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Molières „Amphitryon“ als komödiantischer Leckerbissen an den Landesbühnen Sachsen

Götterlaunen auf Kosten der Irdischen Molières „Amphitryon“ als komödiantischer Leckerbissen an den Landesbühnen Sachsen

Die da oben können sich alles erlauben! Jupiter, der Kanzler des Olymp, verwandelt sich einfach in den thebanischen Feldherrn Amphitryon, weil er scharf auf dessen Frau Alkmene ist: Eineinhalb vergnügliche und gekonnte Stunden Komödie erwarten die Besucher an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

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„Amphitryon“ an den Landesbühnen Sachsen mit Grian Duesberg und Sascha Gluth.

Quelle: Hagen König

Dresden. Die da oben können sich alles erlauben! Jupiter, der Kanzler des Olymp, verwandelt sich einfach in den thebanischen Feldherrn Amphitryon, weil er scharf auf dessen Frau Alkmene ist. Und treibt das Spiel auch noch auf die Spitze, indem er sich als Doppelgänger zeigt und überdies seinen Boten Merkur in die Haut des Dieners Sosias schlüpfen lässt! In Molières Fassung des auf Plautus zurückgehenden Sagenstoffes rebellieren die Irdischen aber nur sehr zahm gegen diese Willkür, obschon das Stück auch auf das Gebaren König Ludwigs XIV. anspielen soll. Das pikant-erotische Verwirrspiel dominiert, und die Landesbühnen Sachsen setzen da auch nicht künstlichen Klassenkampf drauf.

Eineinhalb vergnügliche und gekonnte Stunden Komödie erwarten die Besucher am Stammhaus in Radebeul. Über die gesamte Distanz bleibt das Gefühl, Schauspielchef Peter Kube sei als Regisseur in seinem Element. Was niemanden wundern wird, wenn man an seine Zeiten im Zwinger-Trio oder die Auftritte auf dem Theaterkahn denkt. Dass er sich auf bewährte Komödianten im Ensemble verlassen kann, versteht sich beinahe von selbst. Verstärkt werden sie durch den Gast Sascha Gluth in der Rolle des Original-Amphitryons.

Sphärisches Blau dominiert die Radebeuler Guckkastenbühne. Im Nebel schiebt Anke Teickner als die sinnliche Nacht den Mond im Kinderwagen umher. Die Ausstattung von Tom Böhm kommt später lediglich mit einer Mehrzweck-Doppeltür und einem stählernen Ehebett aus. Beides mobil und von den Akteuren schnell selbst auf- und abzubauen. Die erste Zuschauerreihe sollte sich darauf gefasst machen, mehrmals unmittelbar in das Geschehen einbezogen zu werden.

Aus dem Zuschauerraum wird Merkur alias Michael Berndt-Cananá per Handy zum Dienst gerufen. Bei seiner Mission im Hause Amphitryons stößt er auf den originalen Diener Sosias (Grian Duesberg), und das Verwirrspiel beginnt. Auch der Zuschauer ist verblüfft, wie sehr sich die Doppelgänger Sosias und Amphitryon nicht nur kostümiert, sondern auch vom Phänotyp her ähneln. Das Ensemble hält die zueinander passenden Typen bereit, denn Filmtricks mit nur einem Schauspieler erlaubt das Theater nicht. In ihrem Auftreten aber unterscheiden sie sich deutlich. Der originale Diener Sosias wirkt immer ein bisschen überfordert und einfältig, während der verwandelte Merkur die Dramaturgie clever managt. Dass Sosias seiner lasziven Frau Cleanthis jemals gewachsen sein könnte, mag man nicht glauben. Sophie Lüpfert im dunkelgrünen Kurzkleid bringt Frivolität in die Szene, während die Alkmene Julia Vinczes in Negligé oder Badetuch eher natürlichen Liebreiz ausstrahlt.

Sascha Gluth als Amphitryon erscheint als der wackere, energiegeladene und seine Frau ehrlich liebende Feldherr, mit dem Matthias Henkel als charmanter Jupiter zunächst ebenso spielt wie mit Alkmene. Reizvoll für den Zuschauer, der das Wissen um die Täuschung dank Verwandlungskunst den irdischen Akteuren voraus hat. „Wer bin ich? Ich muss doch auch was sein!“, geraten Sosias und Amphitryon in eine Identitätskrise. Bis zehn Minuten vor Schluss wird das Spiel auf die Spitze getrieben, herrscht Fassungslosigkeit vor, „wie dieser Gauner meine Rolle spielt“. Peter Kube vermeidet Slapsticks und Plattheiten, vertraut dem von Arthur Luther allerdings manchmal simpel gereimten Text und dem Esprit seiner Schauspieler. Ehe der in seiner Ehre gekränkte Amphitryon mit einem Riesenschwert echtes Unheil anrichten kann, kommt dann die Auflösung des Rätsels. Wie schon gesagt, ohne sonderliche Empörung der vorgeführten Irdischen. Sosias verfällt zum Finale eher in Sarkasmus: „Verehren sollen wir der Gottheit weises Walten?“ Besser heimgehen und das Mal halten, empfiehlt er.

Aufführungen: 30. April, 20. Mai, 10. Juni, Landesbühnen Sachsen

Von Michael Bartsch

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