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Musik zum Anfassen - Mit dem Projekt "MusiKids" setzt Dresden auf musikalische Breitenförderung

Musik zum Anfassen - Mit dem Projekt "MusiKids" setzt Dresden auf musikalische Breitenförderung

Was ist eigentlich ein Akkordeonregen? Die Erstklässler der 77. Grundschule wissen Bescheid. Beim Instrumentenkarussell lernen die Kinder dort am Ende des ersten Schuljahres vier Instrumente genau kennen: das Akkordeon, die Klarinette, die Gitarre und das Percussion.

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Die Dresdner "MusiKids" wissen, dass Musizieren Freude macht, wie sich beim jährlichen Konzert im Rundkino auch auf der Bühne immer wieder zeigt.

Quelle: Frank Hoehler

Jedes dieser Instrumente dürfen die Kinder bei ihren Musikstunden unter Anleitung von Lehrern aus dem Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden (HSKD) ausgiebig ausprobieren. Begeistert lassen sie ihre kleinen Finger über die Tasten auf den Akkordeons gleiten. Das klappert wild, wie ein echter Akkordeonregen eben. Töne sind allerdings noch nicht zu hören, denn "das Akkordeon braucht Luft zum Spielen", erklärt die Pädagogin anschaulich.

Die 77. Grundschule war die erste in Dresden, die an dem Projekt "MusiKids" teilnahm, das nach der Grundidee der bundesweiten Initiative "Jedem Kind ein Instrument" seit 2010 vom HSKD getragen wird. "Ziel ist es, die musikalische Breitenförderung zu stärken. Wir wollen auch Kinder erreichen, die nicht unbedingt von selbst auf die Idee gekommen wären, ein Instrument zu lernen oder überhaupt erst einmal in die Hand zu nehmen", erklärt Friederike Wachtel, die Pressesprecherin des HSKD. Als musisch ausgerichtete Pilotprojektschule hat die 77. Grundschule das Konzept "MusiKids" einst mit ausgearbeitet. Hier sind die sonst freiwilligen Musikstunden sogar fest im Stundenplan der Vorschüler und Erstklässler verankert. Inzwischen nehmen zusammen sieben Dresdner Schulen, zwei Förderschulen sowie - das ist bundesweit einmalig - sieben Kindertagesstätten in der Stadt an dem Projekt "MusiKids" teil.

Die Kinder in diesen Einrichtungen können im Vorschulalter sowie in der ersten Klasse kostenfrei Musikunterricht von den Pädagogen des HSKD bekommen. Insgesamt 21 Pädagogen kommen dazu jeweils in die Einrichtungen und machen die Kleinen frühzeitig mit Musik, Instrumenten und Klängen vertraut. Jeweils zum Ende des ersten Schuljahres findet für die teilnehmenden Kinder dann eben jenes Instrumentenkarussell statt, bei dem sie - je nach Angebot der Schule oder Kita - zwei bis vier Instrumente vorgestellt bekommen und sich anschließend für eines entscheiden können, sofern sie weiterlernen wollen. "Derzeit entscheiden sich etwas mehr als 50 Prozent der teilnehmenden Kinder dafür, auch nach den ersten beiden kostenfreien Jahren weiterhin Musikunterricht zu nehmen und ein Instrument zu erlernen. Das ist mehr, als wir erwartet hatten", erzählt Friederike Wachtel.

Seit 2010 musizierten insgesamt rund 1000 Dresdner "MusiKids" im Rahmen des Projektes. Wie groß deren Freude am Spielen ist, zeigte sich auch beim dritten "MusiKids"-Konzert im Mai im Rundkino, bei dem rund 380 dieser jungen und jüngsten Musiker der Stadt auf der Bühne gemeinsamen ein Programm für Eltern, Freunde und Angehörige gestalteten. "Dieses jährliche Konzert stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein der Kinder. Auch Eltern, die sonst nicht ins Konzert gehen, werden dort mit einer lockeren Konzertatmosphäre vertraut gemacht, so profitieren beide Seiten", sagt Friederike Wachtel. Finanziert wird das Projekt "MusiKids" seit 2010 von der Drosos-Stiftung, die ihre Unterstützung dafür bis 2017 fest zugesagt hat. Das HSKD sucht zudem Sponsoren, um "MusiKids" auch langfristig auf sichere Beine zu stellen. "Das Projekt wächst und soll weiterwachsen. Wir wollen nun Wirtschaftsunternehmen als Förderer gewinnen. Auch Privatpersonen können für Kinder sozial schwacher Familien Musikstunden spenden", erklärt Friederike Wachtel.

Inzwischen haben sich alle Erstklässler der 77. Grundschule mit dem Akkordeon bekannt gemacht. Nun ist die Klarinette an der Reihe. Kraftvoll pustet die siebenjährige Runa in das Mundstück, woraufhin das Instrument einen tiefen Ton von sich gibt. Ihre Mitschüler schauen fasziniert zu. Es herrscht bedächtige Stille im Klassenzimmer. "Das Pusten war ganz schön schwer", sagt die Erstklässlerin am Ende der Musikstunde. Zusammen mit ihrer Klasse hat sie beim Instrumentenkarussell in zwei Wochen vier Instrumente kennengelernt und ausprobiert. Runas Fazit: "Die Gitarre hat mir am allerbesten gefallen." Warum, das kann die Siebenjährige nicht so genau erklären. In jedem Fall weiß aber auch sie inzwischen, wie sich ein Akkordeonregen anhört - und damit hat sie den meisten Erwachsenen in dieser Stadt doch schon eine ganze Menge voraus. Oder?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.06.2014

Nicole Czerwinka

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