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Musik in der Wiederholspur - Konrad Küchenmeister kommt am Sonnabend in den Alten Schlachthof

Musik in der Wiederholspur - Konrad Küchenmeister kommt am Sonnabend in den Alten Schlachthof

In der SAX-Jahresumfrage für 2011 wurde Konrad Küchenmeister vor Polarkreis 18 und Yellow Umbrella zur besten Dresdner Band gewählt. Das ist eine recht interessante Entscheidung, wohnt der 29-Jährige doch seit 2006 in Berlin und steht meist ganz allein auf der Bühne, umgeben nur von Instrumenten.

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Konrad Küchenmeister

Mit seiner Loop-Station kann er sie fast unbegrenzt aufnehmen, übereinander legen und in Schleife abspielen. Das macht er live, die Zuschauer sind beim Entstehen eines Songs dabei, was ihn zu einem erinnerungswürdigen Künstler macht. Nun hat er seinen großen Auftritt im Alten Schlachthof.

Vom aus der Wohnung verdrängten Straßenmusiker zum internationalen Exportschlager der Subkultur - Küchenmeisters Erfolge der letzten Jahre sind beachtlich. Das Spielen der Instrumente ("am liebsten was Saiten oder Tasten hat") hat er sich im väterlichen Musikzimmer beigebracht, Noten lesen kann er bis heute nicht. Nach Schule und Zivildienst in einer Kindertagesstätte machte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Danach wusste er nicht so richtig, wohin es gehen sollte; das angestrebte Studium im Ausland war zu teuer. Durch Zufall kam er zu seiner ersten Band. "Ich fuhr einen Tag nach Berlin, grübelte stundenlang in einem Café und fiel der Kellnerin auf. Sie machte mich daraufhin mit der amerikanischen Ska-Band Regatta 69 bekannt, in der ich später Keyboard spielte." Dass er in einer Ska und Reggae-Combo sein Rhythmusgefühl geschult hat, hört man dem entspannten Groove einiger seiner Tracks noch heute an, in anderen Stücken nutzt er energetischere Dubstep-, Drum'n'Bass- oder Latin-Sounds. Dazu singt er und beatboxt, ebenfalls in Schleife.

Seit dem Erscheinen seines zweiten Albums "Battery Street" im Dezember 2009 kennt ihn ein breites Publikum, das er sich in bis zu hundert Konzerten pro Jahr hart erspielt hat. Denn Küchenmeister − er heißt tatsächlich so − wurde es in der Bandsituation bald zu eng. Er kaufte sich eine Loop-Station und fing an, sein eigenes Orchester zu sein. Ein Nachbar empfand seine Tonübungen allerdings als störend und so verlagerte er sie auf die Straßen Berlins. "Ich hatte kein Geld für einen Proberaum und habe gesehen, dass die Leute nicht nur zum Geldverdienen rausgehen, sondern Kunst machen." Den Hut legte er trotzdem hin und am ersten Abend war genug Geld darin, dass er seine Box fortan häufig zwischen Brandenburger Tor und Boxhagener Platz aufstellte. "Irgendwann kam ein Typ auf mich zu und sagte, er wäre vom Radiosender Fritz und ob ich nicht Lust hätte, mal mit ins Studio zu kommen." Die erste mediale Wahrnehmung. "Danach habe ich wild Leute auf Myspace angeklickt und angeschrieben, die etwas mit Musik zu tun hatten und aus Dresden oder Berlin kamen. Ich wollte mir damit Feedback für zwei meiner Handyvideos holen und mich mit Musikern und Netzwerken connecten." Der Dresdner DJ György de Val war unter den Angeschriebenen. "Er hat mich dann zu seiner Radiosendung Spur1 eingeladen, ein Konzert im Bärenzwinger für mich organisiert, mit mir Songs aufgenommen und schließlich das Label Spur1 gegründet." De Val wird musikalischer Begleiter und Produzent von Küchenmeister, der mit seiner sich ständig verändernden Show immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der "Loop-Mann aus Berlin" war seitdem als Subkultur-Export auf der Expo in Shanghai, als kultureller Botschafter in Brasilien, trat dort als Support von Manu Chao auf und tourte durch die USA.

Mit dem Künstlerkollektiv "BerlinLOOPBrasil" will er Ende 2012 mit einem zu einer fahrbaren Bühne umgebauten Truck durch ganz Brasilien reisen. So grün wie möglich soll die Aktion sein, "der Wagen fährt mit gebrauchtem Frittieröl und hat Solarzellen auf dem Dach". Das Ganze ist eine trendbewusste Werbekampagne eines deutschen Autokonzerns und einer brasilianischen Tourismusagentur. Dass dahinter ein kommerzielles Interesse steckt, stört Küchenmeister nicht. Für ihn zählt das Ergebnis, also der Wagen, mit dem die Crew herumziehen und Musik machen wird. Eine vielleicht einmalige Chance.

Macht der Typ jetzt alles, was man ihm anbietet? Eher nicht. Letztes Jahr lehnte er die Angebote der Privatfernsehformate "Deutschland sucht das Supertalent" und "X Factor" ab. Auch aus Angst, dass es eingefleischte Fans abschrecken und falsche neue anziehen könnte, will er kleinere Schritte gehen. Vor kurzem hat er sich eine neue Loop-Station gekauft, die noch ein wenig mehr kann als die alte. Ein nächster Schritt wäre, sie bis zum Konzert fehlerfrei bedienen zu können, das momentane Proben sei "wie noch einmal den Führerschein zu machen".

Konrad Küchenmeister, Sonnabend 20.30 Uhr, Alter Schlachthof, Support: Le Grand uff Zaque, Karten im VVK für 14 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.03.2012

Juliane Hanka

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