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Mit der Nacht in den Venen - I Am Kloot auf Ausnüchterungstour im Beatpol Dresden

Mit der Nacht in den Venen - I Am Kloot auf Ausnüchterungstour im Beatpol Dresden

I Am Kloot sind drei Männer aus Manchester, die ihre Lieder gern zwischen dem Trinken und vor dem bösen Erwachen schreiben. Zumindest konnte man lange mit den Worten "drink", "bar" und "dark" einen passablen Kloot-Song zusammenzimmern.

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Schreibt unaufgebauschte Songs, die er mit I Am Kloot unaufgeblasen mit der Gitarre spielt und singt: John Bramwell.

Quelle: Dietrich Flechtner

Nach sechs Alben voller Zynismus und Zärtlichkeit weist "Let It All In" (2013, Pias) nun in Richtung des Lichts am Ende des Tresens. Beim Konzert dazu klingt die Band allerdings zu oft nach dem, was nach der Dunkelheit und nach der Hoffnung kommt: nach gesundheitsschonender Routine.

Nicht, dass sie das mit der Dramatik nicht mehr könnten. Sänger und Gitarrist John Bramwell versteht es, ohne aufgebauschte Worte tiefgehende Songs zu schreiben und diese mit seiner Gitarre genauso unaufgeblasen vorzutragen. Indie-Minimalismus, so wurde der Sound im Jahr 2001 bei Erscheinen des Debütalbums "Natural History" eingetütet. Diese Spezialität hört man den Kloots immer dann am deutlichsten an, wenn wenig passiert auf der Bühne und nur ein paar Instrumente zusammenarbeiten. Andy Hargreaves' Schlagzeug ist dann kein dominierendes Instrument, sondern kehrt der Musik hinterher, schlürft auf Socken, wo andere mit dickem Profil auftreten. Irgendwie kommt das Zurückgenommene auf Platte aber besser zur Geltung als auf der Bühne, wo öfter mal alles zu einem weniger spannenden Sound zusammenströmt. Man hofft hier und da auf ein wenig mehr Extravaganz, auf ein bisschen mehr Rum statt englischem Lager.

Drei weitere Musiker ergänzen die Bühnenshow dann gelegentlich um Keyboard, eine weitere Gitarre oder um ein Akkordeon, die Trompete bläst ab und zu ein paar saubere Noten. Das was früher Indie war, ist nun gut gemachter Pop, Pop im Sinne der Eingängigkeit, Pop, der vom Folk kommt und den Rock'n'Roll zumindest anblinzelt. Bramwell singt mit leicht näselnder Stimme, und ab und zu erzählt er auch mal was, zum Beispiel, dass seine Bandkollegen ihm rieten, er solle ein oder zwei Solostücke ins Programm nehmen. Nicht etwa, weil sie die gut fänden, sie brauchten nur eine Raucherpause, wie er herausfinden musste. Solche Geschichten nuschelt er ins Mikro, nicht jeder versteht seinen Akzent, dennoch wird immer mal wieder gelacht, man ahnt, das war jetzt witzig gemeint.

Die besten Songs des Abends jedoch sind nicht witzig. "I still do", das Bramwell fast allein an der Gitarre singt, ist so melancholisch, dass es die Nacht und ihre leeren Gläser wieder mit der alten Kloot-Schwere auffüllt. "When I was a child/I had that look in my eye/I had a will to despise/Make destruction my life/And I still do." Zerstörung als gewähltes Lebensziel eines Kindes, mit so einer künstlerischen Aussage im Textgepäck, lässt sich kaum noch ein frohgemutes Lied drum schnüren. Doch genau das ist ihre Stärke: zu retten, was noch zu retten ist, Hoffnung in die hoffnungsloseste Situation zu bringen. "Fingerprints" vom vorletzen Album "Sky At Night" klingt so leicht, als hätten die sechs Schnäpse an der Bar einem die Sorgen weggespült und man könnte nun den Rest der Nacht und mit geschlossenen Augen tanzen. "It's just the night in your veins/It's just the night."

I Am Kloot gehen ein bisschen weiter, und das ist konsequent. Erst waren sie ganz leise, bei "Gods and Monsters" wurden sie aggressiv und schufen ein paar wunderbare Dissonanzen, die sich eben ergeben, wenn man wütend, aber zart besaitet ist. Auf der Tour zum aktuellen Album kommen sie wieder runter und sind nun bei ziemlich klarem Verstand. Das Dunkle in ihrer Musik, das Widersprüchliche, das hört man "Let It All In" nur an, wenn man mit ihm allein ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.03.2013

Juliane Hanka

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