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Musik als große Liebe - Dresdner Politologe Patzelt dirigiert Amateurchor

Musik als große Liebe - Dresdner Politologe Patzelt dirigiert Amateurchor

Einige trällern schon vor sich hin, andere setzen sich schweigend. Die meisten Sänger aber kommen am zweiten Tag ihrer Chor- und Instrumentalwoche fröhlich plaudernd in den Raum im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz im Landkreis Bautzen.

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Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt probt während der 13. Schmochtitzer Chor- und Instrumentalwoche im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz mit Chorsängerinnen und Sängern.

Quelle: Arno Burgi dpa

Ihr Dirigent sinniert bereits über den Noten. Viele kennen den Mann mit den lockigen Haaren aus dem Fernsehen - oft mischt er sich in aktuelle Diskussionen ein. In politischen Talkrunden ist der Politikwissenschaftler Werner Patzelt ein gern gesehener Gast. Zuletzt machte er mit Studien über Pegida und deren Angänger von sich reden. Patzelt hat seit mehr als 20 Jahren den Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich an der Technischen Universität Dresden inne. Doch an diesem Vormittag in dem Oberlausitzer Dorf nördlich von Bautzen ist Politik ganz weit weg. Stattdessen hebt Patzelt den Taktstock.

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Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt probt während der 13. Schmochtitzer Chor- und Instrumentalwoche im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz mit Chorsängerinnen und Sängern.

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Vor 38 Jahren lud er erstmals Freunde zum gemeinsamen Musizieren in der Abgeschiedenheit ein. „Wir waren knapp 40 Personen. Damals ging es noch nach Österreich“, erzählt der Professor aus Dresden. Seinerzeit studierte der gebürtige Bayer noch Politikwissenschaft in München. Die Musik aber ist seine erste große Liebe.

Diese Leidenschaft teilt er in diesem Jahr mit 70 Amateursängern, die aus ganz Deutschland eigens zu diesem Chor zusammengekommen sind. Ihre Einsingübungen reichen von „Oho“ bis „Halleluja“. 20 Minuten Sport bekommen die Stimmbänder. Patzelt genießt, dass er den Ton angeben kann. Die ersten, die seinen Anweisungen - allerdings eher widerwillig - folgten, waren einst seine beiden jüngeren Geschwister. Ihr Bruder stand unterdessen auf einer Kiste und dirigierte mit einem Strohhalm. Den Choral „Es kommt ein Schiff geladen“ durften sie zum Strohhalmtakt singen. Diese „Tyrannei“ beschmunzeln heute alle. Die Sänger, zwischen 18 und 80 Jahre alt, schlagen ganz freiwillig ihre Notenblätter auf. Französische Chormusik zwischen Renaissance und Romantik steht auf ihrem Programm. „Etwa ein Wochenende stecke ich in die Vorbereitung. Manchmal recherchiere ich auch bei langweiligen Tagungen mögliche Stücke“, berichtet Patzelt schmunzelnd.

Die Chorwoche hat er 1992 als Gründungsdirektor des Instituts für Politikwissenschaft an der TU Dresden mit nach Sachsen gebracht. Seit nunmehr 13 Jahren kommen die Freizeitsänger zur ihrem Aktivurlaub für die Stimme ins Bischof-Benno-Haus im beschaulichen Schmochtitz. Neben hauseigenen Angeboten ist die katholische Bildungsstätte des Bistums Dresden-Meißen unter anderem Gastgeber der Deutschen Bischofskonferenz.

Patzelt lässt den Bass nochmals einzeln singen. Nach gut zwei Stunden endet die erste der vormittäglichen Proben. Der Dirigent verschnauft kurz vor der Tür. Dann geht er wieder in den Proberaum, beugt sich über die Noten und dirigiert in Gedanken. „Diese Woche ist für mich immer Entspannung“, sagt er, während sein Chor wieder die Plätze einnimmt. Vor ihnen liegt noch viel Arbeit. Ihr großer Auftritt kommt am Sonnabend in der St. Benno-Kirche in Schmochtitz. Dann stehen Chor und Dirigent im Rampenlicht. Ihren nächsten gemeinsamen Beifall holen sie sich erst wieder 2016 ab. Professor Patzelt werden seine Chorsänger bis dahin aber wohl noch einige Male im Fernsehen erleben können.

Miriam Schönbach, dpa

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