ein Guckloch am Fenster ist der Vergleich zwischen wahrer Ortszeit und der für uns gültigen möglich.

Ein Hingucker ist neben vielem anderen auch die um 1709 von Mechanicus Jacob Leopold angefertigte Vakuumpumpe. Das Original hat einen Zwilling bekommen, mit dem die verschiedensten Versuche möglich sind. Das passiert "auf unserer Spielwiese", sagt Plaßmeyer. Dieser Aufenthalts- und Experimentierbereich befindet sich am Ende der Uhren und Automaten in der Bogengalerie und sei eine Art "Salon im Salon". Davor entzücken große und kleine Zeitmesser in Vitrinen und vor roten Wänden die Uhrenliebhaber.

Während durch alle permanent abgedunkelten Fenster immer auch der Blick nach draußen möglich ist, bleibt die Welt der Globen gänzlich ohne Tageslicht. "Ein idealer Raum", schwärmt Plaßmeyer. "Die überwiegend aus Papier bestehenden Globen brauchen Dunkelheit. Erstmals können sie so umfassend und adäquat ausgestellt werden." Himmel und Erde, Mond und Mars, Sternbilder und Weltzeit - der Forschungsdrang war in jeder Epoche phänomenal und der sächsische Hof legte allen Ehrgeiz darein, die bewundernswerten Resultate zu erwerben. Obwohl es schwer ist, sich auf absolute Highlights festzulegen, nennt Plaßmeyer die ab 1563 gefertigte Planetenlaufuhr von Eberhard Baldewin, die aufwändig restauriert worden ist, und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus mit seiner Entwicklung von Brenngeräten. Beides sei absolut faszinierend. Ab Sonntag kann man es überprüfen. Genia Bleier

iwww.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.04.2013

Genia Bleier

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