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Monika Marons Roman „Zwischenspiel“ feiert Uraufführung am Kleinen Haus Dresden

Monika Marons Roman „Zwischenspiel“ feiert Uraufführung am Kleinen Haus Dresden

Trotz der missglückten Ehe mit deren Sohn Bernhard hält Ruth noch die Verbindung zu ihrer Ex-Schwiegermutter, der Oma ihrer Tochter Fanny.

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Ruth (Hannelore Koch) holen während der benachbarten Beerdigung ihrer Schwiegermutter die Schatten der Vergangenheit (Matthias Luckey) ein.

Quelle: David BaltzerStaatsschauspiel PR

Olga ist tot. Doch die Beerdigung, zu der sie im vereinten Großberlin auf die andere, ihr eigentlich gut bekannte Seite muss, findet ohne sie statt. Sie verfährt sich unter Missachtung ihres Navigators. Und gönnt sich statt dem Friedhof einen Tagträumtag im benachbarten Park und trifft gedanklich – auf der Bühne natürlich leibhaftig – verschiedene Gestalten aus der Vergangenheit. Neben den läuternden Zwiegesprächen mit Tochter und Schwiegermutter gibt es auch Begegnungen mit den Ex-Männern Bernhard und Hendrik, selbst Margot und Erich Honecker erscheinen, um sich und ihre Motive zu erklären, während Ruths lebenden Bezugspunkte nebenan würdig von Olga Abschied nehmen.

Diese teils absurd, teils trivial dahin dämmernden Reflektionen erschließen eine recht normale Frauenbiografie und ergeben als Puzzleteilchen ein wenig glückliches Leben, wobei der frühe Abschied vom Hund offenbar nicht weniger hart als der von den Ehemännern wirkte.

Felicitas Zürcher, Schweizerin des Jahrganges 1973 und seit fünf Jahren Dramaturgin am Dresdner Staatsschauspiel, nahm sich des jüngsten Romans von Monika Maron, wie viele bekannte DDR-Autorinnen mit spannendem Werdegang gesegnet wie gestählt, an und erstellte für die Dachbühne im Kleinen Haus eine Fassung, die am Freitagabend – eingebettet in die stattlichen Festivitäten unter dem offiziellen Titel „Eine Woche im Oktober – 25 Jahre friedliche Revolution“ – ihre Uraufführung erfuhr.

Malte Schiller, Hamburger des Jahrgangs 1983 und seit zwei Jahren in Dresden Regieassistent, tat das Nötige bei seinem Debüt, um aus der Vorlage einen akzeptablen Theaterabend zu machen. Das hieß hier vor allem, der Präsenz von Hannelore Koch und Anna-Katharina Muck zu vertrauen und diese beiden das Verhältnis zwischen der tagträumenden Antiheldin Ruth zur verblichenen Ex-Schmiegermutter Olga und deren Enkelin Fanny analysieren zu lassen. Beide Damen lösen das souverän, während die Herrschaften in Form von Matthias Luckey und Fast-Diplomschauspieler Max Rothbart überaus beweglich in verschiedenen Rollen daherkommen. Letzterer muss gar den blauäugigen Hund Nicki geben – eine Metapher für die kommende Einsamkeit Ruths.

Dazu entwarf Bühnenbildner Markus Pötter zwei weiße, drehbare Dreiecke, auf deren Rückseite die Parkflora erblühte. Auch Julia Pommers Ideen, deren Kostüme sowohl Zeit- als auch Rollensprünge subtil symbolisierten, funktionierten gut, wobei sie die spannendste beim Premierenapplaus selbst trug.

Doch ob Marons jüngstes Werk wirklich Figuren beherbergt, deren Ein- und Ausflüsse sich bühnenreif nachhaltig

genug einprägen, bleibt in der Spielfassung von Felicitas Zürcher unbewie-

sen. Einvernehmliche Republikflucht plus latenter Stasi-Einfluss reichen nicht für ein spannendes Wendestück, das man zur Uraufführung am deutschen Einheitstag erwarten mag. Dafür fehlt politische Brisanz und Reibung an den Systemen. Und auch spannende Charaktere – außer jenem aus gutem Grunde versoffenen Bruno als Hendriks Einflüsterer, von Matthias Luckey sehr prägnant gegeben. Zudem haftet dem Ganzen die übliche Schwere des sukzessiven Miterzählens, hier verteilt auf alle Beteiligten, an, die man bei Romanverstückung allerorten selten elegant gelöst findet.

Vielleicht erhellt Monika Maron diese Zweifel am Donnerstag höchstselbst, denn die Erfinderin dieser prämorbiden Parkszenerie, Berlinerin des Jahrgangs 1941 und einst auch als Für Dich- und Wochenpost-Autorin bekannt und ab „Flugasche“ berühmt, wird nach der zweiten Vorstellung Rede und Antwort stehen. Also just an jenem 9. Oktober,

als vor einem Vierteljahrhundert die recht harsche und ausschreitungsreiche einwöchige Dresdner Revolution bereits Geschichte war, damit die friedliche Leipziger beginnen konnte, wie sich alle wirklich Beteiligten gern erinnern. Vielleicht kann sie auch erklären, ob und inwiefern ihr Roman terminlich passt.

Dass die premierenfolgende „Wendezeitparty“ am Freitagabend unter dem schon zu Ostzeiten antiquierten Titel „Musikalische Luftfracht“ – mit bezopftem DJ in neuem FDJ-Hemd dekoriert – nicht in Fahrt kommt, war schon aufgrund der Ankündigung zu erwarten. Schnell hatte man mit Jürgen Walters „Schallali, schallala“ heutiges MDR-Schlagerniveau erreicht und es war höchste Zeit zu gehen. „Es tut nicht mehr weh“, sang dieser einst jeder seiner Verflossenen nach, vermutlich war später auch die Republik dabei. Doch denkt man an jene Zeiten und jene Stimmung vor just 25 Jahren an diesem Ort nach, unter dessen Gedenken der Abend und die Woche subsumiert ist, dann tut es das doch – und zwar gehörig.

Andreas Herrmann

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