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Musikfestspiele II: Messen von Janácek und Bruckner mit dem Dresdner Kammerchor

Musikfestspiele II: Messen von Janácek und Bruckner mit dem Dresdner Kammerchor

Es gibt Augenblicke, in denen das Sprechen schwer wird, selbst wenn man gewohnt ist, für hunderte Zuhörer Musik aufzuführen und sie in ihren Gefühlen zu bewegen.

Das Konzert des Dresdner Kammerchores in der Annenkirche widmete Dirigent Hans-Christoph Rademann der am Vortag nach schwerer Krankheit verstorbenen Maja Sequeira (siehe Nachruf am Dienstag in den DNN). Sie war als Leiterin des Dresdner Universitätschores nicht nur seine Kollegin, sondern ist selbst Mitglied des Dresdner Kammerchores gewesen.

Zwei Messen als Beitrag des Dresdner Kammerchores zum Thema der Dresdner Musikfestspiele vergegenwärtigten im Konzert auf besondere Weise die Bindungen zwischen Ungarn, Tschechen und Österreichern in der Kirchenmusik, deren Basis die Verwurzelung im Katholizismus war: Leos Janácek hat in der Bearbeitung von Franz Liszts "Orgelmesse" für Chor und Orgel die andächtige Versenkung der Vorlage auf eine stärker emotionale Ebene gehoben. Als Gegenentwurf stand Anton Bruckners Messe e-Moll für Chor und Bläser, in der sich auch gläubige Emphase findet.

Janáceks Messe sang der Chor von der Orgelempore der Annenkirche, begleitet vom Prager Organisten Jaroslav Tuma, der in ausgesucht sparsamen Registrierungen der Jehmlich-Orgel die vokalen Stimmen mitzeichnete und ebenso kraftvolle Lichter auf die herausgehobenen Passagen des Messtextes warf. Rademann behielt fast durchweg einen wie schwebenden, entrückten Gestus aufrecht, der nur gelegentlich vom energischen Impuls der Verbindung ins Irdische abgelöst zu sein schien. Diese Schlichtheit berührte im Innersten.

Kontrastreich auf die Lebenswirklichkeit gerichtet wirkte dagegen Janáceks tschechisches "Vater unser" für Chor, Harfe und Orgel, zu dem es ein sozialromantisches Programm des Komponisten gibt, das die mitunter kämpferische Idee der Musik erklärt. Jaroslav Tuma gewann gemeinsam mit Astrid von Brück (Harfe) im intensiv bewegten Zusammenspiel mit der Orgel einen raffiniert gefärbten Grund für den Chor und das Tenorsolo, dem Aaron Pegram (nicht immer ganz ohne Anstrengung) einen fast leidenden Gestus gab.

Wie Anton Bruckner in Linz mit etwa 400 Sängern die Extreme der Chorstimmen bewältigt haben mochte, war schwer vorstellbar, während man die in jedem Detail durchdachte Aufführung der Messe e-Moll mit dem Dresdner Kammerchor und den Bläsern der Sächsischen Staatskapelle Dresden hörte. Hans-Christoph Rademann benötigte nicht diese Mengen an Stimmen, um den Chor mit den Instrumenten hervorragend zu verbinden. Seine über den Fluss von Text und Harmonien gelegten dynamischen Stufungen sorgten für kraftvollen Atem und für immer neue Momente des inneren Aufrichtens: Raumgreifende Pracht am Schluss des Gloria, ein festlicher Tonfall zum Unterstreichen der letzten Verse des Credo oder die erwartungsfrohe Haltung im Benedictus. Die Klarheit und Energie des Chorklanges, der nur in wenigen, extrem hohen Passagen das menschliche Maß hörbar werden ließ, stimmte mit der Klangschönheit der Bläser genau überein. So verband sich hier wie in den beiden vorigen Werken der innere Anspruch und die Darbietung auf ideale Weise. Ganz am Schluss erst gab es Applaus, zudem nach einer längeren Pause, in der auch der Respekt des Publikums vor der Widmung des Abends zu spüren war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.05.2012

Hartmut Schütz

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