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Musikalische Bekenntnisse: Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks unter Sir John Eliot Gardiner in Dresdens Frauenkirche

Musikalische Bekenntnisse: Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks unter Sir John Eliot Gardiner in Dresdens Frauenkirche

Wenn Werke von Haydn, Mendelssohn Bartholdy und Bruckner auf dem Programm stehen und als Interpreten Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner angekündigt sind, dann kann man sich eines großen Publikumszuspruches sicher sein.

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Konzert des Chores und Orchesters des Bayerischen Rundfunk Symphonieorchesters unter Sir John Eliot Gardiner in der Frauenkirche in Dresden.

Quelle: Oliver Killig

So war die Frauenkirche am Sonnabend fast bis auf den letzten Platz gefüllt, die Zuhörer erlebten einen grandiosen Konzertabend.

Gardiner, einst ein Pionier der Alte Musik Szene, hat sich seit Jahrzehnten einen Platz in der ersten Dirigenten-Riege erarbeitet und verfügt über ein bemerkenswert breites Repertoire. Weder braucht er große theatralische Gesten noch versucht er, mit minimalistischen Bewegungen den Musikern seine Gedanken zu übertragen. Sein Dirigat ist genau und fordernd, setzt klare Akzente, sprüht förmlich vor Lebendigkeit und Musizierfreude. Die Energie, die von diesem Mann ausgeht, übertrug sich schon im ersten Stück, der kurzen schwungvollen Motette "Insanae et vanae curae" von Joseph Haydn ganz wunderbar auf Chor und Orchester, das bemerkenswerterweise im Stehen spielte. Dabei blieb man auch im nachfolgenden Stück, der "Reformationssinfonie" von Mendelssohn Bartholdy, was der Interpretation und dem Klangbild deutlich zugute kam. Ein weiterer Pluspunkt, um der schwierigen Akustik in der Frauenkirche Herr zu werden: die Streicher verzichteten fast gänzlich auf Vibrato, der Gesamtklang wurde damit eine Spur herber, aber eben auch deutlich klarer. Gardiner arbeitete die Charakteristik der einzelnen Teile akribisch heraus - unruhig vorwärtsstrebend der erste Satz, große Zuversicht im zweiten, melodische Lyrik im dritten. Bekenntnishaft und grandios der Abschluss mit dem Lutherchoral "Ein feste Burg ist unser Gott". Umso ärgerlicher, dass das fesselnde Spiel ausgerechnet im zarten, fast hingehauchten Zitat des "Dresdner Amen" im ersten Satz jäh von einem Handyklingeln unterbrochen wurde und nach Satzende dann auch noch Beifall aufbrandete-

Nach der "weltlichen" Sinfonie mit ihrer dennoch starken konfessionellen Prägung dann ein "geistliches", jedoch eher auf den Konzertsaal zugeschnittenes Werk: Die 1865 entstandene Messe d-Moll für Solo, Chor und Orchester von Anton Bruckner. Auch sie ist ein in Musik gebrachtes Bekenntnis, insgesamt jedoch eigenwillig, spröde, mitunter fast trotzig. Die überragenden Qualitäten und der lange Atem der späteren Kompositionen Bruckners fehlen hier, die Anforderungen an die Ausführenden sind trotzdem enorm und wurden wiederum zu einem großen Erlebnis. Allen voran der Chor des Bayerischen Rundfunks, der ohne jegliches Forcieren ein enormes Klangvolumen entwickeln kann und wo selbst im leisesten Piano noch jedes kleine Detail sitzt. Im Zusammenklang mit dem - abermals hervorragenden - Orchester ging die Intensität der Musik zum Teil fast bis an die Schmerzgrenze und wurde im wahrsten Sinne des Wortes körperlich erlebbar. Das Solistenquartett mit Lucy Crowe, Jennifer Johnston, Toby Spence und Günther Groissböck konnte seine Qualitäten nur in kleinen "Nebenrollen" unter Beweis stellen. John Eliot Gardiner entwickelte auch in der Messe viel Liebe zum Detail, baute aber insgesamt einen großen Spannungsbogen auf, der sich nach dem leise verebbenden "Dona nobis pacem" erst allmählich in tosendem Beifall entlud.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.06.2014

Katja Neumann

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