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Nach der Filmpremiere von "Iron Sky" kam Laibach "in Frieden" zur Straße E

Nach der Filmpremiere von "Iron Sky" kam Laibach "in Frieden" zur Straße E

Laibach live ist derzeit eine recht seltene Erfahrung. Jene am Sonntag in der Reithalle an der Straße E im Norden der Stadt verdankt Dresden einer Symbiose von Schauburg und Bunker.

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Zwischen Helsinki und Berlin in Dresdens Reithalle: Laibach mit Mina Špiler - in friedlicher Mission am Mittwoch in Łodz, dann in Prag und Ostern in Paris.

Quelle: A. Weihs

Erstere gilt deutschlandweit als dankbares Premierenkino mit wachem Publikum, letzterer als Bastion düsterer Musik in sich mählich verfinsternden Zeiten.

So war es auch an den Nachtgestalten, sich den späten Sonntagabend beim ersten von zwei Laibach-Konzerten auf deutschem Boden unterhalten zu lassen. Wer direkt von der Filmpremiere gepilgert kam, sparte satte zehn Euro an der Abendkasse - und damit über ein Drittel.

Die slowenischen Perfektionisten, die - in Anregung der himmelsstürmenden Filmemacher und Richard Wagner - dem australisch-finnisch-deutschen Projekt die komplette Filmmusik stifteten, weil sich Regisseur Timo Vuorensola von ihrer Musik, vor allem vom "Volk"-Album (2006) inspiriert fühlte, luden zum Konzert mit dem Untertitel des Filmes "We Come in Peace" - und taten dies in üblicher Härte, die von Schlagwerk, drei Synthesizern und der tiefmarkanten Jenseitsstimme von Milan Fras getrieben ward. Dazu - in adretter schwarzer Damenuniform gewandet und im Gestus komplett darin verhaftet - Mina Špiler, die ebenso klar wie warm singen kann, wenn sie will oder soll.

Wer nun erwartet hatte, das Konzert sei reine Filmwerbung, wurde natürlich enttäuscht: Zuerst präsentierte Laibach unveröffentlichte Songs, dann folgte - genau in der Mitte - ein kompakter, zwanzigminütiger Filmmusikblock, garniert mit teilweise neu geschnittenen Szenen - und erst zum Ende hin präsentier- ten sie die alten, klaren, oft deutschsprachigen Klassiker. Ebenso wie Klaus Adler, der krude Juniorführer aus dem eisern-ironischen Himmelsfilm, fällt das Quintett nie aus seiner Rolle - Kommunikation mit dem Publikum: Fehlanzeige. Die Show ist durchinszeniert bis ins Detail, hochwertig und genau in Licht und Ton, teilweise schmerzhaft artifiziell durchdrungen, es entstehen keinerlei positive Wellen durch Optik und Musik, deren Rhythmik über fast alle Anflüge von weicheren Melodielinien stampft. Es sei denn, man wechselt hart, aber kurz, in den Pop- bis Schlagermodus.

Verstörend auch eingespielte Videosequenzen: künstlerisch verspielter Oralverkehr oder das von einer Geisha mit kühler Achtung betrachtete Harakiri eines japanischen Polizisten in Echtzeit und Schwarzweiß - garniert mit japanischen Schriftzeichen und französischem Gesang.

Genau diese anhaltslose Verwirrung hat Laibach zum Stilmittel erkoren - und die Kühlheit (nicht Coolness!), mit der sie das zelebrieren, macht den Umgang mit dem allüblichen Fantum einfacher und auch ehrlicher als bei ähnlich hartgesottenen Combos. Übliche Analogien zu Kraftwerk oder Rammstein, um die häufigsten Exempel zu zitieren, sind einfach zu unterkomplex, denn bei Laibach bleibt die Provokation, wie in reichlich drei Jahrzehnten Bandgeschichte erprobt, mental in gehörigem Abstand, damit reine Kunst und in Sachen Identifikation relativ ungefährlich. Das Publikum nahm daher all das ganz gelassen: Das Gemurmel der hinteren Saalhälfte in den stillen, stilecht beifallsarmen Pausen war erstaunlich laut und gleichförmig, die Ergriffenheit im vorderen Teil der nicht voll gefüllten Reithalle war eher innerer Natur.

All jenen, die die nachmittägliche Filmouvertüre verpassten und denen damit die lustige Erfahrungshälfte des Trashsonntags fehlt, sei dringend Nachholung empfohlen. Nur so ist die Friedensbotschaft ganzheitlich zu (miss-)verstehen.

Infos unter www.laibach.org oder www.ironsky-derfilm.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.04.2012

Elmar Mann

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