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Mit einem Überraschungssieg sind die Poetry Slam Meisterschaften in Dresden zu Ende gegangen

Mit einem Überraschungssieg sind die Poetry Slam Meisterschaften in Dresden zu Ende gegangen

Mit einem Überraschungssieg sind die Wettbewerbe bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften in Dresden zu Ende gegangen. Im Mannschaftsfinale setzten sich am Samstagabend im ausverkauften Schauspielhaus die Newcomer Team Scheller durch.

Die Marburgerin Dominique Macri und der Frankfurter "Dalibor" hatten sich erst in diesem Jahr, für die Meisterschaften, zusammengetan. Ihr rhythmischer, lyrischer Text über Alltagsbefindlichkeiten und innere Zerrissenheit brachte die höchsten Jurywertungen (95,3 von möglichen 100 Punkten). Die 33-Jährige Dominique und ihr 39-Jähriger Slampartner schafften sogar das vermeintlich Unmögliche: Eine 10,0 bei gleich zwei der zwölf Juroren. "Wir hatten im Organisationsteam auch ein Wettbüro eingerichtet. Doch niemand hatte die beiden auf dem Schirm", erklärt Christian Meyer, Sprecher der 18. deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften. "Allerdings sind beide schon sehr lange in der Slam-Szene vertreten und haben viele Fans. Als Duo konnten sie einfach nur gut sein", fügt Meyer hinzu.

Nur knapp hinter dem Team Scheller landete das bereits mehrfach ausgezeichnete Team LSD (94,6 Punkte), bestehend aus den beiden Berlinern Volker Strübing und Michael Ebeling. Die Bronze-Medaille sicherte sich das Trio Allen Earnstyzz (92,6 Punkte). "Eigentlich dachten wir alle, dass die drei gewinnen. Schließlich waren sie in den vergangenen beiden Jahren die Vizemeister", so Christian Meyer. Aber wie gesagt, es war ein Abend voller Überraschungen.

Rhythmus und Reim spielten auch beim Sieger im Einzel eine große Rolle: Der Vorjahreszweite Lars Ruppel aus Marburg machte am Freitagabend im Alten Schlachthof mit seiner modernen Ballade über den sprichwörtlichen "Alten Schweden", den eine Fee zum Ikea-Schnitzertum verflucht, alles klar. Der 29-Jährige jonglierte vor 1200 Zuschauern gekonnt mit Sätzen wie "Schwere Schwedenschläge bebten, Sägespäneschwaden schwebten". Umjubelt sammelte der gebürtige Hesse die Höchstwertung ein. "Das Schöne ist, dass in diesem Jahr Künstler gewonnen haben, die Poesie vorgetragen haben. Viele kritisieren ja beim Poetry Slam, dass es nur noch Komik ist. Doch in diesem Jahr hat die Poesie gewonnen", ist Meyer überzeugt.

Die beiden Finalveranstaltungen im Alten Schlachthof und im Schauspielhaus bildeten den Abschluss der 18. deutschsprachigen Meisterschaften. In insgesamt 21 Veranstaltungen wurden die modernen Dichter gekürt, etwa 300 Poeten und Literaturveranstalter reisten an. In die sechs Austragungsorte (Scheune, GrooveStation, Alter Schlachthof, Kleines Haus, Schauspielhaus und Filmtheater Schauburg) strömten nach Angaben von Christian Meyer knapp 7000 Gäste. "Wir sind 100 Prozent zufrieden. Wir haben zwei Jahre lang viel Arbeit in die Vorbereitungen investiert, doch es hat sich absolut gelohnt."

Mit den Meisterschaften in Dresden feierte die deutsche Slam-Szene auch ihr 20-jähriges Bestehen. 1994 brachte der Berliner Wolf Hogekamp das Konzept aus den USA mit, wo es in den achtziger Jahren von Marc Kelly Smith erfunden wurde. 1997 fand dann in Berlin die erste deutschsprachige Meisterschaft statt. Die Regeln des modernen Dichterwettstreits sind einfach: Die Slammer treten allein oder im Team mit selbst geschriebenen Texten gegeneinander an. Ein Zeitlimit gilt ebenso wie das Verbot, Hilfsmittel zu benutzen. Eine Jury im Publikum entscheidet über das Weiterkommen in die nächste Runde.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.11.2014

Nadine Steinmann

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