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Nach 15 Auftritten im Kulturpalast zieht der philharmonische Ohrwurm "Otto" in den Alten Schlachthof

Nach 15 Auftritten im Kulturpalast zieht der philharmonische Ohrwurm "Otto" in den Alten Schlachthof

Otto der Ohrwurm ist unter die Ganoven geraten. Und die haben ihm zugesetzt in seinem 15. Kinderkonzert bei der Dresdner Philharmonie. Haben ein wenig über die Stränge geschlagen.

Recht viel Klamauk getrieben und den eigentlichen Sinn des Ganzen etwas ins Hintertreffen geraten lassen. Kurt Weills "Dreigroschenoper" war vielleicht einfach auch ein bisschen gewagt als Angebot an Kinder ab sechs Jahren. Zumal das Team aus Andreas Tiedemann (Inszenierung und Spiel), Christian Schruff (Spiel und Moderation), Christian Gaul (Otto) und Luis Alberto Negrón van Grieken (Projektionen, Bühne) Hintergrund und Hintersinn der Musik diesmal leider völlig beiseite ließen und damit Mord und Blut, Korruption und alle anderen Härten unkommentiert im Raum standen. Zwar setzte die Vorstellung des Banjos das Ansinnen der Otto-Konzerte fort, Kindern Musik und Musiker nahe zu bringen, ansonsten aber dominierte dieses Mal doch sehr das rein spaßige Spiel. Dabei hatten sich die Philharmoniker unter Leitung von Markus Poschner ins Zeug gelegt und die Dreigroschen-Suite mit Verve dargeboten.

Schon das vorangegangene Otto-Konzert im Januar hatte ein wenig daran gekrankt, dass auf relativ wichtige Hintergrundinformationen verzichtet wurde. Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" standen damals, dirigiert von Tobias Foskett, im Blickpunkt, dass deren Entstehung auf einer Künstler-Bekanntschaft und realen Gemälden beruht, wurde aber nicht erwähnt. Es ist zugegebenermaßen eine Gratwanderung, Unterhaltungsfaktor und Wissensvermittlung gut abzuwägen - es soll ja keine Schulstunde draus werden. Vergangene Otto-Konzerte aber haben mehrfach bewiesen, dass es funktionieren kann, und so darf für die Zukunft gehofft werden, dass sich die Balance wieder herstellen lässt.

So wie sie etwa im ersten Otto-Auftritt der zu Ende gehenden Spielzeit gegeben war, im November letzten Jahres, als Otto auf die Tuba drückte. Der Auftritt des Melton Tubaquartetts, die eingehende Vorstellung der Tuba, ihrer Vorläufer und Abkömmlinge, die Präsentation atemberaubender Musik auf diesem Instrument - einschließlich des Konzerts für Tubaquartett und Orchester von John Stevens unter Leitung von Stefan Solyom - summierten sich zu einer Staunen machenden, vergnüglichen und faktenreichen Stunde mit dem neugierigen, vorlauten, liebenswerten Ohrwurm.

Drei Mal wird Otto das junge Publikum auch in der kommenden Spielzeit wieder einladen. Dann aufgrund der Kulturpalast-Sanierung in den Alten Schlachthof, wo die Konzerte jeweils in doppelter Auflage, 12 Uhr und 13.30 Uhr, stattfinden. Die veränderte und nun etwas unglückliche Anfangszeit beruht laut Auskunft der Orchester-Verwaltung auf technischen Gegebenheiten am Ort hinsichtlich Bühnenaufbau, notwendiger Anspielproben usw. Echte Otto-Fans und solche, die es werden wollen, sollte das nicht abschrecken, dem Ohrwurm zu seinen musikalischen Abenteuern in den Schlachthof zu folgen. Am 18. November führt sich Otto die selten gespielte sinfonische Suite "Leutnant Kije" von Sergej Prokofjew zu Gemüt, vor allem aber lässt er sich vom Wagner-Wirbel anstecken. Wo ein 200. Komponisten-Geburtstag gefeiert wird, darf das wirbelige Tierchen nicht fehlen. Was ein Wagner ist und was das mit Dresden zu tun hat, fragt er darum am 20. Januar 2013, dem "Fliegenden Holländer" begegnet er am 2. Juni.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.05.2012

Sybille Graf

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