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Mother Tongue erreichen im Beatpol die höchste Form der Bühnensymbiose

Mütterliche Metaphysik Mother Tongue erreichen im Beatpol die höchste Form der Bühnensymbiose

Wären Gymnasiasten am Mittwochabend im Dresdner Beatpol gewesen, so hätte ihnen ihr Ethiklehrer metaphysische Zustände leicht am lebenden Beispiel erläutern können. Doch Mother Tongue spielen nur für rockreife Erwachsene.

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Mother Tounge.

Quelle: Christian Streili / PR

Dresden. Wären Gymnasiasten am Mittwochabend im Dresdner Beatpol gewesen, so hätte ihnen ihr Ethiklehrer metaphysische Zustände leicht am lebenden Beispiel erläutern können. Doch Mother Tongue spielen nur für rockreife Erwachsene, deren reichlich drei Hundertschaften am Mittwoch eigens zu diesem edlen Behufe nach Cotta pilgerten, um am Ende nahezu alle glücks- wie schweißströmend die heilige Halle in der seligen Gewissheit zu verlassen, just einen ganz großen Abend erlebt zu haben.

Dabei ist das so normal nicht, denn der Band, die sich 1990 im texanischen Austin gründete, am meisten aber in der neuen kalifornischen Heimat namens Los Angeles spielte und sommers immer wieder gern und weitläufig durchs europäische Abendland tourt und dabei schon ganz früh bereits das Leipziger Haus Auensee beehrte, ging nach dem 20. Jubiläum, zu dessen Gedenken einige im Publikum die passenden T-Shirts trugen, ein wenig die Muße aus. Doch nun sind sie wieder da – in der Besetzung vor der Pause und natürlich im Starclub, den sie 2002 und 2003 erstmalig besuchten und der nun Beatpol heißt.

Was sie bieten, nennen Fetischisten Alternative Rock, obwohl er – so gnaden- wie schnickschnacklos dargeboten – als alternativlos gelten könnte. Denn der Bassist David Gould, wie meist leger behütet und diesmal mit langem rotem ZZ-Top-Referenzbart aufwartend, ist einer der wenigen Männer, denen pure Unterhemden gut stehen und der ebenso beweglich wie seinen beiden Kollegen an den Gitarren neben ihm, Bryan Tulao und Christian Leibfried, tanzen könnte, ohne dies nun außerordentlich zu zelebrieren. Sie spielen dafür nahezu lässig einen Querschnitt aus ihrem Fünf-Scheiben-Werk und begeistern durch Dynamik, Rhythmik, Wechsel und extravagante Saitenartistik. Besonders ins Ohr fällt: Alle drei sind stimmlich begnadete Sänger, ein jeder absolut als Frontmann tauglich. Natürlich ist das Verschwendung, hier aber Teil des Kunstwerks, wobei sich Tulao und Leibfried sowohl Satzgesang als auch eigene Songs gönnen. Dahinter, am Schlagwerk, arbeitet sich – zu drei Vierteln nackt, aber halb tätowiert – Sasha Popovic ab. Um ihn genauer zu betrachten, bietet die Rockhöhle die einzigartige Gelegenheit, seitwärts auf die Bühne zu schauen. Dabei sieht man en passant eine selten so aufgeräumte Fläche und – dank der dezenten Hintergrundlichtshow, die nur die Gestalten, meist in Blau und Rot, illuminiert – das homogen begeisterte Publikum, das bis hinten vor die Bar und unter Einsatz nahezu aller Körperteile begeistert mitschwingt – ein sicher auch die Band extrem animierender Anblick.

Ganz vorn dabei: vier textsichere Jungdreißiger, die, in echte Ekstase verfallen, jeden Super-Groupie-Wettbewerb gewinnen würden. Dahinter die schwarze Tanzherde, ergänzt um etliche Mittfünfziger (darunter ein echter Rocker) und nur ganz wenige der üblichen jugendlichen Trunkenbolde, die auch bei der kurzen Lou-Reed-Anspielung mitgehen, als sei hier Schlagercontest, und deren speziellste Exemplare (vermutlich Abiturienten ohne Ethik) auch mal ganz affektiv die Bühne zum Mitsingen entern.

Doch das Quartett bleibt cool und im Stoff, gönnt sich und dem Publikum kaum Klatschpausen und spielt nach knapp zwei Stunden noch eine Dreiviertelstunde Zugaben. So geriet zehn vor zwölf die mögliche Quote glücklich-erschöpfter Menschen nach einem Konzert ganz nahe ans Optimum. Zwei Ereignisse ähnlicher Artkraft sind bereits in Sichtweite, denn der Beatpol setzt seinen großen monographischen US-Musiksommer nach fünfwöchiger Pause stringent fort: Am 24. August rocken hier Tito & Tarantula, zwei Tage später The Flying Eyes. Den vergangenen Mittwoch als metaphysisches Erlebnis zu übertreffen, wäre allerdings allerhöchste Kunst.

www.mothertonguelives.de

Von Andreas Herrmann

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