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Montagabend wunderbar: Scott Matthew und Spain gastierten in Dresden

Montagabend wunderbar: Scott Matthew und Spain gastierten in Dresden

Jetzt waren sie also da: Spain, deren Name ein illustrer, keineswegs elitärer Kreis mit aller Ehrfurcht ausspricht, obwohl die Bandgeschichte eher eine der langen Pausen ist.

Sie haben mit Songs Speere in die Landschaft geschossen, weniger mit einem Gesamtkunstwerk. Aus der kollektiven Erinnerung verschwanden sie nie, wenngleich die 2012er Platte im Kanon des Jahres zunächst nur auf den hinteren Reihen singt. Das Konzert nicht. Es war wunderbar, Spain im Beatpol zu hören, zu erleben, fast zwei Stunden diesem unangestrengten, sanft zwingend fließenden Lieder-Strom zu folgen. Im Sitzen.

Sie kamen zu fünft, sie kamen im Jackett. Josh Hayden überführte Spain in die Neuzeit, weil es ihn dann doch wieder nach draußen gezogen hat. Den Sektor des Understatements verlässt er dennoch nicht. Überaus konzentriert präsentiert der Bassist und Sänger eine jener Bands, die als "langsam" gelten, als "herbstlich" und, ach Gottchen, "melancholisch". Dabei machen sie nur Rock für den Frieden, und es darf sehr wohl der eigene und innere sein.

Zugriff erfolgt auf drei CDs, "The Soul Of Spain" kommt dabei zentral und die besten Stücke überleben: "Only One", dieses in Ton gesetzte Schlurfen mit Haken, "I'm Still Free", das mit seinen trockenen Licks wie ein Zwilling klingt. "Without A Sound", "Falling" und "Sevenfold" - brillant. In Randy Kirk fand Haden einen kongenialen Partner, an den er abgeben kann. Kirk hält die Kollegen zusammen, beginnt mit ein paar wunderbaren Roy-Bittan-Keyboard-Teppichen, wechselt zum Piano-Ton, zur externen Hammond, setzt dann als dritter Gitarrist feine Akzente.

Josh Haden ist die Frontmann-Rolle nicht unangenehm, aber auch nicht ganz geheuer. Seine markante Stimme wird fest und fester, sein E-Bass ist nach vorn gemischt und singt mit ihm Duette. Allein das kam Gourmets gerade recht. So wie es beispielsweise die britischen Verwandten von Savoy Grand vor-spielten, ist es auch bei Spain nur das letzte Stück, in dem Tempo, Druck und Aus-Spiel wirklich zwingend anziehen, sich alles in ein über zehnminütiges, ergreifendes Crescendo steigert und im Zuhörer damit sogar Erinnerungslücken an vergessene 70er-Platten schließt. Famos!

Und: Würde sich Josh Hayden auch heute noch an jenen eigenen Song wagen, der vor allem in den Interpretationen von Kollegen Kontur bekam? Den gerade Johnny Cash dermaßen mit Würde, Weisheit und Schmerz aufgeladen hat, dass er wie von selbst in der Landschaft steht? Haden tat es. Danke für "Spiritual"! Plötzlich geschieht das Merkwürdige: Auch die aktuelle Spain-Platte wird am Tag danach besser und besser.

Dieser kalte Montagabend hatte für einige Besucher im Beatpol schon früh begonnen, denn im Societaetstheater lud der Australier Scott Matthew zuvor zur Messe der Songs der anderen. Gemeinsam mit dem Gitarristen Jürgen Stark spielte Matthew eine persönliche Hitparade, akustisch eingedampft und nicht die Spur wehleidig (das Symbol des todtraurigen Bartträgers haftet ihm längst an). Ungewöhnlich aufgeräumt, schwatzhaft, locker und dennoch respektvoll versammelte Matthew Coverversionen aus Jahrzehnten um sich.

Er bediente sich dabei auch aus dem Pool der Kindheit, als der Vater Platten auflegte und das Haus im australischen Outback ausfüllte (Bee Gees "To Love Somebody", Kris Kristoffersons "Help Me Make It Through The Night"). Lieder waren dabei, die er sich schon damals zu eigenen machte (Neil Youngs "Harvest Moon" und Charlie Chaplins "Smile"). Mal zart und gebrochen, mal witzig und bitter kam es in reichlich einer Stunde zu einem folgenschweren Mix, der sich genauso anfühlte, wie er sich liest: Janis Ian, Whitney Houston, Elvis Costello, The Divine Comedy, Simone White, Chet Baker, John Denver. Hoffentlich fällt Scott Mathew nach dieser inspirierenden Tour nicht wieder in sich zusammen. Sei's ihm gewünscht.

Bevor erregte Leser sich melden: Der Italiener Fabrizio Cammarata sei nicht vergessen. Dem jungen Mann mit Paul-Simon-Statur zeigen Spain jetzt Europa. Beherzt singt er dabei solo zur Akustischen, wirft sich mit Verve in Geschichten von Trennung, Mythos und Liebe. Auf Englisch. Das fremdelt etwas, speziell bei Zeilen wie "you were naked at the back seat of my Fiat".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2012

A. Körner

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