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Musikfest Erzgebirge will sich mit zweitem Jahrgang etablieren

Musikfest Erzgebirge will sich mit zweitem Jahrgang etablieren

Die Atmosphäre einer Pressekonferenz sagt meist schon viel über den Charakter der zu vermittelnden Veranstaltung aus. Hohen künstlerischen Anspruch bekunden viele und lösen ihn meist sogar ein.

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Hans-Christoph Rademann

Aber bei der Vorstellung des zweiten Musikfestes Erzgebirge gestern im nicht gerade heimeligen Saal der Landespressekonferenz schien darüber hinaus jener Geist auf, der schon das Vorgängerfest Alter Musik und die Premiere des größeren Nachfolgers im Vorjahr auszeichnete. Wenn etwa Intendant Hans-Christoph Rademann über seine Kindheitserinnerungen in Schwarzenberg plauderte, wie Laien und Musiker der Staatskapelle gemeinsam eine Matthäuspassion zauberten, fühlt man etwas von der sprichwörtlichen Bodenständigkeit im Erzgebirge, begreift die fließenden Übergänge vom Engagement der Laien zur Kunst der Profis.

Genau diese Synthese soll auch der zweiten Auflage des Musikfestes gelingen. Auf der einen Seite stehen die reiche regionale Musiktradition und das kirchlich geprägte Laienmusizieren. Auf der anderen Seite sind es Interpreten von internationalem Rang, die sich mit sächsischen Komponisten auseinandersetzen und, wie beim Sängerfest der Erzgebirgskantoreien, mit den "Eingeborenen" gemeinsam musizieren. Das Motto "Hohe Kunst tief verwurzelt" trifft diesen Zweiklang sehr genau. Es verweise einerseits auf die regionale Bindung, sagte Rademann. Andererseits solle damit auch die Absicht unterstrichen werden, das junge Festival so zu verankern, "dass es niemand mehr herausreißen kann".

Auch Schirmherr und Landtagsprä- sident Matthias Rößler bekräftigte seinen Willen, das im Vorjahr aus der Taufe gehobene Festival zum dritten großen sächsischen Musikfest neben den Dresdner Musikfestspielen und dem Bachfest Leipzig zu entwickeln. Der aus Schwarzenberg stammende Dirigent und Chorleiter Hans-Christoph Rademann hatte die Initiative zu diesem neuen Festival in größeren Dimensionen ergriffen. Es findet nunmehr aller zwei Jahre alternierend mit den Silbermann-Orgeltagen statt.

Das Programm des kommenden Jahres knüpft an das erfolgreiche Konzept von 2010 an. Wie schon beim Vorgängerfest Alter Musik konzentriert sich das Repertoire auf Komponisten vom Frühbarock bis zur Wiener Klassik und bevorzugt dabei Wiederentdeckungen lokaler Meister. Zu ihnen gehören beispielsweise der spätere Thomaskantor Johann Hermann Schein oder der in Grünhain geborene Gottfried Heinrich Stölzel.

Internationale Gäste kommen aus England, Frankreich und Russland, darunter so ausgezeichnete Vokalensembles wie "The Sixteen" oder die Kings Singers. Nicht ganz so weit haben es die Regensburger Domspatzen. Selbstverständlich ist auch der von Rademann geleitete Dresdner Kammerchor dabei. Unter den Solisten wären beispielsweise die Sopranistin Annette Dasch oder der Pianist Kosmos Koroliov zu nennen, die beide Bach interpretieren.

Neben den 15 Konzerten im Erzgebirgsraum wird vom 14. bis 23.September 2012 auch ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten. Dazu zählt ein Meisterkurs für junge Dirigenten. Als neu und einzigartig kann der "Nachtklang" in der Schwarzenberger Lokomotivhalle gelten. Dem Publikums-Wettbewerb von vier Barockensembles, die sich noch bewerben können, geht eine Eisenbahn-Sonderfahrt von Annaberg voraus.

Mit einem Gesamtetat von 400 000 Euro leistet das Festival Erstaunliches. Intendant Rademann deutete an, dass dies nur dank guter persönlicher Kontakte möglich ist. Die öffentlichen Zuschüsse vom Kulturraum, dem Kunstministerium und der Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik, die etwa die Hälfte ausmachen, sind leicht rückläufig. Dafür haben die beiden Hauptsponsoren EnviaM und die Sparkassen sowie weitere Sponsoren ihr Engagement verstärkt. Landrat Frank Vogel äußerte für den Erzgebirgskreis seine besondere Genugtuung. Das Festival zeige beispielhaft, dass auch der ländliche Raum für solche großen Kunstereignisse offen sei.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.11.2011

Michael Bartsch

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