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Mit einer gruslig-schönen Premiere startet das tjg in die Sommertheater-Saison

Mit einer gruslig-schönen Premiere startet das tjg in die Sommertheater-Saison

Kann man sich denn in einem grünen Park, bei Vogelgezwitscher und unter der strahlenden Sonne eines herrlichen Frühlingstages überhaupt gruseln? O ja, und wie man das kann! Mit der Premiere der "Drei Räuber" von Tomi Ungerer beweist das Ensemble des Theaters Junge Generation einmal mehr, wie stark die Kraft der Phantasie ist.

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Tiffany kann sich gegen die Räuber behaupten.

Quelle: Dorit Günter

Mitten hinein ins fröhliche Plaudern der jungen beinebaumelnden Zuschauer platzt die Geschichte des kleinen Mädchens Tiffany, das am Grab ihrer Eltern steht und verzweifelt Abschied nimmt. Und als erst der gruslige Frosch mit seinem Waisenhaus-Express auftaucht, grimmig tief aus der Kehle heraus quakend, da gefriert wirklich jedem im Publikum das Blut.

Plötzlich ist man direkt im Geschehen, in einem dunklen, dunklen Wald, vergessen sind der schöne Park, das Vogelgezwitscher, die strahlende Sonne, denn hier ist es nur unheimlich und gefährlich. Tiffany - um sich die Furcht zu vertreiben - erzählt ihrer Puppe, dem Fräulein Pimpernella, Märchen: von einem reichen Maharadscha in seinem goldenen Schloss. Und dann, ja, dann wird die Kutsche überfallen. Genial ist dieser Überfall, denn die drei Darsteller (Dorothee Carls, Christoph Levermann, Annemie Twardawa) erzählen ihn quasi nur, mit ihren knarrenden, krachenden Stimmen und ihren sich biegenden, fliegenden Körpern. Erst als die "Kutsche" in Stücken liegt, treten die drei Räuberfiguren Malente, Donner-Jakob und Flinn auf. Und wollen gleich wieder abtreten, denn hier ist "nichts zu holen".

Da haben sie aber die Rechnung ohne Tiffany gemacht, denn das Mädchen will unbedingt entführt werden, um so dem Waisenhaus zu entgehen. Erst mit der Ankündigung des Lösegoldes ihres reichen Vaters, des Maharadschas, kann Tiffany die Räuber überzeugen, und dann nimmt die Geschichte ihren gewohnten Lauf. Die Inszenierung von Frank Alexander Engel, der gleichzeitig für Bühne, Kostüme und Puppen verantwortlich zeichnet, bleibt nahe an der Vorlage von Buch und Film (Hayo Freitag) und bereichert sie doch um zahlreiche teils schwarzhumorige Elemente.

Die Dialoge zwischen dem Polizisten (Dorothee Carls) und seinem Praktikanten Levermann (Christoph Levermann) zum Beispiel sind wunderbar und lassen vor allem die großen Zuschauer schmunzeln, wenn der Chef jeweils nach fünf Minuten Arbeit den Feierabend ausruft. Beeindruckend auch ist die Darstellung der cholerischen Tante Cordula (großartig: Annemie Twardawa), die das Waisenhaus mit eiserner Hand regiert und die armen Kinder Tag für Tag unter dem Motto "Ohne Rübe keine Liebe" zur Arbeit auf den Acker schickt. Als Gregory und Nikolas aus diesem Terror-Regime fliehen, stellt sich ihnen ein schauriger Wald entgegen. Drei Menschen, vier Bäume in schwarz-weiß, eine Maske und jede Menge unheimlicher Geräusche reichen aus, um den Wald in der Phantasie der Zuschauer auf das Lebendigste entstehen zu lassen. Überhaupt sind die schwarz-weißen Kulissen im Comic-Stil ein wunderbarer Hintergrund für diese wilde Geschichte um Einsamkeit und Mut, Vertrauen, Freundschaft und Zusammenhalt.

Wie die Geschichte ausgeht? Nur so viel sei verraten: Die Waisenkinder lernen künftig das Räubern. Aber richtig! Und der Polizist tritt vor und verkündet (natürlich): "Feierabend! Aber richtig!"

Mit den "Drei Räubern" ist das Theater Junge Generation furios in die Sommertheater-Saison gestartet. In einer knappen Woche folgt am 12. Juni die zweite Premiere: Ronny Jakubaschk inszeniert Ulrich Zaums "Robin Hood" familientauglich und mit Livemusik auf der Freilichtbühne des Dresdner Zoos. Nach dem großen Erfolg in der letzten Saison dürfen sich Eltern und Kinder außerdem auch in diesem Sommer wieder auf die Inszenierung "Piraten sind das Wildeste, was es gibt" im Sonnenhäusel freuen. Insgesamt sind bis zum Beginn der Sommerferien 51 Sommertheatervorstellungen angesetzt.

"Die drei Räuber" (ab 4 Jahre), im Sonnenhäusel im Großen Garten, nächste Termine: 23. Juni bis 3. Juli (wochentags 10 Uhr, Sa/So 16 Uhr)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.06.2015

Birgit Andert

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