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Mittler zwischen den Kulturen: Zum 150. Geburtstag von Mori Ôgai

Mittler zwischen den Kulturen: Zum 150. Geburtstag von Mori Ôgai

Über viele Jahrhunderte war Japan ein abgeschlossenes Land, das Vertretern ausländischer Mächte den Zutritt verwehrte. Das änderte sich erst mit einem erzwungenen Freundschafts- und Handelsvertrag mit den Amerikanern Mitte des 19. Jahrhunderts, dem bald ähnliche Abkommen mit europäischen Großmächten folgten.

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Mori Ôgai auf einem Gemälde in der Mori-Ogai-Gedenkstätte in Berlin-Mitte.

Quelle: Wikipedia

1862 traf der erste ständige Vertreter Preußens in Japan ein. In diesem Jahr wurde im südwestjapanischen Burgstädtchen Tsuwano am 19. Tag im 1. Mond des 2. Jahres Bunkyu (nach gregorianischem Kalender am 17. Februar) Mori Ôgai geboren (Mori der ist der Familien-, Ôgai der Vorname). Der Spross einer dem niederen Feudaladel angehörenden Arztfamilie wurde im Sinne des Neokonfuzianismus erzogen, lernte mehrere Sprachen und studierte in Tokio Medizin. Nach Abschluss des Studiums erhielt er ein Staatsstipendium, das es ihm ermöglichte, von 1884 bis 1888 in Deutschland unter anderem bei Robert Koch seine Kenntnisse der Hygiene und des Heeressanitätswesens zu vervollkommnen.

Neben Leipzig, München und Berlin war auch Dresden ein Aufenthaltsort des jungen Mediziners. Schon seinen ersten Besuch, er traf am 12. Mai 1884 in Dresden ein, nutzte er neben der Audienz beim sächsischen Kriegsminister für ausgiebige Besichtigungstouren durch die Stadt. Noch am ersten Tag besuchte er den Großen Garten und den Zoo, am Folgetag die Skulpturensammlung und die Gemäldegalerie, wo er sich angesichts der Sixtinischen Madonna am Ziel eines Traums sah. Nachdem er mit Erlaubnis des sächsischen Königs ein Manöver beobachtet hatte, kam er im Oktober wieder, um an einem Winterkurs für Militärmediziner teilzunehmen. Er mietete sich zunächst wie beim ersten Besuch im Hotel "Zu den vier Jahreszeiten" ein, bewohnte dann bis Februar 1886 eine Wohnung in der Großen Klostergasse 12 in der Nähe der Augustusbrücke.

In seinem "Deutschlandtagebuch" hat er diese Monate ausführlich beschrieben, Monate die der Forschung dienten. Nach den Kursen widmete er sich bakteriologischen Studien, besuchte die Gehe-Werke und Vorträge im Polytechnicum, Kasernen, Krankenhäuser, Gefängnisse, Wäschereien und Wasserwerke.

Daneben beschäftigte er sich intensiv mit der europäischen Literatur, Musik, Kunst und Philosophie. Im "Verein für Erdkunde" hielt er, in deutscher Sprache, einen Vortrag über japanische Wohnhäuser, er besuchte Theater und das Schillerhäuschen im Loschwitz und wunderte sich über den riesigen Bierkonsum der ihn in Kneipen und Cafés begleitenden deutschen Offiziere.

Seine Erfahrungen in Deutschland waren es dann auch, die ihm den Eintritt ins geistige Leben seines Heimatlandes ermöglichten, denn sie fanden in den ersten Novellen, die er 1890 veröffentlichte, ihren Niederschlag. In den folgenden Jahrzehnten avancierte Mori Ôgai nicht nur zum ranghöchsten Arzt des Japanischen Heeres, er wurde nach dem Militärdienst auch Generaldirektor der Kaiserlichen Bibliotheken und Museen und zu einem der führenden Intellektuellen Japans am Beginn der Moderne.

Die Gesamtausgabe seines Werkes umfasst 38 Bände, neben zahlreichen medizinischen, historischen und kulturkritischen Texten finden sich darunter auch Novellen, Romane und Dramen. Außerdem hatte er schon vor seiner Reise mit Übersetzungen begonnen, erschloss dann den japanischen Lesern unter anderem Werke von Heine, E.T.A. Hoffmann, Kleist, Lessing und Schiller. Als erster Japaner übersetzte er, angeregt durch einen Besuch in Auerbachs Keller, beide Teile von Goethes Faust.

Mori Ôgai, der am 9. Juli 1922 starb, verstand es, die fernöstliche Bildung mit der europäischen zu vereinen, er wurde so nicht nur einer der wichtigsten japanischen Intellektuellen seiner Zeit sondern auch zu einem wichtigen Mittler zwischen den Kulturen.

In Berlin befindet sich seit einigen Jahren eine Mori-Ôgai-Gedenkstätte, zudem sind zahlreiche Erzählungen ins Deutsche übersetzt worden. Im Februar erscheint bei Manesse mit dem Roman "Die Wildgans" ein Hauptwerk des japanischen Autors.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.02.2012

Jens Wonneberger

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