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Mit Weitblick: Filip Paluchowskis Start beim TU-Orchester

Mit Weitblick: Filip Paluchowskis Start beim TU-Orchester

Zwar blieb die größte Hitze aus der Lukaskirche ausgesperrt, doch eine zusätzliche Grenzerfahrung in punkto Wärme hatten die Mitglieder des TU-Sinfonieorchesters allemal: "Grenzgänger" war das Programm am Sonntag überschrieben, das zugleich Antrittskonzert des Dirigenten Filip Paluchowski war.

Der Begriff bezog sich auf die Werke und auf den neuen Leiter des Universitätsorchesters Dresden, gehört er doch zur Generation derer, für die politische oder familiäre Grenzen - zwischen Polen und Deutschland - kaum noch von Bedeutung sind. Aber auch Komponisten, denen Europa stets musikalisch als Ganzes zur Verfügung stand, haben sich wenig an nationale Schranken gehalten, wie die ausgewählten Werke zeigten.

Richard Wagner mag anders gedacht haben, doch wegen der herausfordernden Schwierigkeiten passte das Vorspiel zum 3. Aufzug im "Tannhäuser" dem Orchester und seinem Dirigenten gut ins Konzept. Die Bläsersätze gleich zu Beginn waren dann auch eine heikle Hürde, doch mit Konzentration und unter klarer Leitung verschwanden kleine Unsicherheiten bald. Dass Filip Paluchowski sich seiner Rolle als Zugpferd des Ensembles noch bewusster werden muss, war jedoch immer wieder spürbar, denn was das Vorantreiben des musikalischen Geschehens betraf, agierte er mitunter noch zu zurückhaltend.

Eine Partnerin, die sich dessen mit Energie annahm, hatte der Dirigent in Susanne Schäffer als Solistin von Tschaikowskis Violinkonzert D-Dur. Ihr voller, klarer und durch alle Lagen klangschön ausgebildeter Ton trug das Solo in seiner hier expressiven, dort poetischen Sprache mühelos. Die zunächst kleinteilige Deutung des ersten Satzes wich bald ordentlicher Ausdrucksfülle, mit der das Orchester gut korrespondierte. Ein ausgerechnet während der Kadenz geräuschvoll durch den Mittelgang abgehender Zuhörer brachte Susanne Schäffer nicht aus der Fassung, etwas irritiert war sie allerdings über den üppigen Applaus nach dem Kopfsatz. Heute unüblich, wäre dies zu Tschaikowskis Zeit geradezu ein Zeichen besonderer Wertschätzung gewesen. Sei's drum, auch die anderen beiden Sätze gelangen ausdrucksvoll und, von einem kleinen Patzer im Finale abgesehen, virtuos im wohltuenden Sinn.

Weniger kosmopolitisch in der Wirkung als Tschaikowski, doch mit mindestens so viel Weitblick für ihre musikalische Umgebung begabt, erwiesen sich die beiden polnischen Komponisten Mieczysaw Karowicz in der "Litauischen Rhapsodie" und Witold Lutosawski in der viersätzigen "Maa Suita". Dem elegisch schwelgenden Spätromantiker begegnete Filip Paluchowski mit "seinem" TU-Sinfonieorchester in expressivem Spiel, lebhaft frisch umgesetzt und bis in die Bläsersoli gut gearbeitet waren die modernen Adaptionen von Volksmelodien bei Lutosawski. Dass der neue künstlerische Leiter speziell für diese Musik eine besondere Affinität zeigte, kann man als Glücksfall begreifen, denn das musikalisch so wichtige östliche Mitteleuropa wird zu oft aus dem Blick verloren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.07.2015

Hartmut Schütz

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