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Monika Maron stellt im Festspielhaus Hellerau ihren neuen Roman "Zwischenspiel" vor

Monika Maron stellt im Festspielhaus Hellerau ihren neuen Roman "Zwischenspiel" vor

Die Schriftstellerin Monika Maron (72) hat über Umweltverschmutzung in Bitterfeld geschrieben und später über das Solar Valley dort. Sie hat über die Liebe geschrieben, über Aufbrüche und Hoffnungen.

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Monika Maron im MDR Lesecafé, moderiert von Michael Hametner.

Quelle: Andre Kempner

In ihrem neuen Roman kreist die mehrfach ausgezeichnete Autorin um existenzielle Fragen. "Zwischenspiel" soll am Mittwoch in die Läden kommen, gestern Nachmittag hat Maron es im Rahmen des 17. Leipziger literarischen Herbstes in der Moritzbastei vorgestellt - eine Aufzeichnung des MDR Figaro Lesecafés.

Dass man dieses Buch für weniger politisch halten könne als "Flugasche", "Pawels Briefe" oder auch "Stille Zeile Sechs", sagt Moderator Michael Hametner. Monika Maron lächelt. Und widerspricht, wie oft an diesem Nachmittag in der vollbesetzten Veranstaltungstonne der Moritzbastei: "Wenn der Alltag ein politischer Alltag ist, wie das in der DDR war, und ich Geschichten über Menschen schreibe, dann bleibt es nicht aus, dass das eine politische Dimension hat."

In ihrem neuen Roman, ist viel von Religion die Rede. Was, wie Monika Maron findet, aktuell einen sehr politischen Bezug hat - nicht wegen des Bischofs von Limburg, sondern grundsätzlicher. "Wir sind ja plötzlich wieder auf eine Art mit der Religion konfrontiert, wie ich das nie für möglich gehalten hätte. In dem Maße, wie eine Religion einzieht und ein ganz anderes religiöses Bewusstsein, eine ganz andere religiöse Intensität plötzlich ins Land strömt, muss man darauf eine Antwort finden." Zum anderen hat sie das Gefühl, "dass die christlichen Kirchen glauben, sie müssten dem Islam etwas entgegensetzen und sich selbst wieder stark machen". Sie habe wirklich gedacht, "dass Religion privater ist".

Der Roman "Zwischenspiel", aus dem Maron liest und über den sie mit Hametner spricht, stellt Fragen nach persönlicher Schuld. Ich-Erzählerin Ruth, 61, hat vor Jahren Bernhard, den Vater ihrer Tochter, verlassen. Bernhards Sohn Andy, 6, hatte einen schweren Unfall und würde wegen der Kopfverletzungen nie wieder sein wie vorher. Das hat Ruth überfordert, sie konnte nicht die Mutter des kranken Jungen sein, sondern nur die ihrer halbjährigen Tochter. "Schuld bleibt immer, so oder so", hat Olga, Bernhards Mutter, diese tapfere Herzlosigkeit damals kommentiert.

Nun ist Olga tot und Ruth auf dem Weg zur Beerdigung. Allerdings kommt sie nie dort an. Und eigentlich doch. Ruth erlebt den sonderbarsten und, wie sie findet, auf gewisse Weise schönsten Tag ihres Lebens. Denn statt auf dem Friedhof landet sie in einem Berliner Park. Dort erscheinen ihr Olga und auch Bruno, der sich längst aus dem Leben gesoffen hat, ein Freund ihrer Ex-Mannes Hendrik. Bruno war ungleich talentierter als Hendrik, ein erfolgreicher Schriftsteller. Doch er wollte sich nicht an der Literatur schuldig machen, hat seine Begabung privatisiert und verschleudert an seine Saufkumpane. "Das Trinken, nennen wir es freiweg Saufen, ist in Wahrheit eine kolossale Anpassungsleistung der unglücklich Geborenen." Eine faszinierende Figur.

Ruth sieht also Tote, spricht mit ihnen, holt nie gestellte Fragen nach. Es sind nach außen geführte Selbstgespräche, die auch der Selbstvergewisserung dienen. Denn sie, die von sich sagt, dass sie viele verschiedene Leben hatte, geht der Frage nach, ob das Verschwinden einer früheren Ruth, an die sie sich kaum erinnern kann, nicht auch die Schuld tilgt.

Um dieses Zusammentreffen der Lebenden mit den Toten zu arrangieren, wendet Maron einen Kniff an. Sie lässt Ruth einen Moment zu lange in gleißendes Licht schauen, so dass die Bilder zerspringen, die Realität verpixelt ist und Ruth nur das, wovon sie ein Bild im Kopf hat, scharf sehen kann. Wegen dieser plötzlichen Augenschwäche geht ihr Blick also nach innen, führt in den "Erinnerungskeller" zu den "Erinnerungsleichen", zurück in die Jahre in der DDR und nach der Ausreise in Westberlin. Schnell findet sie sich damit ab, dass an diesem Tag Dinge geschehen, an die sie eigentlich nicht glaubt.

Den Rahmen des Romans bilden Fragen nach Schuld, Gewissen, Glaube. Es geht um Entscheidungen zwischen dem einen Falschen und dem anderen Falschen. Aus dem Schatten der Jahre treten Irrtümer, das Böse, Verrat. Und zwischen allem: der Tod als Versuchung genauso wie als Bedrohung. "Wir sind damit geschlagen, dass wir um unsere Sterblichkeit wissen", sagt Monika Maron, die trotz der schweren Themen einen leichten, zuweilen komischen Roman geschrieben hat, der mit den im Park umherirrenden Eheleuten Honecker sogar das Absurde streift. Sehr lesenswert.

Man müsse alle Schutzvorhänge zur Seite ziehen, "sonst kommt man ja nicht ins Innere", sagt sie. Ob man dafür Mut brauche? "Ach Mut ...", seufzt Maron, "nicht mehr Mut, als jeder, der mit bestimmten Fragen seines Lebens oder seinem Denken umgeht". Ihr Fazit: "Man kommt ohne Schuld nicht durchs Leben."

Die Aufzeichnung des MDR Figaro Lesecafés mit Monika Maron wird am 27. Oktober, 16 Uhr, ausgestrahlt, die Wiederholung ist am 29. Oktober ab 22 Uhr zu hören

Monika Maron: Zwischenspiel. Roman. S. Fischer Verlag; 191 Seiten,18,99 Euro (erscheint am 23. Oktober)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2013

Janina Fleischer

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Von Redakteur Janina Fleischer

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