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Musikfestspiel-Konzert von Vocal Concert Dresden ehrt Mikis Theodorakis und Peter Zacher

Musikfestspiel-Konzert von Vocal Concert Dresden ehrt Mikis Theodorakis und Peter Zacher

Mit Mikis Theodorakis wird am 29. Juli dieses Jahres ein Mann 90 Jahre alt, der als Komponist wie als leidenschaftlicher Streiter für Gerechtigkeit schon zu Lebzeiten zur Legende geworden ist.

Unmenschliches hat er dafür auf sich genommen, umso bitterer muss ihm das eigene Fazit ankommen: "dass ich aus dem Leben scheiden werde, ohne Griechenland so zu erleben, wie ich es mir erträume".

Das ist zu lesen in einem vor wenigen Wochen geführten Kurzinterview in Vorbereitung einer Aufführung, mit der nach langer Zeit wieder Musik des unvergleichlichen Griechen in Dresden erklingen wird. Im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele führt Vocal Concert Dresden unter Leitung von Peter Kopp Theodorakis' Liturgie Nr. 2 "Den Kindern, in Kriegen getötet" auf. Aus Anlass des anstehenden Geburtstages des Komponisten, zugleich aber auch in Erinnerung an den Anfang 2014 verstorbenen Dresdner Musikwissenschaftler und Kritiker Peter Zacher. Er, der über lange Jahre für die Dresdner Neuesten Nachrichten u.a. schrieb, hatte sich mit unermüdlichem Enthusiasmus für die Verbreitung von Theodorakis' Kompositionen in der DDR eingesetzt.

Eine der von Zacher unterstützten Uraufführungen war jene der Liturgie Nr. 2 während der Musikfestspiele 1983 durch den Dresdner Kreuzchor. Peter Kopp war damals als 16-jähriger Kruzianer beim Konzert wie der anschließenden Schallplattenaufnahme dabei. Er beschreibt in der Rückschau, wie der christlich geprägte Chor das vermeintlich "linke" Werk damals mit großer Skepsis aufgenommen habe und trotzdem viele Sänger - obwohl der Inhalt dem jugendlichen Verständnis fremd blieb - dauerhafte Erinnerungen an den Zyklus behielten. "Mit zunehmendem Alter und der damit einhergehenden Fähigkeit zu differenzieren, wurde mir - und wohl auch anderen - klar, dass wir es bei der Liturgie mit einem ganz großen Kunstwerk zu tun gehabt hatten, dessen Sinn und Wirkung zu ergründen wir noch vor uns hatten", so Kopp im Programmheft zum Konzert, das das Werk nach über drei Jahrzehnten nun wieder zu Gehör bringt: am 26. Mai, 21 Uhr in der Martin-Luther-Kirche Dresden-Neustadt. Theodorakis vertonte in der "Liturgie" 14 meisterhafte Poeme, die meisten davon stammen aus Tassos Livaditis' Zyklus "Ta Lyrika", vier Texte schuf der Komponist selbst. Von Dirk Mandel wurden sie seinerzeit kongenial ins Deutsche übertragen. Der von einer gewissen Strenge und Herbheit geprägte A-cappella-Zyklus - so ganz anders als die Kompositionen Theodorakis' wie "Canto General" oder "Axion esti" - versteht sich als Klage, als Frage um Getötete, um den Sinn von Leben und Sterben. Trotz klaren politischen Bekenntnisses ist er fern von plump verkündeter Ideologie, vielmehr voller Poesie und bis heute von zeitloser Gültigkeit. Am Ende tanzen fünf Burschen (die fünf Erdteile) mit dem Mädchen Erde - eine Vision, die weiter zu verfolgen sich lohnt, gerade weil ihr Schöpfer mittlerweile für sich selbst Hoffnungslosigkeit konstatiert (Theodorakis im Programmheft).

Im Konzert werden der Liturgie mit Bezug auf ihre Texte und ihre Musik A-cappella-Werke von di Lasso, Pärt, Schostakowitsch und Tschaikowski zur Seite gestellt. Mikis Theodorakis weiß um die neuerliche Aufführung seiner Liturgie in Dresden und zeigte sich in einem Schreiben per Mail sehr erfreut darüber. Eine Reise hierher freilich lässt sein angegriffener Gesundheitszustand nicht zu.

Im Anschluss an den musikalischen Teil in der Luther-Kirche wird Asteris Kutulas' und Klaus Salges Filmbiographie "Mikis Theodorakis - Komponist" gezeigt, womit Theodorakis' außergewöhnlichstes Chorwerk in den Zusammenhang zu seinem Lebenswerk gestellt wird.

Konzert "Mikis Theodorakis zum 90. Geburtstag": am 26. Mai, 21 Uhr, Martin-Luther-Kirche Dresden-Neustadt. Karten an allen Vorverkaufskassen der Dresdner Musikfestspiele, unter www.musikfestspiele.com und unter tickets@vocalconcert.de sowie an der Abendkasse.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2015

Kerstin Leiße

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