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Musikalische Vesper in der Reichenberger Kirche

Die Liebe, die beweget Sonn’ und Sterne Musikalische Vesper in der Reichenberger Kirche

Die Zuordnung der Modi (Tonarten) zu den Planeten Mars, Venus, Jupiter, Saturn und Merkur wurde schon seit der Antike vorgenommen und in Mittelalter und Renaissance weitergeführt. Das Programm der musikalischen Vesper am Sonntag in der Kirche Reichenberg nimmt darauf Bezug. Zu Gast ist das Ensembe Il bell’humore.

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Das Ensemble Il bell'humore

Quelle: PR

Reichenberg. Der Beginn der Neuzeit ist eine Zeit, die von Gegensätzen, Umbrüchen und Reformen, aber auch von einer astrologischen Grundstimmung geprägt war. Die Sterne scheinen im menschlichen Alltag eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Die bedeutendsten Astrologen des 16. Jahrhunderts veröffentlichten Horoskope berühmter Persönlichkeiten, und selbst im 17. Jahrhundert, als sich die Astronomie von der Astrologie lossagte, erstellte Kepler noch Horoskope. Er ist es auch, der die Stellung der Gestirne – neben Gott und menschlichem Willen – zu den drei Ursachen für das menschliche Glück zählte. Man sah einen Einfluss der Sterne auf das Wetter und die Elemente, ein Wechselspiel von Natur und innerer Verfasstheit des Menschen. So verwundert es nicht, wenn der zutiefst unglücklich Verliebte die Nacht sucht, in der er weinend durch die Täler läuft, beschrieben in einem Lied aus Sannazaros berühmtem Buch Arcadia (1504).

Die Zuordnung der Modi (Tonarten) zu den damals bekannten fünf Planeten Mars, Venus, Jupiter, Saturn und Merkur wurde schon seit der Antike vorgenommen und in Mittelalter und Renaissance weitergeführt. Das Programm der musikalischen Vesper am Sonntag in der evangelischen Kirche Reichenberg bezieht sich u.a. auf den Theoretiker Hermann Finck, der in seinem Wittenberger Buch Practica Musica (1556) auch die Sonne und den Mond einschließt. Bemerkenswert ist nicht nur, wie unterschiedlich die Modi klingen, die ihrem Charakter nach einem Planeten zugeordnet sind, sondern auch, wie sich die Zuordnung in den Texten widerspiegelt. So wird in dem der Sonne zugeordneten dorischen Lied „Tre cose son’in terra“ von einer Frau erzählt, deren Worte die Macht haben, die Sonne anzuhalten.

Es gibt einige Astronomen unter den Musikern des 16. und 17. Jahrhunderts – und einige, die in eine musikalische Familie hinein geboren wurden. Der berühmteste darunter ist Galileo Galilei, dessen Vater, Bruder und Neffe professionelle Lautenisten waren. Von seinem Vater Vincenzo, der selbst physikalische Experimente durchführte, und seinem Bruder Michelangelo, der Galileo stolz berichtete, seinem Kurfürsten in München das Fernrohr erklärt zu haben, werden in der Reichenberger Kirche Kompositionen erklingen. Galileo selbst wird sich durch die Feder Bertolt Brechts zu Wort melden. Obwohl die Astrologie schon im 14. Jahrhundert naturwissenschaftliches Teilfach an den Universitäten Bologna und Padua war, kämpfte die Kirche gegen sie. Mit der Erfindung des Fernrohrs 1608 und den astronomischen Entdeckungen, die damit einhergingen, kämpfte sie auch gegen die Astronomie, was in Galileis Prozess bitteren Niederschlag fand. Sein Ringen um eine neue Zeit stehen den älteren astrologisch-metaphorischen Texten des Programms kontrapunktisch gegenüber.

Es musiziert das Ensembe Il bell’humore mit Alice Borciani (Sopran), Anne Freitag (Renaissancetraversflöte) und Ryosuke Sakamoto (Renaissancelaute). Das erfolgreiche Trio gründete sich in Basel aus ehemaligen Studierenden der Schola Cantorum Basiliensis und war 2015 Förderpreisträger der Tage Alter Musik im Saarland.

19. Juni, 17 Uhr, Evangelische Kirche Reichenberg, August-Bebel-Str. 67, Moritzburg OT Reichenberg
Eintritt frei – Kollekte erbeten

Von DNN

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