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"Musik - Musiker - Musikerkrankheiten" - Arbeiten von Rainer Frenzel und Antje Menzel im Hofmannschen Gut Dittersbach

"Musik - Musiker - Musikerkrankheiten" - Arbeiten von Rainer Frenzel und Antje Menzel im Hofmannschen Gut Dittersbach

Seine Arbeiten wirken frisch, frech, unkonventionell, aber niemals respektlos. Es geht dem Pulsnitzer Kinderarzt i.R. nicht um schöne Malerei oder wohlgeformte Plastizität, es geht ihm um gezielte Denkanstöße.

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Rainer Frenzel. Lyonel Feininger - Musiker, Maler und Architekt. Skulptur.

Quelle: Ingo Bobe

Den Künsten sein Leben lang zugetan und seit mehr als 20 Jahren selbst bildnerisch tätig, widmet Rainer Frenzel nun eine Ausstellung dem speziellen Themenkomplex um Musik, Musiker und Musikerkrankheiten. 35 Objekte hat er ausgewählt - viele davon mehrteilig, von "Bach und seinen ungeliebten Thomanern" als humorige elfteilige Drahtfigurengruppe bis zu den 25 Blättern zu Schuberts "Winterreise".

Erstaunlicherweise ist wenig bekannt, über die Sehschwäche und Erblindung des heute als unsterblich geltenden Johann Sebastian Bach. Frenzel verfolgt seinen Lebensweg vom frühen Orgelwerk Toccata et Fuga", dem er eine Musik-Licht-Installation widmet, zur "Trauung mit Barbara- in Dornheim", verbildlicht als Licht-Ton-Installation, weiter bis nach Leipzig und, mit zwei Bildtafeln, zur "Kunst der Fuge", die bereits "Der blinde Bach" geschaffen hat, dessen motorische Ausfälle des rechten Arms die Arbeit zusätzlich erschwerten. Schließlich weiß Frenzel um "Bachs letztes Lebensjahr - blind und vereinsamt".

Franz Schuberts depressive Verstimmungen hingegen sind für jeden nachvollziehbar, der sich einmal intensiv auf den Liedzyklus der Winterreise eingelassen hat. Ebenso weiß man um die Ertaubung Beethovens und um Ohrgeräusche und die daraus resultierenden Wahnvorstellungen Robert Schumanns. Dessen "Ende in der Psychatrie zu Endenich" stellt Frenzel als bewegliche Licht-Tonskulptur dar, die das auf einer Scheibe zur Musik rotierende Doppelporträt des Musikers zeigt, einmal als Bildnis des sensiblen jungen Mannes, wechselnd mit einem grauenhaft von Dämonen zerfressenen Totenschädel.

Mit dem Satz "Das Geschenk des Schöpferischen ist oft mit dem Stigma der Krankheit verbunden", greift Frenzel eine Erfahrung aus dem medizinischen Bereich auf, gipfelnd in dem Spruch "Genie und Wahnsinn wachsen am selben Holz". Frenzel geht dem nach, und als Betrachter sieht man mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie "Paganini in Ekstase" dank einer Bindegewebserkrankung seine Hand- und Fingergelenke überweit verbiegen konnte und extreme Griffkombinationen in unglaublicher Geschwindigkeit meisterte. Wie "Eric Satie als zwangskranker Messi", geplagt von Ordnungs- und Waschzwang, nicht nur ständig 12 gleiche Anzüge und exakt 89 Taschentücher bereit haben musste, sondern auch in seiner Musik den Wiederholungszwang von Notenfolgen auf die Spitze trieb. Oder wie Maurice Ravel nach der Pickschen Erkrankung seine motorischen und sprachlichen Fähigkeiten bei vollem Bewusstsein mehr und mehr verlöschen sah, wie ein Licht nach dem anderen. Giuseppe Sinopoli dirigierte, ohne mit seinen körperlichen Kräften hauszuhalten - sichtbar in einer fragilen, doch energiegeladenen Stahlstele.

Rainer Frenzel, der sich als Mediziner schwerpunktmäßig mit dem ADHS-Syndrom auseinandersetzt, stellt scheinbar mit leichter Hand, in seinen überraschenden Objekten das Verhältnis von Körper und Geist, Endlichkeit und Unendlichkeit, auf den Prüfstand.

Nachdenklich geworden, tut es gut, sich nun in die mit großem Zeitaufwand, Geduld und handwerklicher Präzision gepunzten und schon darum zeitlich entrückt wirkenden Stiche der jungen Dresdner Künstlerin Antje Menzel zu vertiefen. Seit zwei Jahren erlernt sie bei Hermann Naumann in Dittersbach dieses alte, kaum noch bekannte Tief- oder Raudruckverfahren, bei dem "das durch den Punzenschlag verdrängte Kupfer einen kleinen Krater bildet und viele dieser "Krater" eine Rauigkeit ergeben", wie Naumann definiert. Mit eine Reihe von Punzenstichen wird die erstaunliche Vielfalt der Wirkungsmöglichkeiten des Punktes belegt, auch in der Kombination des alten Verfahrens mit modernen, expressiven Elementen. In der direkten Gegenüberstellung von gepunzter Platte und gedrucktem Ergebnis ist gut erkennbar, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten, welche Akzentverschiebungen, Schärfen und Unschärfen während des Ätzens und Druckens noch zu beachten sind. Die Kabinettausstellung stellt Antje Menzel darüberhinaus mit früheren Arbeiten vor: besonders einprägsam die konstruktiv sparsam gezeichneten schwarz-weißen Fensterbilder und erzählerische Arbeiten zur Literatur.

i Bis 28. September, Galerie im Hofmannschen Gut Dittersbach/Stolpen, Alte Dorfstraße 8. Do. 15-19 Uhr, Sa. 11-16 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 035026/9 16 41.

7. September, 17 Uhr: Mascha Kaléko-Abend: "Alle sieben Jahre wandelt sich Dein Wesen" mit Ursula Kurze

28. September, 17 Uhr: Finissage und Galeriekonzert "Berühmte Kastraten- arien" mit Kerstin Dolle, Sopran und Kathrin Enzmann, Cembalo

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.08.2013

Jördis Lademann

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